Montag , 28. September 2020
Das CDU-Trio präsentiert seine Vorstellungen zu den 3D-Druck-Plänen mit einem LZ-Logo aus dem Drucker (von links) Burghard Hillig, Alexander Schwake und Florian Kupczyk. Foto: t&w

Junge CDU-Kräfte wollen für mehr Schwung sorgen

Lüneburg. „Was passiert in der Stadt, wenn die pensionierten Zollbeamten und ehemaligen Mitarbeiter der Bezirksregierung nicht mehr da sind?“ Alexander Schwake lässt die Frage nicht im Raum stehen. Der 27-Jährige ist seit dem Frühjahr CDU-Stadtverbandsvorsitzender. „Mehr Schwung reinbringen“, will Schwake – und dabei auch einmal andere Wege gehen.

Der erste Schritt ist getan. Mit Burghard Hillig und Florian Kupczyk hat Schwake im Arbeitskreis Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt-CDU ein Diskussionspapier geschrieben. Hinter der nüchternen Überschritt „3D-Druck in Lüneburg etablieren“ verbergen sich zwölf Seiten, die nicht die Stadt aus den Angeln heben, aber für einen neuen Politikansatz stehen.

„Man muss sich auch mal hohe Ziele setzen“

Die drei jungen Wissenschaftler – alle noch unter 30 – wollen damit auch neue Töne in der Stadtpolitik anschlagen. Frei von Zuspitzungen oder Polemik erklärt das Trio die Vorteile der Technologie, die Chancen für Lüneburg und was die nächsten Schritte sein könnten.

Eine „kleine Vision“, nennt Kupczyk das Papier. Hillig ergänzt: „Man muss sich auch mal hohe Ziele setzen.“ Was die Drei ärgert, ist, dass in der Diskussion über den Digital-Campus als Ergänzung zum Ausbau des jungen 3D-Druck-Standortes Volgershall der Erhalt des Grüngürtels die Auseinandersetzung dominiert und die Chancen der Technik kaum Beachtung findet.

Trio bedauert, dass derzeit Skeptiker dominieren

Es ist der einzige Punkt, bei dem Schwake parteipolitische Akzente setzt, indem er den SPD-Spitzem vorwirft, die 3D-Druck- und Campus-Debatte nicht sorgsam genug vorbereitet zu haben und dass bei den Grünen die Bedenkenträger dominant seien.

In ihrem Diskussionspapier skizzieren die drei Autoren lieber die Chancen: Lüneburg könnte nicht nur in Niedersachsen sondern deutschlandweit hier der Leuchtturm sein und Produktions-, Forschungs- und Bildungseinrichtungen rund um die Technologie anziehen.

Ausreichend Gewerbeflächen, mit der Leuphana eine innovative Universität und ein – im Vergleich zum großen Mitbewerber Hamburg – auch ein finanzierbares Lebensumfeld seien Pluspunkte für die Hansestadt, sind die drei Christdemokraten überzeugt. Ein Netzwerk (Cluster) von Produzenten, Zulieferern, Dienstleistern und Handwerksunternehmen in der Region könnte ein entscheidender Baustein für Lüneburgs wirtschaftliche Zukunft werden.

„Aktiv und aufgeschlossen zu begleiten“

Jetzt gelte es, den aufstrebenden Industriezweig „aktiv und aufgeschlossen zu begleiten“. IHK, Handwerkskammer und Wirtschafsförderung seien hier gefragt. Die Verwaltung sei bei einer zügigen Bearbeitung von Bauanträgen gefordert, Fördermöglichkeiten müssten gezielt eingesetzt werden und auf einschlägigen Fachmessen die Werbetrommel geschlagen werden, heißt es unter anderem in der Diskussionsgrundlage.

Ihr Papier wollen Schwake, Hillig und Kupczyk jetzt breit diskutieren. Nicht nur innerparteilich, sondern auch in regelmäßigen öffentlichen Runden. Direkt am Anfang des neuen Jahres ist der erste Termin anberaumt beim „Hansetreff“, mit dem die Stadt-CDU nicht nur die eigenen Mitglieder, sondern auch politisch Interessierte der Stadt erreichen will.

Von Marc Rath

Das Diskussionspapier kann unter www.cdu-lueneburg.de heruntergeladenen werden.

Viel Potenzial im 3D-Druck

Das seit kurzem in Volgershall ansässige Technologie-Unternehmen Bionic Production AG will in Lüneburg kräftig wachsen

Lüneburg. Die Ziele sind ambitioniert: Um das Zwangzigfache wiIl die Bionic Production AG wachsen, und das in nur fünf Jahren. „Wir wollen unseren Umsatz von jetzt 1,5 Millionen Euro in vier bis fünf Jahren auf 30 Millionen Euro steigern“, berichtete Wolfgang Bülow, Vorstandsvorsitzender des Lüneburger 3D-Druck-Unternehmens. Er war auf Einladung des Arbeitgeberverbands, der Niedersächsischen Förderbank und der hiesigen Wirtschaftsförderung ins Haus der Wirtschaft gekommen und bot interessante Einblicke in die Perspektiven und Chancen des 3D-Druck-Verfahrens.

