Sonntag , 27. September 2020
Nicht nur bei den Sülfmeistertagen fühlen sich Händler und Geschäftsleute am Sand durch Buden und Sperrungen benachteiligt. (Foto: phs)

Getrübte Feierlaune

Lüneburg. Ob Stadtfest, Sülfmeisterfest, Kinderfest, ADAC-Oldtimerrallye oder – wie in diesem Jahr – auch noch das Feuerwehr-Jubiläum – in Lüneburg wird gern und viel gefeiert. Stets aufs Neue verwandelt sich der Platz Am Sande dann zu einer großen Spaß-, Bier- und Bratwurstmeile mit vielen bunten Buden, die zum Verweilen einladen – und inzwischen zu reichlich Frust bei den Händlern sorgen.

„Wir haben davon nichts, im Gegenteil“, sagt Ernst Joachim Petersen, Inhaber von Edeka Wist am Platz Am Sande. Bei jeder Veranstaltung mache er rund ein Viertel weniger Umsatz, bei jeweils drei Festtagen komme da einiges zusammen. Denn Petersen zählt neben dem Veranstaltungs-Sonnabend auch die Aufbauzeit mit, „und die fängt inzwischen schon donnerstags an“.

Wichtige Kundschaft bleibt weg

Weil dann die Busse den Platz nicht mehr anfahren dürfen, bleibe wichtige Kundschaft weg. „Viele sagen schon von vornhe­rein, dass sie dann nicht mehr in die Stadt kommen wollen“, berichtet der Edeka-Händler und beteuert: „Wir haben nichts gegen die Veranstaltungen, aber so kann es nicht bleiben.“

Unterstützung bekommt Petersen vom benachbarten Bekleidungsgeschäft Ulla Popken. „Wegen der vor den Geschäften aufgestellten Buden sind viele gehemmt, den Laden zu betreten“, sagt Filialleiterin Monika Meyer. Inzwischen schickt sie sogar schon Personal an diesen Tagen wieder nach Hause, da die Kundschaft ausbleibe.

Das sieht auch Kathrin Brüderle von „Optik Müller Hörgeräte“ so. „Bei der Aufstellung der Buden sollte mehr Rücksicht auf den Einzelhandel genommen werden“, fordert die Augenoptikermeisterin. Sie empfiehlt, die Verkaufsstände vor denjenigen Geschäften aufzustellen, die am Sonnabend ohnehin geschlossen haben, „wie beispielsweise Arztpraxen oder die Geldhäuser“.

Aufbauzeiten verkürzen

Als ersten Schritt schlägt Ernst Joachim Petersen vor, zumindest die Aufbauzeiten zu verkürzen. „Warum muss man mit dem Aufbau schon am Donnerstagmorgen beginnen? Es muss doch möglich sein, das in die Abendstunden zu verlegen.“ Dem kann Ulrich Steiger nur zustimmen: „Für den Aufbau einer Würstchenbude braucht man doch nicht zwei Tage“, wundert sich der Inhaber der Einhorn Apotheke, zumal die Buden anschließend den ganzen Tag ohnehin leer ständen. „Man kann so etwas doch bestimmt auch anders organisieren, ohne immer gleich den ganzen Platz sperren zu müssen“, ist der Apotheker überzeugt. Er beklagt sogar Umsatzeinbußen von bis zu 40 Prozent an diesen Tagen.

„Für den Aufbau einer Würstchenbude braucht man doch nicht zwei Tage?“ – Ulrich Steiger, Apotheker

Für die Stadtverwaltung und die Lüneburg Marketing GmbH als Organisatorin sind die Veranstaltungen „ein wichtiger Beitrag, um die Hansestadt als attraktiven Ort für Einkauf, Gas­tronomie und Erlebnis zu positionieren im Wettbewerb mit anderen Städten“, wie Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck erklärt. Nicht immer ließen sich alle verschiedenen Interessen gleichzeitig berücksichtigen. „Man muss sehen, was tatsächlich machbar ist, aber wir nehmen die Wünsche gerne auf.“ Zugleich empfiehlt sie, Probleme oder Anregungen „am besten direkt anzusprechen bei den Kollegen, die vor Ort sind, vom Ordnungsbereich oder der Marketing. Im konstruktiven Gespräch lässt sich manches lösen oder zumindest der Grund besser verstehen, wenn es mal nicht anders geht.“ Ohne Aufbautag ginge es wegen des logistischen Aufwands aber nicht.

Das Argument der Stadt, auch die ansässigen Unternehmen würden von den Veranstaltungen profitieren, teilt Ernst Joachim Petersen nicht: „Die Leute wollen an diesen Tagen eine Bratwurst essen, aber keine Margarine kaufen.“

Gespräche mit der Stadt angekündigt

Mehr Verständnis für die Situation der betroffenen Händler zeigt Heiko Meyer, Chef vom Lüneburg City Management. „Ich sehe das ähnlich und hab‘ den Ball aufgenommen.“ Auch er habe den Eindruck, dass die Aufbauzeiten länger geworden seien. Natürlich müsse man die Aussteller und die Marketing GmbH verstehen, „aber eben auch die Händler“. Er kündigte an, hierzu mit der Stadt sprechen zu wollen.

Von Ulf Stüwe