Freitag , 25. September 2020
Inga Seba-Eichert und Günther Wagener schmökern in der neuen Plattdeutsch-Broschüre, die bei der niederdeutschen Verständigung zwischen Dienstleistern und Kunden helfen soll. Foto: t&w

Plattdeutsch als Türöffner

Lüneburg. Inga Seba-Eichert und Günther Wagener sind sich einig, dass Plattdeutsch im täglichen Miteinander die Kontaktaufnahme erleichtert. „Weil es die Sprache des Herzens ist, sorgt es in unserer ländlichen Region schnell für eine Vertrauensbasis“, sagt Inga Seba-Eichert, die beim Lüneburgischen Landschaftsverband Referentin für Niederdeutsch ist.

„Plattdeutsch ist daher ein hervorragender Türöffner“, ergänzt Günther Wagener, der Beauftragte für Plattdeutsch für Hansestadt und Landkreis Lüneburg. Er und Seba-Eichert wollen, dass sich künftig noch viele Türen mehr öffnen. Sie liefern als Mitautoren der druckfrischen Broschüre „Plattdeutsch in der Dienstleistung. Wi snackt Platt… du ok?“ den Schlüssel dafür.

Diverse Programme und Angebote für Kinder

„Das ist ein kleiner Hoch-Platt-Übersetzer für Dienstleister und Kunden“, sagt Wagener. Der Ratgeber enthält Dialogelemente im Umgang mit Kunden, Klienten und „anner Lüüd“, wie es der Titel des 35 Seiten starken Heftes verkündet. „Plattdeutsch in Gesprächen zwischen beispielsweise Handwerkern und Kunden verkörpert etwas Bodenständiges in unserer globalisierten Welt. Mit unserem Ratgeber für Handel und Gewerbe holen wir ein bisschen die einstige Alltagssprache zurück in die Orte“, meint Inga Seba-Eichert.

Zielgruppe sei vor allem die Altersstufe der 30- bis 50-Jährigen. „Viele verstehen zwar Platt, doch können es nicht sprechen“, sagt Günther Wagener. Im Gegensatz dazu spricht ein Großteil der älteren Generation die Sprache noch. „Und bei den Kindern in Kita und Schule tragen unsere Bemühungen Früchte, Plattdeutsch als Kulturgut zu erhalten. Es gibt für die Kinder diverse Programme und Angebote“, erläutert Inga Seba-Eichert. So hat der Verein Lüneplatt etwa eine Märchen-CD herausgebracht, außerdem gibt es Plattdeutsch-Seminare für Erzieher und Lehrer.

Ein Jahr lang hat die Produktion gedauert

„Die Lücke zwischen den Generationen wollen wir mit dem neuen Ratgeber schließen und hoffen, dass möglichst viele Menschen dadurch den Zugang zur plattdeutschen Sprache im Alltag finden“, sagen die beiden Autoren. Außerdem wirkten an der Broschüre mit Hella Einmann-Gräbert, Fachlehrerin an den Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen, Dette Zingler und Margret Hesselmann, Dozentinnen für Niederdeutsch, Maike Sönksen, Beraterin für die Region und ihre Sprachen im Unterricht bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde, Anne Schrader, Beauftragte für Plattdeutsch im Landkreis Oldenburg, Friedrich Ahlers, Beauftragter für Plattdeutsch in der Stadt Wildeshausen, und Oskar Hein, Beauftragter für Plattdeutsch im Heidekreis. Ein Jahr lang hat die Produktion gedauert.

Die Broschüre ist kostenlos erhältlich beim Lüneburgischen Landschaftsverband in Uelzen (www.lueneburgischer-landschaftsverband.de). Zudem wird der Ratgeber an Unternehmen, Handwerksbetriebe und öffentliche Einrichtungen verteilt.

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Beispiel-Dialoge auf Platt

Wat Se toeerst un to‘n Schluß seggen künnt
Guten Tag: Moin, Goden Dag.
Auf Wiedersehen: Maakt Se dat goot. / Weddersehn!
Bis zum nächsten Mal: Bet anner Mal.

Good to weten
Darauf ist Verlass: Dor kannst di op verlaten.
So ein Mist!: So‘n Schiet aver ok!
Verdammt!: Verdori, Mann-inne-Tünn!

Wat Kunnen so seggt
Alles klar?: Allens kloor?
Das muss neu gemacht werden: Dat mut nee.
Wieviel kostet das?: Wovieel köst dat?
Das ist zu teuer: Dat is to düer.
Bekommen Sie das heute fertig: Kriegt Se dat vuundag trecht?
Wie lange muss ich warten?: Wo lang mutt ik töven?