„Der 3D-Druck wird einiges verändern“, kündigte Wolfgang Bülow vor den gut 50 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verbänden an. Seit gut 20 Jahren gebe es die Technologie zwar schon, einen „Hype“ habe der 3D-Druck aber erst in den vergangenen fünf bis sechs Jahren erfahren. Als Grund nannte er die „fast absolute Design- und Konstruktionsfreiheit“, die sich mit diesem Herstellungsverfahren ergäben. Vorteile wie die Fertigung materialarmer und damit gewichtssparender Konstruktionsteile seien vor allem in der Luftfahrt, aber auch im Autobau gefragt. Ein weiteres großes Anwendungsfeld sieht er in der Medizintechnik und in Bereichen zur Steigerung der Maschinenproduktivität.

Ein Kilo Titan koste derzeit bis zu zweitausend Euro

Bülow verhehlte aber nicht, dass vieles noch nicht ausgereift sei und den wettbewerbsfähigen Einsatz der 3D-Druck-Technologie bremse. Hier nannte er vor allem die noch deutlich zu hohen Preise für benötigte Druckmaterialien – ein Kilo Titan koste derzeit bis zu zweitausend Euro – und die noch zu langen Fertigungszeiten von bis zu 48 Stunden pro Produkt. „Bei beiden müssen wir deutlich runter“, sagte Bülow. Auch gebe es noch zu viele „Medienbrüche“ innerhalb des Produktionsvorgangs, der die Fertigung erschwere und verteuere.

Angestrebt werde, Qualitätsprodukte in geringen Stückzahlen zu produzieren, „beispielsweise Bremssättel für Bugatti-Fahrzeuge“. Kunden wie VW kämen nicht in Betracht, man wolle sich von Großabnehmern „nicht in die Zange nehmen lassen“, erklärte der Vorstandschef. Insofern ergäben sich für den Standort Volgershall, dem Sitz des Unternehmens, auch keine Logistikprobleme.

Der Unternehmenschef zeigte sich optimistisch, die selbstgesteckten Ziele erreichen zu können. Dies werde man aber nicht mehr allein aus eigener Kraft schaffen, aktuell fänden intensive Gespräche mit Investoren statt. „Wir wollen aus der volatilen Ecke herauskommen.“ Für das angestrebte Wachstum soll auch die Belegschaft kräftig aufgestockt werden, von derzeit 15 auf dann einhundert Mitarbeiter. Diese wolle man hauptsächlich über das Fraunhofer-Institut rekrutieren, mit dem man bereits kooperiere.

„Mut und die Bereitschaft zur Investition“

Zu der aktuell laufenden Diskussion um die Entwicklung des 3D-Campus‘ Volgershall zeigte Bülow sich „völlig tiefenentspannt“. Das seien planungsrechtliche Fragen, die sein Unternehmen nicht berührten. Auch der mit dem Campus verbundene Bau von Wohnungen sei für ihn nicht relevant: „Die Wohnfrage haben wir uns noch nie gestellt.“

Bernd Wiechel, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Nordostniedersachen, lobte den „Mut und die Bereitschaft zur Investition“ der Bionic Production AG am Standort Lüneburg. Dies sei auch für die hier bereits bestehehenden Hochtechnologieunternehmen wichtig. Es gelte daher, diese Investitionsbereitschaft zu steigern und zu fördern, „denn die Herausforderungen für die kleinen Mittelständler in diesem Bereich sind immens“ – auch und vor allem jenseits der Massenproduktion.

Von Ulf Stüwe

Hintergrund

Das Verfahren

Der 3D-Druck ist eine Fertigungstechnik, bei der ein Gegenstand – ob Metallschraube oder künstliches Hüftgelenk – in einem mehrstufigen Druckvorgang hergestellt wird. Dabei werden dünne Schichten eines Stoffes (Metall, Kunststoff oder Keramik) nacheinander aufgetragen und so das dreidimensionale Produkt erzeugt. Es ähnelt damit dem zweidimensionalen Druckvorgang für Text- oder Fotodokumente, bei der allerdings nur eine Schicht aufgetragen wird. 3D-Drucker werden in der Industrie, im Modellbau und in der Forschung eingesetzt, insbesondere bei geringen Stückzahlen und Einzelanfertigungen.

(Quelle: Wikipedia)