Mittwoch , 21. Oktober 2020
Ein Projekt, das immer wieder auf die lange Bank geschoben wurde, 2019 aber nun umgesetzt werden soll: die Modernisierung der Bardowicker Straße. (Foto: t&w)

Erneuerung mit Hindernissen

Lüneburg. Abgelehnt, verschoben, zurückgestellt – die Bilanz zur Förderung des Radverkehrs fiel 2018 in vielen Punkten ernüchternd aus. Gleich mehrere Gründe dafür führte die Verwaltung im jüngsten Verkehrsausschuss an, unter anderem die immer noch gut laufende Konjunktur. Aber es gab auch Fortschritte. Und 2019 soll es mit großen Schritten weitergehen: Rund 1,7 Millionen Euro sollen in neue Projekte fließen, mehr als zwei Millionen Euro sollen insgesamt verbaut werden.

Holperpisten

Mit sanierungsbedürftigen Radwegen beschäftigt sich auch Hans-Herbert Jenckel in seiner Rubrik „Herr Heilmann, übernehmen Sie“.  Der langjährige Lokalchef der LZ benennt Fallbeispiele und zeigt mit Fotos und in Videos, wo er für den Radverkehrs-Beauftragten der Stadt Handlungsbedarf sieht. Auch Leser können Hinweise auf marode Radwege geben – einfach auf das Bild klicken:

Blog: „Herr Heilmann, übernehmen Sie!“

Das Dilemma, vor das sich die Verwaltung bei der Umsetzung mehrerer für 2018 geplanter Rad-Projekte gestellt sah, fasste Dezernent Markus Moßmann so zusammen: Die hohe Auslastung der Bauunternehmen habe zu überteuerten Angeboten geführt, dadurch sei eine „haushaltsrechtliche Absicherung“ der jeweiligen Projekte nicht mehr gegeben gewesen. Eine erneute Ausschreibung führe dann „zu einer weiteren zeitlichen Verzögerung“.

Gleich mehrere Projekte waren davon betroffen, darunter auch Vorhaben, die eigentlich schon für 2017 geplant waren und erst in diesem Jahr abgearbeitet werden konnten. Darunter die Umgestaltung des Rad- und Gehwegs am Springintgut, der Bau der Rampe an der Bundesstraße 216, die Sanierung des Geh- und Radwegs an der Boecklerstraße oder die Erneuerung des Wegs am neuen Uni-Zentralgebäude.

Vorhaben werden immer wieder verschoben

Aber es ging auch plangemäß. So wurde der Radweg auf der Lösegrabenbrücke verbreitert und dessen Unterführung neu gepflastert und beleuchtet, die Lünertorstraße unter der Eisenbahnbrücke mit einem Schutzstreifen versehen und auch die Schnellenberger Allee im dritten Abschnitt befestigt. Der Neubau des Geh- und Radwegs des Ochtmisser Kirchsteigs Höhe Witzendorffstraße ist in Arbeit.

Für 2018 geplant, aber auf 2019 verschoben wurden die Querungshilfe am Ortseingang Rettmer, Geh- und Radwegarbeiten Am Domänenhof und in Kaltenmoor sowie der Ausbau und die Beleuchtung der Geh- und Radwege im Liebesgrund und im ­Scunthorpepark.

Auch die schon länger geplante Umgestaltung des südlichen Teils der Bardowicker Straße soll 2019 kommen. An den veranschlagten Kosten von 570 000 Euro sollen die Anlieger mit 175 000 Euro beteiligt werden. Die Verwaltung will dazu Anwohnerversammlungen durchführen.

Neu für 2019 ins Maßnahmenpaket aufgenommen wurden die Radwegsanierung auf der Friedrich-Ebert-Brücke, die Sanierung von Knotenpunkten auf der Hauptroute 3 und der Ausbau der Nordseite der Dahlenburger Landstraße. Ferner soll die Hindenburgstraße einen Radfahrstreifen bekommen, und es sollen Verkehrserhebungen und Planungen im Rahmen der Radverkehrsstrategie 2025 durchgeführt werden.

Fachkraft wird händeringend gesucht

Noch einmal in Angriff genommen werden soll auch die Sicherung des Fahrradparkhauses am Bahnhof, nachdem ein erster Förderantrag abgelehnt wurde. Die Verwaltung kündigte an, das Projekt gegebenenfalls auch ohne Förderung umzusetzen.

Zurückgestellt wurde die Radwegerneuerung in der Uelzener Straße, sie soll in ein Gesamtkonzept für die Erneuerung der Straße einfließen. Auch die Verbreiterung des Brockwinkler Wegs wurde zurückgestellt.

Auch das Verleihsystem StadtRad soll fortgesetzt und sogar erweitert werden (ausführlicher Bericht dazu folgt).
Vor dem Hintergrund der anstehenden Arbeiten appellierte Lüneburgs neuer Verkehrsplaner Sebastian Heilmann an die Ausschussmitglieder, die Verwaltung bei der Suche nach einer weiteren Fachkraft in seinem Bereich zu unterstützen: „Ansonsten wird es schwierig, das ambitionierte Programm umzusetzen.“ Einhellige Zustimmung bekam er aber schon mal für die vorgeschlagenen Maßnahmen.

Radwegeförderung

Projekte für 2019

2,1 Millionen Euro will die Stadt im kommenden Jahr in den Radwegeausbau investieren, rund 400 000 Euro stammen aus Vorjahres-Vorhaben. Eine Übersicht über die wichtigsten Projekte:

▶ Radweg Dahlenburger Landstraße: 450 000 Euro
▶ Liebesgrund/Scun­thorpepark: 366 000 Euro
▶ Sicherung Fahrradparkhaus: 294 000 Euro
▶ Radweg Friedrich-Ebert-Brücke: 220 000 Euro
▶ Ausbau StadtRad Lüneburg: 125 000 Euro
▶ Beschilderung Radverkehrsrouten: 124 000 Euro
▶ Radweg Bastionstraße: 120 000 Euro
▶ Radwege Artlenburger Landstraße: 112 000 Euro
▶ Ostseite Bockelmannstraße: 90 000 Euro
▶ Verlagerung Hindenburgstraße: 84 000 Euro
▶ Querungshilfe Rettmer: 80 000 Euro
▶ Radweg An der Buchholzer Bahn: 60 000 Euro
▶ Pflasterung Am Domänenhof: 52 000 Euro
▶ Pflasterung Kaltenmoor-Freibad: 45 000 Euro

Von Ulf Stüwe