Samstag , 15. August 2020
Das Hanseviertel wächst weiter und damit bei einigen Familien auch der Wunsch nach einer eigenen Grundschule. Foto: be

Diskussion um Grundschule hält an

Lüneburg. Ist die Kinderbetreuung im Hanseviertel gesichert? Was, wenn Lüneburg weiter wächst? Welche Grundschulen stehen für das Quartier zur Verfügung? Sozialdezernentin Pia Steinrücke und ihr Mitarbeiter Thomas Wiebe hatten eine Menge Themen im Gepäck für den Informationsabend, zu dem die Stadt ins ehemalige Casino der Schlieffenkaserne eingeladen hatte. Im Mittelpunkt des Interesses stand aber eine andere Frage – die nach einer eigenen Grundschule im Hanseviertel.

Kritik an optimistischer Fußweg-Berechnung

„Warum baut man keine Grundschule im Hanseviertel?“, fragte einer der rund 30 Teilnehmer und entfachte damit eine zum Teil heftige Diskussion, die schon im Vorfeld des Abends die Gemüter von Eltern und Politikern erhitzt hatte (LZ berichtete). Ausgelöst hatte diese Frage eine Präsentation von Thomas Wiebe, in der er die Entfernungen vom Hanseviertel zu den Grundschulen Lüne und Igelschule dargestellt hatte und dabei die Wegezeiten aus Sicht vieler Teilnehmer mit 15 Fußminuten als deutlich zu niedrig angesetzt hatte. Zwar räumte Wiebe daraufhin ein, es vielleicht etwas zu optimistisch dargestellt zu haben, zog sich zugleich aber auf die rechtliche Position zurück: „Eine Entfernung von bis zu zwei Kilometern gilt als quartiersnah“ – aus Sicht der Stadt Grund genug, keine Grundschule im Hanseviertel errichten zu müssen.

Das rettete die Stimmung nicht. Pia Steinrücke versuchte mit einer Chronologie, wer wann was beschlossen hat, den „derzeit kursierenden Verwörungstheorien“ entgegenzutreten, wie sie sagte. Aber auch dies fachte die Diskussion nur erneut an, in die sich schließlich auch die anwesenden Ratspolitiker Wolf von Nordheim (Grüne) und Philipp Meyn (SPD) einbrachten – und dabei selbst aneinandergerieten, indem sie sich gegenseitig vorwarfen, von „Vertuschung“ zu sprechen.

Thomas Wiebe stellte die Ausbaupläne für die Grundschule Lüne vor

Steinrücke selbst zog sich letztlich auf die Position zurück, als Verwaltung nur Beschlüsse der Politik umzusetzen. Wenn jetzt anderes gefordert werden sollte, müsse dies umgehend geschehen. Eine eigene Grundschule werde es dann aber frühestens in vier Jahren geben. Die Haltung der Stadt zu dem Thema verhehlte sie dennoch nicht: „Wir streben eine gute Durchmischung der Quartiere an.“ Ziel sei es, das Hanseviertel in die gesamte Stadtstruktur zu integrieren.

Thomas Wiebe stellte die Ausbaupläne für die Grundschule Lüne vor. Im Zuge der erforderlichen Erweiterung von der Drei- auf die künftige Fünfzügigkeit würden auch das Brandschutzkonzept und die Schadstoffbelastung der Schule in den Blick genommen. Seine Ankündigung „Gehen Sie davon aus, dass Sie eine moderne Schule bekommen“, rief bei einigen Teilnehmern die Berichte über die Schadstoffsituation am Johanneum in Erinnerung. Eine besorgte Mutter wollte wissen: „Es geht um mein Kind, muss ich mir Sorgen machen?“ „Wir werden keine Schulen übergeben, die mit Schadstoffen belastet sind oder diese freisetzen“, versicherte Pia Steinrücke. Und sie kündigte an, überall sogenannte CO₂-Ampeln zu installieren und die Lüftungssituation in den Schulen anzupassen.

Wunsch nach einer Lärmschutzwand

Auch die von Teilnehmern kritisierte Situation für Schulkinder am Meisterweg werde die Stadt in den Blick nehmen, ebenso den Wunsch nach einer Lärmschutzwand für den Pausenhof der Grundschule Lüne zum Schutz gegen den Verkehrslärm auf der Bockelmannstraße prüfen.

Zum Thema eigene Schule fürs neue Hanseviertel Ost machte schließlich eine Teilnehmerin den Anwesenden noch Hoffnung. Dort solle eine demokratische Schule gegründet werden, man suche nur noch ein geeignetes Gebäude. Pia Steinrücke kündigte an, dieses Thema im nächsten Schulausschuss vorstellen zu wollen.

Von Ulf Stüwe

Die Standortfrage

Für Ausbau bedeutet gegen Neubau

Auch im Schulausschuss des Rates war die „Grundschule im Hanseviertel“ in dieser Woche Thema. Während Michèl Pauly (Linke) dort festgestellt wissen wollte, dass er stets gesagt habe, dass für ihn die Entscheidung für einen Ausbau in Lüne keine Entscheidung gegen eine Schule im Hanseviertel sei, entgegnete Holger Nowak (SPD): „Es kann doch nicht sein, dass wir beschließen, Lüne von drei- auf fünfzügig auszubauen und dann so tun, als ob damit nicht klar ist, was das für einen Standort Hanseviertel bedeutet.“ Frank Soldan (FDP) pflichtete ihm bei: „Wenn wir Lüne vergrößern, ist das eine Entscheidung gegen den Standort Hanseviertel – ist doch klar.“