Freitag , 23. Oktober 2020
Ilse und Jürgen Cohrt sind seit 60 Jahren verheiratet. (Foto: t&w)

Immer als erste auf der Tanzfläche

Bardowick. Schon als junges Paar haben sich Ilse und Jürgen Cohrt prima ergänzt. Sie hat ihm den Eintritt zum Tanzvergnügen gezahlt, er hat sie zum Dank mit seiner NSU Max nach den Veranstaltungen nach Hause gefahren. „Wir mochten schon immer gerne tanzen. Wir waren jedes Mal die Ersten und auch die Letzten auf der Tanzfläche“, erzählen sie von der Zeit in den 1950er-Jahren, als sie sich kennengelernt hatten. Beim Walzer in einem Gasthaus in Pahlhude in Dithmarschen, Schleswig-Holstein, hatte es dann auch im Sommer 1954 gefunkt. Fortan tanzten sie zusammen durchs Leben, verlobten sich an Heiligabend 1956, gaben sich schließlich am 27. Dezember 1958 das Jawort. Jetzt feierten sie Diamantene Hochzeit.

Nur die NSU war ein Störfaktor

„Er hatte mich aufgefordert“, sagt Ilse Cohrt (81). „Jeder von uns saß in seiner Clique – und wir wollten eigentlich tanzen, so habe ich es dann bei ihr versucht“, ergänzt Jürgen Cohrt (84). Seine Wahl war eine gute. Die beiden verstanden sich auf Anhieb prächtig. „Ich habe meine Frau schon gleich nachdem wir uns an diesem Abend kennengelernt hatten mit meinem Motorrad nach Hause gefahren.“

So stand einer glücklichen Beziehung eigentlich nichts mehr im Wege. Hätte die Oma von Ilse Cohrt sich nicht ständig über das laute Geknatter seiner NSU beklagt, wenn er seine Freundin nach dem Tanz mit dem Motorrad wieder heimbrachte. „Dann habe ich zwischendurch mal mit ihm Schluss gemacht, weil meine Oma meinte, der Lärm würde die Nachbarn stören.“
Es war aber nur eine kurze Pause. Nach einem Vierteljahr waren die beiden erneut ein Paar und trafen sich wieder regelmäßig. Allerdings nur bis zum Juni 1956. Dann verschlug es Jürgen Cohrt nach Bardowick. Er fing bei der Firma Schulenburg als Polsterer an. „Ich blieb noch in Schleswig-Holstein, weil ich dort eine Arbeitsstelle als Hauswirtschafterin hatte.“

Motorrad gegen Schlafzimmer getauscht

1957 folgte sie ihrem damals schon Verlobten, hatte eine Anstellung in Lüneburg, lebte dort im Haushalt mit und zog mit ihm ein Jahr später in eine Einzimmer-Wohnung in den Birkenweg nach Bardowick. 1960 mieteten sie sich drei Häuser weiter bei Familie Gropp ein. Das war dann auch das Ende des Motorrades. „Wir tauschten es gegen ein neues Schlafzimmer ein.“ 1965 war das eigene Haus ein paar Straßenzüge weiter bezugsfertig, in dem das Jubelpaar heute noch lebt. 1976 bekam es das erste Auto, einen gebrauchten VW 1500 Kombi, mit dem sie dann mit ihren drei Töchtern sehr gerne nach Bayern in den Urlaub fuhren.

Die Töchter kamen 1959, 1963 und 1967 zur Welt. „Im Vierjahres-Rhythmus“, sagt Ilse Cohrt. Inzwischen haben sie und ihr Mann zudem noch fünf Enkel und vier Urenkel. Fans sind sie von Enkelin Kim Reukauf. „Sie spielt mit dem TSV Bardowick in der Faustball-Bundesliga. Bei Heimspielen feuern wir sie und ihre Mannschaft regelmäßig an.“ Sie selber sind auch sportlich. „Schon seit Jahrzehnten halten wir uns einmal in der Woche mit Wassergymnastik beim MTV Treubund in Lüneburg fit“, erzählen sie.

Ehrlichkeit und unterschiedliche Hobbys

Dass sie körperlich noch gut beisammen sind, macht sie dankbar. „Wenn es so weitergeht, wie in den vergangenen sechs Jahrzehnten, sind wir zufrieden.“ Harmonie, Ehrlichkeit, Gemeinsamkeiten, aber auch unterschiedliche Hobbys sind für sie das Geheimnis ihrer langen Ehe. Ihre Diamantene Hochzeit feiern sie nach einem Gottesdienst im Bardowicker Dom in der Handorfer Mühle mit gut 40 Gästen. Vielleicht ist ja noch der eine oder andere Tanz drin, so wie einst, als das gemeinsame Leben von Ilse und Jürgen Cohrt begonnen hatte.

Von Stefan Bohlmann