Samstag , 19. September 2020
Die Polizei rollt einen Vermisstenfall neu auf, Beamte ziehen von Tür zu Tür: Katrin Konert (kleines Bild) verschwand am Neujahrstag 2001. (Foto: phs)

Spurensuche nach 18 Jahren

Bergen/Dumme. Bei Temperaturen von knapp über null Grad ziehen die Ordnungshüter mit Faltblättern von Tür zu Tür. „Die Polizei bittet um Ihre Mithilfe im Fall Katrin Konert“, steht vorn, darunter ein Foto des lächelnden Mädchens. Das Bild kennen die meisten im Ort, der Fall der Jugendlichen, die am Neujahrstag 2001 verschwand, machte immer wieder Schlagzeilen. Eine neu besetzte Ermittlungsgruppe arbeitet den Fall nun neu auf, eine „vollständige Neubewertung der Geschehnisse“ solle erfolgen. Auf dem Faltblatt sind acht Fragen aufgelistet, „Waren Sie am Nachmittag und/oder Abend des 1.1.2001 in Bergen an der Dumme oder Umgebung unterwegs?“ lautet eine.

„Der ganze Ort hofft, dass noch etwas gefunden wird“

Katrin Konert ist 15 Jahre alt, als sie mitten in dem kleinen Ort im Kreis Lüchow-Dannenberg verschwindet. Eine umfangreiche Suchaktion bringt keinen Erfolg. Fast 18 Jahre ist das her, Katrin Konert ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Rund 25 Beamte verteilen an diesem Novembertag des Jahres 2018 Flugblätter. „Ich glaube, das ist ein bisschen spät“, sagt Liesel Lühmann. Sie leitet einen Postshop. „Aber der ganze Ort hofft darauf, dass noch etwas gefunden wird. Sonst können die Eltern nicht zur Ruhe kommen.“

Katrin Konert
Katrin Konert. (Foto: privat)

Katrin hat damals ihren sehr viel älteren Freund besucht, die Eltern wussten nichts davon. Es soll Streit gegeben haben, sie ging zu einer Bushaltestelle. Per Handy bat sie Freunde darum, sie nach Hause zu fahren, die Familie lebt in Groß Gaddau, gut zehn Kilometer entfernt. In einer SMS an eine ihrer Schwestern kündigte sie an, dass sie später nach Hause komme. Es war die letzte Nachricht an die Familie, sie kam nie mehr nach Hause.

Hundertschaften durchkämmten damals die Umgebung – vergeblich. Hatten der Freund oder andere Bekannte des Mädchens etwas mit dem Verschwinden zu tun? Auch Mitglieder eines Motorradclubs und Angehörige einer Sekte wurden überprüft. Auf einem Acker in der Nähe wurde gegraben, Leichenspürhunde schlugen an – wieder nichts. Die Polizei geht seither von einem Kapitalverbrechen aus, über die Jahre wird immer weiter ermittelt, rund 70 Aktenordner füllt der Fall.

Belohnung für Hinweise verdoppelt

„Jetzt sprechen wieder alle da­rüber“, sagt Klaus Giese. „Ob es was bringt, weiß man nicht“, meint der 67-Jährige. „Wir fangen ganz von vorn an“, sagt Oberkommissarin Annegret Dau-Rödel. Sie leitet die Ermittlungsgruppe, im Oktober hat die Polizei den Neustart angekündigt. Acht Beamte sind dabei, Profiler beraten sie. Über das Internet können anonym Hinweise gegeben werden, die Belohnung wurde auf 10 000 Euro verdoppelt. Mitten im Ort wurde sogar eine mobile Wache aufgestellt. In dem grauen Container stehen Beamte als Ansprechpartner bereit, jeden Tag. „Es gibt fast täglich neue Hinweise“, sagt Dau-Rödel. „Wir setzen immer noch auf eine Täterschaft aus der Umgebung.“

Allein in Niedersachsen gibt es nach Angaben des Landeskriminalamtes fünf Fälle von Minderjährigen, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten vermisst werden. Dann endet die Suche nie. Das gilt auch für Katrin, sie wäre heute 33. Wird sie nicht gefunden, werden die Akten nicht geschlossen. „Es geht nicht nur um einen Fahndungserfolg. Es geht auch darum, einen emotionalen Abschluss für die Familie zu finden“, sagt Dau-Rödel. lz/dpa/rnd