Donnerstag , 24. September 2020
Studenten der Lüneburger Universität begleiteten die GfA-Mitarbeiter bei ihrer Tour, machten für das Pilotprojekt bei jeder Biotonne Sichtkontrollen. Foto: be

Aufklärung minimiert Fehlwürfe

Bardowick/Lüneburg. Restmüll gehört nicht in die Biotonne. Trotzdem landet der noch allzu häufig genau in dieser. Für Katja Richter und ihre GfA-Kollegen ein echtes Ärgernis. Gemeinsam mit Studenten der Leuphana hatte der kommunale Entsorger GfA mit Sitz in Bardowick deshalb Anfang Oktober ein Pilotprojekt gestartet und exemplarisch über einen längeren Zeitraum die Biotonnen im Lüneburger Stadtteil Mittelfeld auf sogenannte „Fehlwürfe“ kontrolliert.

Am Montag nun endete das Feld­experiment – und Katja Richter zieht ein erstes positives Resümee der Aktion: „Ich habe den Eindruck, dass die Anzahl der Fehlwürfe deutlich zurückgegangen ist.“

Eine intensive Aufklärungsarbeit

Um dieses Ergebnis zu erzielen – die wissenschaftliche Auswertung durch die Studenten steht noch aus – mussten die Akteure allerdings auch intensive Informationsarbeit leisten. An Infoständen im Testgebiet erklärten die Studenten interessierten Bürgern, was in die Biotonne hinein gehört, und was nicht. Keine Plastikbeutel zum Beispiel, und auch keine Bio-Plastikbeutel. Denn einmal in der Biotonne verursachen sie später in der Kompostieranlage dieselben Probleme, wie die herkömmlichen Plastiktüten. An den Info-Ständen verteilten die Leuphana-Studenten deshalb Papiertüten, „die wurden prima angenommen“, freut sich Richter. Woher die Dipl.-Ingenieurin das weiß? „Wir haben die Papierbeutel in den Biotonnen wiedergefunden. Anstelle von Plastik-Mülltüten.“

Obwohl die Biotonne schon vor Jahren in der Stadt und im Landkreis eingeführt wurde, ist die Unsicherheit nach wie vor darüber groß, was in den Behälter hinein gehört und was nicht. „Das ist auch eine Erkenntnis, die ich aus diesem Pilotprojekt mitnehme“, sagt Katja Richter, „die Menschen haben das Beratungsgespräch mit uns gesucht. Manche sind uns an den Abholtagen sogar hinterher gefahren, weil sie wissen wollten, warum wir ihre Biotonne mit ‚gelb‘ markiert hatten“, berichtet die GfA-Expertin. Die Antwort: Weil sich in der Tonne Abfall befand, der dort nicht hineingehört: Zigarettenkippen oder Katzenstreu beispielsweise.

Präsent sein und das Gespräch mit dem Bürger suchen

Doch je mehr Aufklärungsarbeit die Studenten und die GfA-Mitarbeiter auf ihren Touren im Stadtteil Mittelfeld leisteten, so Richters Eindruck, umso sauberer wurden die Biotonnen. Präsent sein und das Gespräch mit dem Bürger suchen, das ist für Richter der beste Weg, um Fehlwürfe zu vermeiden.

Ziel des ganzen Aufwands: „Wir wollen den Biomüll sauber bekommen“, erklärt die Diplom-Ingenieurin, frei von Plastik und anderen Verunreinigungen. Denn aus den gesammelten Bioabfällen werden in wenigen Wochen hochwertige Komposte, die im Gartenbau und der Landschaft wieder eingesetzt werden. „Auf diese Weise werden Kreisläufe geschlossen. Organische Substanz und Nährstoffe werden zurückgeführt, Wasserhaltevermögen und Struktur der Böden verbessert“, betont Richter. Die „Reinheit“ der Biotonne kommt also Umwelt und Gartenliebhabern gleichermaßen zugute.

Umwelt-Erziehung eher ein Marathon

Ob und wie lange das Experiment bei den Bürgern nachwirkt, die Biotonnen nun tatsächlich weniger mit Fehlwürfen belastet werden, diese Frage kann GfA-Vorstand Oliver Schmitz allerdings nicht beantworten. Umwelt-Erziehung sei eben kein 100-Meter-Lauf, sondern vergleichbar mit einem Marathon. Da brauche es Geduld und einen langen Atem. „Jetzt müssen wir schauen, wie wir die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt auf die Fläche übertragen können“, erklärt der GfA-Chef, der zunächst aber die Erfahrungen und konkreten Ergebnisse der Uni zum Pilotprojekt abwarten möchte.

Von Klaus Reschke

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/a/31416-kein-job-fuer-sensible-nasen