Samstag , 31. Oktober 2020
So könnte die Arena Lüneburger Land aussehen. Am Montag soll die endgültige Entscheidung zum Bau fallen. Grafik: Landkreis Lüneburg/ Architekturbüro Bocklage & Buddelmeyer

Showdown im Kreistag

Lüneburg. Die Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg haben mit dem Einzug ins Pokalfinale am Donnerstagabend vorgelegt (siehe Bericht Seite 25), nun erwarten viele Menschen in Stadt und Kreis, dass die Kreistagsabgeordneten am Montag, 17. Dezember, nachziehen. Bei der Sitzung ab 16 Uhr in der Ritterakademie soll der Bau der Arena Lüneburg Land nach dem Willen der Kreisverwaltung endgültig beschlossen werden – im mittlerweile fünften Anlauf. Dann hätten auch die Volleyballer endlich eine Bundesliga-taugliche Halle für ihre Heimspiele.

Jedoch ist die Anfang November noch satte Mehrheit im Kreistag für den Arena-Bau inzwischen deutlich geschrumpft. Der Grund sind die zuletzt stark gestiegenen Kosten. Lagen diese vor knapp sechs Wochen noch bei 16,1 Millionen Euro einschließlich Grundstück, ist das Investitionsvolumen inzwischen auf 19,4 Millionen Euro geklettert. Bislang nicht eingerechnete Anschlusskosten und die nun zunächst doch fällige Umsatzsteuer sind die Gründe.

Baukosten liegen bei fast 20 Millionen Euro

Die Summe von fast 20 Millionen Euro hat vor allem bei Abgeordneten kleinerer Parteien, aber auch in den Reihen der CDU zu einer Kehrtwende geführt. Lediglich die SPD steht mit ihren 18 Abgeordneten geschlossen hinter dem Mammutprojekt. Doch noch dürfen die Befürworter des Projektes mit einer knappen Mehrheit rechnen. Denn auch von den Christdemokraten werden wohl 10 von 16 Mandatsträgern für den Arena-Bau votieren – ebenso wie die FDP-Fraktionschefin Gisela Plaschka und der Grüne Rolf Rehfeldt. Damit wäre die erforderliche Mehrheit von 30 der 59 möglichen Stimmen auch ohne Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) schon erreicht.

In ihrer Sitzungsvorlage rechnet die Verwaltung erstmals dezidiert vor, was ein Nein des Kreistags den Steuerzahler kosten würde. Demnach wären mehr als zwei Millionen Euro verloren, sollte auf den Arena-Bau verzichtet werden – mindestens. So viel haben die bisherigen Planungen gekostet. Auch wäre eine Entschädigung von 100.000 Euro für den designierten Betreiber der Halle, Klaus Hoppe, fällig.

Der Geschäftsführer der Campus Management GmbH ist derzeit weiter auf Werbetour für die „Arena der Möglichkeiten“. Bereits vor zwei Wochen hatte Hoppe den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag eine 26-seitige Präsentation geschickt, in der er anhand von Grundrissplänen die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Arena darstellt. Ob Geburtstagsfeiern oder Firmenfeste mit 150 Personen, Abiturfeiern mit 600 Besuchern, Tagungen mit 1000 Gästen oder Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Konzerte mit 1500 bis 3500 Zuschauern – die Bandbreite an möglichen Veranstaltungen ist enorm. Sein Angebot, die Pläne im persönlichen Gespräch zu erörtern und Fragen zu diskutieren, habe jedoch keine Fraktion genutzt, bedauert der Campus-Geschäftsführer.

Revolverheld, Ina Müller und Max Mutzke als Zugpferde

Pro Jahr rechnet Hoppe mit rund 250.000 Besuchern und Show-Größen wie Revolverheld, Ina Müller und Max Mutzke – oder Bodo Wartke, Greogory Porter und Alphaville in der Kategorie darunter. Mehr als 100.000 Gäste pro Jahr besuchen Hoppe zufolge die von Campus betriebene „Vamos! Kulturhalle“ mit 700 bestuhlten und 1300 Stehplätzen. Eine ähnliche Besucherzahl verzeichne das Lüneburger Theater. „Allein das zeigt schon das Potenzial, das wir für die Arena ausschöpfen können“, sagt der Betreiber. Außerdem werde auch der Volleyball rund 30.000 Zuschauer jedes Jahr in die Halle locken. „Fast 1700 Besucher unter der Woche in Harburg bei einem Pokalhalbfinale sind schon der Wahnsinn“, sagt der Campus-Geschäftsführer. 2500 Zuschauer wären es seiner Schätzung nach in der Arena gewesen. Auch eine Anfrage der Nationalmannschaft habe es bereits gegeben.

