Mittwoch , 28. Oktober 2020
Edith Schulz und Jörg Märtensson hat die Nachbarschaftshilfe Barskamp zusammengeführt. Weil sie kein Auto mehr hat, fährt er mit ihr alle zwei Wochen zum Großeinkauf nach Bleckede. Ehrenamtlich. "Und wahnsinnig gerne", sagt er. Foto: t&w

Gute Nachrichten aus 2018

Lüneburg. Nicht alle Nachrichten, die die Landeszeitung 2018 verkündete, waren gute. Oftmals bestimmen traurige, enttäuschende oder erschreckende Ereignisse den Diskurs. Bei ihren Recherchen sind die LZ-Redakteure in den vergangenen zwölf Monaten aber auch auf viele gute Nachrichten gestoßen – auf Menschen, die Mut bewiesen haben, sich für andere einsetzten, die einfach mal Glück gehabt oder ihren ganz persönlichen Weg gefunden haben. Zehn ihrer Geschichten stellt LZonline zum Jahresende noch einmal vor.

„Ein unglaubliches Gefühl“

Foto: as

Sein Leben hing an einem seidenen Faden. Nachdem sich Sascha Georgi nach einer verschleppten Erkältung eine Herzmuskelentzündung zugezogen hatte, schafft es sein Herz nicht mehr, das Blut richtig zu verteilen. Das war 2004. Die Ärzte probieren es erst mit einem Herzschrittmacher, dann mit einem Kunstherz. Doch es wird klar: Georgi braucht eine Spenderorgan. Nach acht Monaten auf der Hochdringlichkeitsliste für eine Spende erreicht die Familie Anfang 2018 die erlösende Nachricht…

Die Boygroup aus Bockum

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Eines haben David Kruse, Marcel Schmidt, Calogero Sorce und Frank Heinemann schnell begriffen: Wer als Band Erfolg haben will, darf nicht lange träumen, sondern muss einfach mal machen. Also machten sie und veröffentlichten Anfang 2018 ihr erstes Musikvideo zum Cover-Hit „Anna“. Der Erfolg überraschte sie selbst am meisten. 6100 Klicks verzeichnet das Video inzwischen auf Youtube und machte die Band weit über den SOS-Hof Bockum hinaus bekannt…

Wenn Herkunft keine Rolle spielt

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Bereits bei den Bauarbeiten an der Katzenstraße war der Gemeinsinn nicht nur spürbar – er floss auch direkt mit ein in die Gestaltung des neuen Lüneburger Haus der Kulturen, namentlich „Mosaique“. Seit März hat die Anlaufstelle für menschen jeden Alters und jeglicher Herkunft seine Tore weit geöffnet. Initiativen, Organisationen und Ehrenamtliche gestalten gemeinsam ein buntes Programm für eine vielfältige Gesellschaft. Ein großer Gewinn für Lüneburg! …

Und dann kam Peter

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Gewusst habe er es schon als Teenager, sagt Konrad Ruß. Doch zu der Zeit, in seinem Dorf in der DDR, „da konntest du so etwas nicht sagen.“ Sechzig Jahre und eine glücklich Ehe später aber kann er es sagen: „Ich bin homosexuell.“ Inzwischen lebt Ruß im Altenheim und hat mit seiner neuen Liebe Peter auch neuen Lebensmut gefunden…

Nachbarschaftshilfe Barskamp: Dem Glück so nah

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Helfen ist manchmal gar nicht so einfach. Hilfe annehmen noch schwerer. So dauerte es eine Weile, bis sich erste Menschen bei den Ehrenamtlichen der neu gegründeten Nachbarschaftshilfe Barskamp meldeten. Einer von ihnen war Heinrich Röhmstedt. Sein Wunsch: „an die Elbe fahren und schweigen“…

 

Wette verloren – zum Glück

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Mehrfach hatte die junge Frau bei der Arbeit Extra-Schichten übernommen, um ihre neue Einbauküche bezahlen zu können. Dann kam der Anruf, der sie zum Weinen brachte: Siegfried Tippel, Inhaber eines Bad Bevenser Möbelhauses, hatte seine Wette verloren. Die besagt: Zeigt das Thermometer am 31. Juli mehr als 31 Grad Celsius an, erhalten die Kunden, die zwischen dem 09. und 23. Juni bei ihm eingekauft haben, ihr Geld zurück. Bei 34 Grad am 31. Juli 2018 eine klare Sache! …

 

Ein Dorf wehrt sich gegen Rechts

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Nazi-Schmierereien an einer Bushaltestelle lösten bei vielen Bürgern in Alt Garge im September einen Aufschrei aus. Einfach hinnehmen? Auf keinen Fall! Sie rückten zusammen und überlegten, was man gegen Rassismus im Dorf tun könne. Dabei entstanden viele neue Ideen für den Ort und eine klare Haltung gegen rechts! …

„Ich will anderen Mut machen“

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Plötzlich stand sie da auf dem Kronsberg vor mehreren hundert Menschen und der Jury und sprach die Worte aus: „Ich will Heidekönigin werden.“ Bis es soweit war, hat Madita Zimmer aus Amelinghausen einen langen Weg zurück gelegt. Denn lange Zeit fühlte sie sich zu dick, zu wenig attraktiv. Jetzt aber will die angehende Altenpflegerin anderen Mädchen da draußen Mut machen, zu sich selbst zu stehen. Um das zu erreichen, schreibt Zimmer an einem Buch…

Freunde fürs Leben

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26 Stunden Reise brachte der 82-jährige Wilhelm Kruse aus Dahlenburg im letzten Jahr hinter sich. Keine Stunde war für ihn zu viel, kein Kilometer zu weit für das, was ihn an seinem Ziel erwartete: „seine“ Kinder aus Tschernobyl. Vor rund 27 Jahren beschloss er mit seiner Frau, Kinder aus der ukrainischen Region aufzunehmen. Sechs Kinder kamen über die Jahre nach Dahlenburg und als Kruses Frau 2008 starb, war einer ihrer letzten Wünsche: Die Menschen sollten bei ihrer Beerdigung keine Blumen auf ihr Grab legen, sondern spenden „für unsere Kinder aus Tschernobyl“…

 

„Dann gib das mal den Kindern“

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16 000 Euro haben Neugebauer und seine Frau gespart, für eine letzte große Reise. Doch der Arzt riet ab und im Januar verstarb seine Frau. Ihr Wunsch: Er solle das Geld den Kindern geben. Das tat Neugebauer und machte dem Kindergarten Reppenstedt und der Kinderkrippe „Rasselbande“ damit eine Riesenfreude. Zum Dank rückten sie mit einem ganzen Schwung Kinder bei dem 93-Jährigen im Seniorenzentrum an. Der lachte: „So viel Besuch hatte ich noch nie.“ …