Freitag , 18. September 2020
Spiele vor Tausenden Fans wie im DFB-Pokal gegen Mainz wird es für den LSK in Zukunft nicht mehr auf den Sülzwiesen, sondern in einem neuen Stadion geben. (Foto: be)

Der LSK läutet eine neue Ära ein

Lüneburg. Nur 23 stimmberechtigte Mitglieder fanden sich am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung des Lüneburger SK in der Wassermühle in Heiligenthal ein. Doch sie sollten eine JHV erleben, die deutlich mehr Zuhörer verdient gehabt hätte. Denn was dort präsentiert wurde, könnte beim LSK eine neue Ära einläuten. Die Lüneburger planen den Bau einer eigenen Sportstätte, ein Stadion nach dem Vorbild der Sportclub Arena in Verl oder des Stadions in Villingen. Dazu soll die Sportanlage in der Goseburg weiter ausgebaut werden. Im Gegensatz dazu steht die Zusammenarbeit mit dem VfL Lüneburg vor dem Aus.

Zusammenarbeit mit dem VfL klappt nicht mehr

Schon seit Längerem funktioniert das Nebeneinander zwischen LSK und VfL nicht mehr, immer wieder gibt es Probleme mit dem A-Platz auf den Sülzwiesen. Heute soll es ein weiteres Treffen mit der VfL-Führung geben. „Wir hätten so ein Treffen gern früher gehabt, aber die Gespräche mit dem VfL sind ins Stocken geraten“, erklärt Marketing-Vorstand Alexander Diercks.

Letztlich reift beim LSK schon länger der Gedanke, dass auch ein Ausbau des B-Platzes die Probleme nur verlagert, nicht löst. Der Pachtvertrag läuft zum Saisonende aus, eine Verlängerung scheint derzeit ausgeschlossen. Diercks: „Langfristig wird es nicht funktionieren, da gebe ich dem VfL aber gar keine Schuld.“

Zumal der LSK im Hintergrund längst mit einer Investorengruppe verhandelt, die „nicht daran interessiert ist, den B-Platz des VfL auszubauen“, wie Diercks berichtete. „Sie wollen etwas Langfristiges entwickeln, etwas Nachhaltiges, um etwas für 50 bis 70 Jahre zu haben.“ So entstand die Idee eines eigenen Stadions. „Wir stehen am Scheideweg, wirtschaftlich und strukturell“, sagte LSK-Präsident Sebastian Becker. „Wir brauchen eine eigene Spielstätte.“

Grundstück innerhalb Lüneburgs nicht vorhanden

Das zeigte sich bei den Finanzen. Im Geschäftsjahr Juli 2016 bis Juli 2017, als der LSK noch in Bardowick spielte, gab es Einnahmen von knapp 390 000 Euro – dort fehlte aber komplett Geld aus dem Bereich Catering, denn das ging nur an den Vermieter der Anlage, den TSV Bardowick. So läuft es auch jetzt beim VfL. „Es macht für uns nur Sinn, wenn wir ein eigenes Stadion haben“, findet Diercks.

Da ein Grundstück innerhalb Lüneburgs nicht vorhanden ist, wurden die Fühler in die Randgemeinden ausgestreckt. Das gab zwar offiziell kein LSK-Vorstand zu, doch Diercks verriet sich mit den Worten: „Wir werden die Goseburg erhalten, damit wir für die Kinder einen Standort in Lüneburg haben, den sie mit dem Rad anfahren können.“ Und das gebaut wird, verkündete der designierte neue Finanzvorstand Henning Cons­tien: „Bis zum 30. Januar ist entschieden, wo wir bauen werden.“

Constien wurde noch nicht als Nachfolger für den seit Januar 2018 nicht mehr aktiven Finanzvorstand Thomas Lohmann gewählt, dies geschieht erst auf der nächsten JHV, die im Frühjahr stattfinden soll.

