Sonntag , 27. September 2020
Lüneburg zieht in der Vorweihnachtszeit viele Touristen an. Doch während der Festtage sind es meistens angereiste Familienmitglieder, ergab eine kleine Umfrage in Lüneburger Hotels. Foto: be

Kleine Atempause übers Fest

Lüneburg. Bunt geschmückte Weihnachtsbäume, wohlschmeckende Gänsebraten, stimmungsvolles Kerzenlicht, geheimnisvolle Geschenkpakete – worauf sich viele in diese n Tagen freuen, ist aber nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Viele zieht es auch in diesem Jahr über die Feiertage wieder in die Ferne. Aber gibt es auch den anderen Weg? Ist Lüneburg auch ausgewähltes Ziel für Weihnachtsurlauber? Wir haben uns in Lüneburger Hotels umgehört.

Gäste kommen häufig zum Familienbesuch

Frauke Herzog braucht gar nicht erst auf den übergroßen Planer in der Rezeption des Hotels Bremer Hof zu schauen. Auch ohne die genauen Buchungszahlen raussuchen zu müssen, weiß sie, dass es über die Feiertage eher ruhig in dem Hotel an der Nicolaikirche zugehen wird. „Weihnachten ist hier bei uns eher nicht die große Reisezeit“, sagt die Hotelmitarbeiterin, die seit zwölf Jahren schon Gäste im Bremer Hof empfängt.

War Lüneburg mit seinen Weihnachtsmärkten in den Adventwochen noch ein beliebtes Ziel, ebbe es über die Feiertage schnell ab, erläutert Frauke Herzog. „Aber natürlich haben wir auch über Weihnachten Gäste.“ Das seien aber zumeist angereiste Familienmitglieder, die gern mit ihren Lieben Weihnachten feiern wollen, dort aber nicht immer unterkommen können. „Manch einer ist auch froh, wenn er nach einem langen und manchmal turbulenten Tag in ein ruhiges Hotel gehen kann, insbesondere Ältere“, weiß die Hotelfrau. Und nicht jeder mag sich mit einem Nachtplatz auf der Couch und der Aussicht auf längere Wartezeiten vorm gemeinsamen Bad anfreunden.

Ähnlich sieht es auch im Hotel „einzigartig“ aus. „Die meisten Gäste über die Feiertage sind wegen ihrer Familien hier“, sagt Laura Cedres. Das seien aber häufig Stammgäste, die viele Jahre schon kommen und nur eine Übernachtung wünschten. Deshalb bleibe das Restaurant dann auch geschlossen.

Weihnachtsprogramm bei Besuchern beliebt

Anders im Seminaris. „Wir sind fast voll“, sagt Rezeptionsleiterin Nina Schemmerling. 230 Buchungen waren es zuletzt über die Festtage, „fast alles Gäste, die gezielt nach Lüneburg kommen“. Wohl auch, weil das Seminaris anders als die kleineren Hotels ein Weihnachtsprogramm anbietet, zu dem neben zusätzlichen kulinarischen Angeboten unter anderem auch ein Schiffsausflug über die Elbe gehört. Etwa 80 Prozent seien Stammgäste, berichtet Nina Schemmerling, „viele kommen, um noch die letzten Tage des Weihnachtsmarktes zu erleben“.

Wie es im Dormero Hotel Altes Kaufhaus aussieht, war nicht in Erfahrung zu bringen. An der Rezeption hieß es nur, dass Weihnachtsarrangements angeboten werden und das Restaurant an Heiligabend bereits ausgebucht ist.

Die Zeit von Weihnachten bis Ende Januar will Karen Prehn für sich nutzen, „in dieser Zeit ist ohnehin wenig los“, sagt die Inhaberin des Hostels Salzquartier. Wo sonst zumeist Gäste der Lüneburger Uni unterkommen, wird es in den nächsten Wochen also ruhig zugehen. Gänzlich ungenutzt werden die Räume dennoch nicht sein. „Dann bringe ich meine eigene Familie hier unter“, sagt Karen Prehn.

Hotels im Durchschnitt nur halb ausgelastet

Dass es in den kleineren Hotels über die Weihnachtstage also eher ruhig zugeht, die größeren mit ihren Weihnachtsarrangements hingegen auf gute Buchungszahlen schauen können, bestätigt auch Christian Sterz von der Lüneburg Marketing GmbH. Insgesamt liege die Auslastung der Unterkünfte in Lüneburg bei etwa 50 Prozent, „bei den Ferienwohnungen eher weniger“, sagt der stellvertretende Leiter der Tourist-Information am Markt. Auch die Marketing-Leute haben deshalb ihr Weihnachtsangebot in dieser Zeit eingedampft. So gibt es lediglich eine Stadtführung an Heiligabend um 11 Uhr. „Zu Silvester zieht es aber gleich wieder stark an“, sagt Christian Sterz. „Da ist Lüneburg schon nahezu ausgebucht.“

Und wo zieht es nun die hin, die dem weihnachtlichen Lüneburg lieber entfliehen wollen? „Ganz vorn liegen Ägypten und Dubai“, sagt Marina Schulze-Köhn vom Reisebüro Adendorf. Dort locken vor allem die jetzt angenehmeren Temperaturen und günstige Preise. Weiterhin stark nachgefragt seien die Kreuzfahrtreisen. „Und wer nicht ganz auf Weihnachten verzichten möchte, kann das auch auf dem Schiff haben“, sagt die Reisebüro-Inhaberin.

Denn häufig werde beides zusammen angeboten, „Weihnachten mit allem Drum und Dran inklusive Christmette für die einen oder das Kontrastprogramm für die anderen“. Und den Trend fürs kommende Jahr hat Marina Schulze-Köhn auch schon ausgemacht: „Tansania für Wildtierfreunde und Sansibar für den Badeurlaub.“

von Ulf Stüwe