Verständnis hat Hoppe für das Bröckeln der Kreistagsmehrheit nicht. „Seit dem Beschluss Anfang November, als noch 80 Prozent der Abgeordneten für den Bau gestimmt haben, hat sich eigentlich nichts verändert“, sagt der Campus-Geschäftsführer. Lediglich eine verbindliche Aussage zum Vorsteuerabzug werde es nicht geben. „Wer aber das Urteil gelesen hat, auf das sich der Landkreis beruft, wird verstehen, warum die Erfolgsaussichten, die Steuer bei einer Klage zurückzuerhalten, bei 90 Prozent liegen.“ Für Hoppe unverständlich: „Wie kann ich dem Bau einer Halle zustimmen, wenn ich keine Steuer zahlen muss, aber dagegen sein, wenn sie fällig wird?“ Zudem ist der potenzielle Betreiber überzeugt, dass die Arena das, was der Kreis möglicherweise an Steuern zahlen muss, wieder einspielt.

Kritiker halten dagegen, dass das vorliegende Konzept noch unvollständig, die Parkplatz-Problematik ebenso wenig geklärt sei wie die Verkehrsführung. Daraus könnte sich ein weiterer Anstieg der Investitionssumme ergeben.

Die Kreistagssitzung beginnt am Montag, 17. Dezember, um 16 Uhr in der Ritterakademie

Von Malte Lühr

Geheime Abstimmung beantragt

Lüneburg . Die neue Diskussions- kultur im Kreistag trägt weiter überraschende Früchte. Mit Tanja Bauschke (Grüne), Christoph Podstawa (Die Linke) und Berni Wiemann (FDP) hat sich ein ungewöhnliches Trio zusammengefunden, um die Arena-Pläne in der jetzigen Form doch noch zu stoppen. „Auch wir wollen eine Halle für die Volleyballer und kulturelle Veranstaltungen, nur können wir ein Ja zum aktuellen Konzept nicht verantworten“, sagt Bauschke, und Wiemann ergänzt: „2015 wurden die Planungen mit einem Investitionsvolumen von sieben Millionen Euro begonnen, jetzt sind wir bei fast 20 Millionen Euro, und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“ Das ergibt sich für Pod­stawa allein daraus, dass sowohl die Frage der Parkplätze und die der Verkehrsführung noch ungeklärt sind. „Das wird weitere Ausgaben in Millionenhöhe nach sich ziehen“, schätzt der Linke.

Und die drei Abgeordneten sind sicher: Das Arena-Konzept bereitet nicht nur erklärten Gegnern Bauchschmerzen. „In den großen Fraktionen gibt es eine stille Opposition, die sich nicht traut, offen gegen die Pläne zu stimmen.“ Deshalb haben die drei Kreistagsmitglieder eine geheime Arena-Abstimmung beantragt. Bei der Höhe der Investitionssumme „muss eine freie Gewissensentscheidung aller Kreistagsabgeordneten sichergestellt werden“, so die Begründung. Sollte die Abstimmung tatsächlich geheim sein, glaubt Wiemann, dass die knappe Mehrheit für die Arena ins Wanken gerät

Zugleich schlagen Wiemann und Podstawa in einem Dringlichkeitsantrag die „unverzügliche Gründung einer Arbeitsgruppe zur Prüfung von alternativen Anforderungsprofilen und Standorten einer Sport- und/oder Veranstaltungshalle“ vor, falls der Kreistag den Arena-Bau ablehnt. Neben Verwaltung und Politik sollen auch Kreissportbund, SVG und LSK Vertreter in das Gremium entsenden dürfen. „Der jüngste Erfolg des LSK beim Bau eines eigenen Stadions zeigt, dass private Investoren durchaus für solche Projekte zu gewinnen sind“, sagt Wiemann. Gemeinsam, so die Vorstellung der Antragsteller, soll innerhalb von drei Monaten ein Konzept erarbeitet werden, das die Anforderungen an eine Sport- und Veranstaltungshalle zu vertretbaren Rahmenbedingen untersucht und bestmöglich erfüllt. ml