Sonntag , 25. Oktober 2020
Das Wetter im Dezember bietet in der Regel wenig Grund zur Freude. Besonders die Gefahr von Erkältungen ist bei der äußerst wechselhaften Witterung groß. Foto: t&w

Ungesund trüb und sehr wechselhaft

Deutsch Evern. Ein Kaltlufteinbruch in den ersten Tagen, Tauwetter zu Nikolaus, Frühwinter vom 17. bis 21. Dezember und pünktlich zum Christfest das ungeliebte Weihnachtstauwetter: So sieht ein typischer Dezember bei uns aus, wenn alle Witterungsregelfälle (meteorologisch „Sigularitäten“) zusammenkommen.

Steigende Temperaturgegensätze zwischen dem noch warmen Atlantik und dem schon kalten Kontinent sind der Grund für erhebliche Luftdruckunterschiede im atlantisch-europäischen Raum. Sie feuern die Wettermaschine vor allem im Dezember enorm an.

Aus dem bunten Strauß möglicher Großwetterlagen ragen zwei für Mitteleuropa wichtige grundsätzlich heraus: Erstens eine von Sturm- und Orkantiefs geprägte feuchtmilde Westwindlage, die ihre Kraft aus der Verschärfung von Temperaturkontrasten ausgehend vom kalten Labradorstrom und dem warmen Wasser des Golfstroms bezieht, zweitens ein erster Vorstoß des sibirischen Winterhochs, das mit kalter Ostluft schon zu voll winterlichen Bedingungen führen kann.

Tauwetter zu Weihnachten in neun von zehn Jahren

Der Wetterexperte Reinhard Zakrzewski. Foto: Zakrzewski

Wie in anderen Monaten stellen sich auch im Dezember besondere Witterungsabschnitte zu bestimmten Terminen bevorzugt ein. So kommt nach einer kurzen Kältephase Ende November/Anfang Dezember in der Regel rasch wieder regenreiches Wetter. Dazu der Kalenderspruch: „Sankt Nikolaus (6. Dezember) spült die Ufer aus.“ Im zweiten Monatsdrittel überwiegt anfangs die Neigung zu Frühwinterwetter: „Kommt die heilige Lucia (13. Dezember), findet sie schon Kälte da.“ Nach Monatsmitte steht erneut Schmuddelwetter auf dem Programm, das rund um den 20. Dezember von der Tendenz zu klirrender Kälte aus Osten abgelöst wird. Doch auch dieser Witterungsabschnitt hält nicht lange vor, denn pünktlich zum 24. Dezember geht Väterchen Frost meistens die Puste aus. Fast so sicher wie das Amen in der Kirche naht nämlich in neun von zehn Jahren das ungeliebte Weihnachtstauwetter. Erst zum Jahreswechsel haben Schnee und Frost wieder bessere Karten.

Durch die Vorherrschaft feuchter Luftmassen weist der Dezember den größten Wolkenanteil sowie die meisten Nebel- und Hochnebeltage im Reigen der Monate auf. Entsprechend mager fällt die Sonnenscheinbilanz aus. In der Region Lüneburg müssen wir uns mit durchschnittlich 37 Stunden oder nur gut einer traurigen Sonnenstunde pro Tag abfinden. Der Lichtmangel, sowohl in Form von direktem Sonnen-, als auch diffusem Himmelslicht und die oft quälend langen Phasen mit trüben und nasskaltem Schmuddelwetter, wie im vergangenen Jahr, machen uns anfällig für Erkrankungen. Gegen all diese klimatischen und gesundheitlichen Widrigkeiten kann der milde Lichterglanz der Adventszeit, die wohlige Wärme gut geheizter Stuben oder vielleicht auch mal ein Glühwein mit Schuss auf einem der stimmungsvollen Weihnachtsmärkte ein wenig helfen.

Im Dezember gibt es die meisten Nebeltage

Freude spenden mag auch ein schon fast vergessener Brauch zu sein: „Schneide Zweige zu Barbara (4.12.), die Blüten sind bis Weihnachten da.“ Was in diesem Jahr aus dem Dezember wird, lässt sich natürlich noch nicht genau sagen. Doch wir ahnten es schon: Angesicht der seit Mai andauernden stabil auf trocken und zu warm getrimmten Hochdrucklage sind die Aussichten auf Schneegestöber zum Fest noch weniger berauschend als sonst. Eine kleine Hoffnung bleibt allerdings: Folgt man den Prognosen der langfristigen Klimamodelle ist die Wahrscheinlichkeit für trockenkalte Weihnachtstage durch Hochdruckeinfluss leicht erhöht.

Von Reinhard Zakrzewski