Dienstag , 22. September 2020
Julius Kock ist ein sogenannter Trashrunner, möchte die Idee, beim Laufen Müll zu sammeln, auch im Landkreis Lüneburg bekannter machen. Foto: t&w

Laufend sammeln

Lüneburg. „Die Menschen sind Jäger und Sammler“, sagt Julius Kock und grinst. Er sammelt. Jeden Sonntag ist der 30-Jährige in und um Lüneburg unterwegs, tut etwas für seine Fitness und gleichzeitig für die Natur. Trash-Running oder auch Plogging heißt der neue Trend mit Ursprung in Schweden, bei dem man läuft und dabei aufhebt, was andere achtlos fallen lassen. Kock hat sich das zur Aufgabe gemacht.

Joggen und Abfall aufsammeln

Bierkästen, Einwegbecher und Papiertücher, Plastikbeutel, Glasflaschen und Kot-Tüten, Jacken, Schuhe und Taschen – sowie jede Menge Zigarettenschachteln: Wenn der Sportler von seiner Runde zurückkehrt, ist die Tasche schwer vom Unrat. „Das ist schon echt erschreckend, was die Leute so alles liegenlassen“, sagt Kock bestürzt, „und das teilweise ganz bewusst.“

Dem will er entgegenwirken, hat deshalb im Sommer die Plastik Abwehr Vereinigung, kurz PAV, gegründet. „Die Idee entstand, als ich auf Amrum Urlaub machte und am Strand nach Bernstein suchte“, berichtet der Lüneburger. Anstelle des fossilen Harzes glitzerte aber etwas ganz anderes im Sand: „Jede Menge Mikroplastik.“ Statt den Müll zu ignorieren, sammelte er die Teilchen kurzerhand ein – und widmete sich dem Thema auch zu Hause. Mit Erfolg.

„Den Müll haben wir an der Straße deponiert und ihn später eingesammelt.“ – Julius Kock, Trashrunner

Als eins von 25 Projekten im Bereich der Größenklasse „klein“ hatte er sich beim Sparkassenprojekt „Das tut gut“ beworben – und gewonnen. „Das zeigt doch eindeutig, dass die Problematik auch anderen Menschen am Herzen liegt“, so Kock. Das Geld wird primär in das Marketing investiert: T-Shirts mit entsprechendem Logo und Design. Aber auch geeignete Behälter, die ein großes Fassungsvermögen haben, beim Laufen nicht stören und vor allem beim Bücken nichts auskippen, sollen angeschafft werden. Grundvoraussetzung: „Die müssen aus recyceltem Plastik bestehen“, sagt der Sportler.

Bislang startet er noch ohne Hilfsmittel: „Die Tüten für den Müll finden sich ja auch im Wald“, erklärt der 30-Jährige, „die lassen sich nur schlecht transportieren.“ Das musste am vergangenen Sonntag auch einen Sparkassenmitarbeiterin erfahren, die sich Kock aus Interesse angeschlossen hatte: „Wir sind aus Richtung Adendorf zum Schiffshebewerk gelaufen“, berichtet er, „und haben dabei bis zu 16 Säcke Abfall von der Strecke geholt.“ Keine Stunde würde die Distanz normalerweise in Anspruch nehmen, sie benötigten drei. „Den Müll haben wir an der Straße deponiert und ihn später eingesammelt.“

Kock sucht noch Mitstreiter

Auch dieser Einsatz machte deutlich: Alleine ist die Aufgabe nicht zu bewältigen – deshalb sucht Kock noch Mitstreiter, auch Fußgänger und Radfahrer, aber auch Unterstützung der anderen Art. „Ich würde mich zum einen freuen, wenn Förster oder Waldbesucher zu mir Kontakt aufnehmen würden, damit ich weiß, in welchem Abschnitt ein Lauf besonders wichtig wäre“, sagt er, „zum anderen wäre ein Kooperation mit der Müllabfuhr großartig, um Sammelstellen für den Abfall einzurichten.“ Und helfen kann auch jeder Sponsor: „In den Wald kann man nicht genug investieren.“
Wer dem engagierten Naturschützer helfen will, kann ihn über seine Facebook-Seite erreichen. Dort gibt es auch jede Menge Hinweise auf ein umweltbewussteres Verhalten. „Denn nur so“, sagt Kock, „lässt sich langfristig was ändern“, damit es bald nicht jedem geht wie ihm: „Ich sehe überall nur noch Müll.“

von Ute Lühr