Henning Constien wird neuer Finanz-Vorstand

LSK-Stadion
Sebastian Becker (l.) und Martin Wilke (M.) freuen sich, dass Henning Constien bald dem LSK-Vorstand angehören wird. (Foto: be)

Der 62-Jährige arbeitet schon seit zwei Monaten mit, tut dies offiziell kommissarisch ab 1. Januar. Der Amelinghausener ist ehemaliger Prokurist und Einkaufsleiter von Lucia. Vor einigen Jahren gründete er seine eigene Textilfirma. Er ist seit Jahren LSK-Fan und spielte erfolgreich Tischtennis im Verein. „Er ist ein großer Gewinn für unseren Vorstand und den gesamten Verein“, freute sich Becker.

Gefreut hat sich auch LSK-Trainer Rainer Zobel ob der guten Nachrichten. Er gab aber auch zu, dass sich der Trainerstab schon intensiv Gedanken machte, wie lange es bei diesen Bedingungen noch Sinn macht, Regionalliga-Fußball anzubieten. „Kommt das Stadion, machen wir gerne weiter. Das können wir auch den Spielern vermitteln. Aber die Bedingungen müssen stimmen.“ Die kalten Duschen in den Baracken der Goseburg machen es derzeit keinem leicht. „Wenn ich ein Bild von den Kabinen mache und die Leute fragen würde, wo das ist, glauben viele, ich wäre im Kongo.“ Vielen Mitgliedern blieb das Lachen im Hals stecken.

Bauanfrage für Vereinsheim gestellt

Dass der LSK mittlerweile wieder 230 Kinder und Jugendliche hat, von denen der Großteil in der Goseburg trainiert, macht die Sache nicht einfacher. Umso besser, dass mit viel Eigeninitiative dort ein Vereinsgelände geschaffen wurde, das seinesgleichen sucht. Zwei Top-Plätze, der eine mit LED-Flutlicht ausgestattet. Fehlt nur noch ein Gebäude, für das nun eine Bauanfrage gestellt wurde. „Die Stadt unterstützt uns kräftig“, freut sich Diercks. Kommt die Genehmigung, werden 365 Quadratmeter geschaffen – komplett auf Kosten von Diercks, dessen Firma die 1. Etage belegt. Ins Erdgeschoss kommen vier Kabinen, sanitäre Anlagen, ein Clubraum und eine Geschäftsstelle für den LSK. „Ohne unsere fleißigen Helfer würden wir dies alles nicht schaffen“, lobte auch Jugendwart Martin Wilke.

So ist der LSK auf dem Weg, seine Zukunft weiter auf eigene Beine zu stellen. Ende Januar werden die nächsten Schritte bekannt gegeben, auch, wo der LSK in der nächsten Saison spielt. Diercks plant eine Bauzeit von unter zehn Monaten für die neue Arena, was hieße, dass Anfang 2020 der erste Ball im neuen Stadion rollten könnte.

Minus im Etat von 2017 liegt bei 100 000 Euro

DFB-Pokal dient der Schuldentilgung

Verlässliche Zahlen aus dem laufenden Geschäftsjahr konnte Sebastian Becker nicht präsentieren, nur für den Zeitraum Juli 2016 bis Juli 2017. Da machte der LSK knapp 100.000 Euro Verlust. Einnahmen von 390.000 Euro standen Ausgaben in Höhe von 490 000 Euro gegenüber, wobei die Personalkosten etwa 250.000 Euro ausmachten, Pacht 20.000 Euro, die Kosten für den Spielbetrieb betrugen 130.000 Euro. Das Minus wurde mit Darlehen, Spenden und mit dem DFB-Pokal-Geld (50.000 Euro) beglichen. Deshalb musste in dieser Saison der Spieleretat um 30.000 bis 40.000 Euro gekürzt werden. Becker: „Damit haben wir eine der billigsten Mannschaften in der Regionalliga in ganz Deutschland.“

Von Ulrich Pott