Donnerstag , 24. September 2020
Räumarbeiten am Sande im Februar 1979. Landwirte und Bauunternehmer kommen den Straßenmeistereien mit ihren Fahrzeugen zu Hilfe, um die Schneemassen von den Straßen zu beseitigen. Foto: mac

Schneekatastrophe 1978/79: Wie gut wäre Lüneburg heute gerüstet?

Lüneburg. Damit hatte keiner gerechnet: Zum Jahresende 1978 überraschten Unmengen von Schnee, die der Himmel über Norddeutschland ausschüttete, die Bürger. Nur mit vereinten Kräften gelang es, wesentliche Versorgungswege freizuschaufeln und Hilfsbedürftige zu versorgen. Weiter im Norden an der Küste schnitt der Eissturm ganze Landstriche von der Umwelt ab, ließ Strommasten einknicken und Wasserleitungen zufrieren.

Die LZ fragt nach: Was würde ein Wintereinbruch wie zum Jahreswechsel 1978/79 heutzutage in Stadt und Landkreis auslösen? Torsten Hensel, Kreisbrandmeister und Mitglied der Technischen Einsatzleitung, erklärt, wie sich die Einsatzkräfte des Landkreises für solch einen Ausnahme-Winter rüsten und wann es wirklich brenzlig wird.

Kreisbrandmeister Torsten Hensel
Kreisbrandmeister Torsten Hensel kennt die Notfallpläne für den Landkreis Lüneburg. Foto: t&w

Wie gut wären die Einsatzkräfte eigentlich heute auf einen Wintereinbruch diesen Ausmaßes vorbereitet?
Was das Vorgehen in solch einer Situation angeht, sind wir heute deutlich weiter als damals. Sowohl die Technische Einsatzleitung (Feuerwehr) als auch der Stab des Landkreises üben derartige Lagen regelmäßig und auch neues Stabspersonal wird in entsprechenden Übungen darauf vorbereitet, was zu tun ist, wenn der Verkehr bei derartigen Wetterlagen zusammenbricht, Altenheime oder landwirtschaftliche Stallanlagen von Stromausfall betroffen sind. Allerdings sind wir heute noch abhängiger vom Strom und damit fremdgesteuerter. Beispiel Tankstelle: Zapfsäulen laufen rechnergesteuert über Strom, da bekommt man bei einem Ausfall keinen Liter mehr raus. Aber auch die Versorgung in Privathäusern bricht dann schnell zusammen. Deshalb: Stromausfall ist ein echtes Problem für uns und heute gefährlicher als damals. Und doch ist er kein abwegiges Szenario, da noch immer viele der großen Stromleitungen über Land laufen, die bei großen Schneemengen witterungsanfällig sind.

Wann kommt die Bundeswehr zu Hilfe?
Wenn wir personell und maschinell nicht mehr weiterkommen, haben wir die Möglichkeit, Katastrophenalarm auszulösen und die Bundeswehr zu rufen. Im Winter 1978/79 haben Soldaten vielfach geholfen, mit Bergepanzern die Wege freizuräumen. Wenn ich sehe, welch große Fahrzeuge Maschinenringe und Landwirte heute haben, die dann eingesetzt werden könnten, kämen wir jetzt beim Räumen mit zivilen Kräften deutlich weiter. Die Bundeswehr hat in dem Bereich inzwischen nicht mehr diesen technischen Vorsprung und ist bei derartigen Einsätzen im Inland nicht mehr so schlagkräftig wie damals. Sie kann aber beispielsweise helfen, wenn viel Manpower gebraucht wird, mit entsprechendem zeitlichen Vorlauf.

Inwiefern sollten sich Bürger heute auf plötzliche Wintereinbrüche vorbereiten?
Wir haben natürlich inzwischen deutlich genauere Wettervorhersagen, so dass wir in der Lage sind, frühzeitig entsprechende Warnungen herauszugeben. Bürger können sich daher in der Regel rechtzeitig mit Vorräten eindecken. Für unterwegs gilt aber nach wie vor: Decke ins Auto legen und nicht mit dem letzten Tropfen Sprit losfahren, damit man im Notfall das Fahrzeug laufen lassen kann. Das ist wichtig, wenn jemand zum Beispiel auf der Autobahn einschneit und warten muss, bis die Rettung kommt.

von Katja Grundmann

Themenschwerpunkt Schneekatastrophe:

https://www.landeszeitung.de/a/30374-die-weisse-katastrophe

https://www.landeszeitung.de/a/30372-schneekatastrophe-1978-79-lz-leser-erinnern-sich

https://www.landeszeitung.de/m/6943