Donnerstag , 1. Oktober 2020
Ein Bild aus konfliktfreien Tagen: Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft (v.l.), Ortsbrandmeister Rainer Utermöhlen, der Vorsitzende des Feuerwehrausschusses, Christian Gerlach, Ralf Girke von der Herstellerfirma und Dezernent Markus Moßmann im August 2017 vor dem neuen Einsatzleitwagen. (Foto: ca)

Es brennt im Feuerwehr-Ausschuss

Lüneburg. Im Feuerwehrausschuss der Stadt krachte es gewaltig. Wo sonst eher Harmonie und Einklang nach außen getragen werden und Missstände lieber mal unausgesprochen bleiben, ging es hoch her. Anlass waren öffentliche Einlassungen des Ausschussvorsitzenden Christian Tobias Gerlach (CDU). Er hatte sich über die LZ zu Feuerwehr-internen Problemen geäußert und dies in der Sitzung erneut bekräftigt. Dafür bekam er Ärger nicht nur vom Stadtbrandmeister.

Unruhe durch Aussagen in der LZ

„Diese Art der Auseinandersetzung ist nicht angebracht, damit kann man ziemlich viel zerstören“, ließ Birte Schellmann den Vorsitzenden wissen. Doch nicht nur von der FDP-Politikerin musste Gerlach sich Kritik gefallen lassen, sondern auch von der SPD. „Die von Ihnen angesprochenen sogenannten Probleme sind nicht durch einen Zeitungsartikel aus der Welt zu schaffen“, kritisierte Andreas Neubert. Und seine Fraktionskollegin Carmen-Maria Bendorf ergänzte: „Wir arbeiten an den Problemen und sind auf gutem Weg. Sie aber sorgen für Unruhe, das ist alles andere als hilfreich.“

Was war geschehen? Gerlach hatte sich im September in der LZ zu aktuellen Problemen bei der Feuerwehr geäußert und Fortschritte angemahnt. So hatte er das seit langem in der Erstellung befindliche Feuerwehrkonzept angesprochen, die Ausstattung des Fahrzeugparks bemängelt und mehr Klarheit beim Thema hauptamtliche Wachbereitschaft gefordert.

Stadtbrandmeister ist sauer

Dass Gerlach sich zudem in der LZ über die überraschend erfolgte Absage einer bereits geplanten Info-Veranstaltung der Organisation Feuer-Krebs durch die Feuerwehrleitung kritisch geäußert hatte, wurde ihm jetzt von Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft übel genommen: „Die Feuerwehr mit negativen Schlagzeilen zu torpedieren, ist nicht der richtige Weg!“ Auch verbat er sich Einmischungen seitens des Vorsitzenden in interne Angelegenheiten: „Das ist nicht Ihre Aufgabe.“

Doch auch im Ausschuss blieb Gerlach seiner Linie treu: „Wir haben Probleme und wir sollten darüber sprechen.“ Vor allem der von der Stadt jetzt bekanntgegebene aktuelle Zielerreichungsgrad von nur 51,6 Prozent bereite ihm Sorgen. „Vorgegeben sind 90 Prozent“, gab Gerlach zu bedenken und erinnerte den Ausschuss daran, dass laut Innenministerium die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr nicht mehr gegeben sei, wenn dieser Wert unter 80 Prozent sinke.

Ins Spiel gebracht hatte diesen Wert Dezernent Markus Moßmann. Im Ausschuss hatte er eine Kurzfassung der 80 Seiten umfassenden Ist-Analyse der Gutachter-Firma Forplan vorgelegt, in der die Verfügbarkeit der ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die Motivation und Zufriedenheit der Feuerwehrkräfte, die Einsatzmittel, die Bewertung der Feuerwehrhäuser und eben auch der Erreichungsgrad angesprochen wurden.

Zweifel an der Einsatzbereitschaft

„Unstrittig ist, dass wir etwas tun müssen“, sagte Moßmann. So müsse die ständige Einsatzbereitschaft erhöht werden, um den Zielerreichungsrad erfüllen zu können. Auch die dritte Wache werde kommen. Für alles brauche man aber Geld und dafür die Unterstützung des Rates. Klar sei aber auch, dass man an der Ehrenamtlichkeit festhalten wolle. Insgesamt sehe der Gutachter die Stadt aber auf „gutem und richtigem Weg“, wie Diesterhöft ergänzte, „es macht keinen Sinn, hier etwas zu überstürzen“.

Das sah Gerlach vor dem Hintergrund vieler offener Punkte – darunter auch den Schutz der Feuerwehrleute vor gesundheitsgefärdenden Stoffen – anders und reklamierte für sich, Probleme auch öffentlich ansprechen zu dürfen: „Dafür bin ich von den Bürgern der Stadt gewählt worden.“

„Wir wollen ja den Weg gehen“, bekräftigte Birte Schellmann, „aber die Art und Weise der Kommunikation ist entscheidend.“

Von Ulf Stüwe