Donnerstag , 24. September 2020
Dr. Antje Seidel (l.) und Annika Weiser haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Lüneburg es jetzt in die dritte und letzte Runde geschafft hat. (Foto: t&w)

Lüneburg wird zur Zukunftsstadt

Lüneburg. Dresden, Bocholt, Friedrichstadt, Gelsenkirchen, Ulm, Loitz und Lüneburg: Es sind Städte, die sich im nächsten Jahr verändern dürfen. In Richtung bezahlbarer Wohnraum, nachhaltige Mobilität, Klimaanpassung und Digitalisierung. Wer alles von den insgesamt 10,5 Millionen Euro profitiert, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt 2030+“ bereitstellt, darüber hat jetzt eine Expertenjury entschieden. Waren zuletzt noch 22 Kommunen im Rennen, zählt Lüneburg nun zu den sieben auserwählten Städten. 1,5 Millionen Euro fließen in die Region.

Wie berichtet, ist der bundesweite Wettbewerb im Jahr 2015 gestartet. 168 Gemeinden und Ortschaften hatten sich beworben, 65 wurden für die erste Runde zugelassen. Lüneburg holte sich die Leuphana Universität als Partner an Bord. In zwei Phasen haben sich rund 800 Studenten und 500 Lüneburger eingebracht, zunächst 25 Visionen für eine nachhaltige Stadt ausgearbeitet und diese dann zu 17 konkreten Lösungen weiterentwickelt. Die LZ hat die Maßnahmen im Rahmen einer Serie vorgestellt.

Weitergekommen trotz starker Konkurrenz

Groß ist die Freude bei Annika Weiser, die das Projekt bis zuletzt gemeinsam mit Dr. Antje Seidel koordiniert und wochenlang die Daumen gedrückt hat. „Wir sind sehr, sehr froh, dass wir tatsächlich weitergekommen sind“, sagt sie nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe. „Die Konkurrenz war wirklich stark.“ Infos zum weiteren Vorgehen erhofft sich Weiser von Dr. Karl-Heinz Rehbein, dem Nachhaltigkeitsbeauftragten der Stadt, und Prof. Dr. Daniel Lang, dem Projektverantwortlichen vonseiten der Uni. „Sie sind gerade gemeinsam mit Vertretern der anderen sechs Städte in Düsseldorf und erhalten vom Fördermittelgeber die Details.“

Sicher ist, dass Lüneburg bis Ende des Jahres einen Vollantrag einreichen muss. Bislang liegt dem Ministerium lediglich eine 15-seitige Skizze vor. In dem detaillierten Konzept geht es etwa darum, welche Summen wofür benötigt werden und was für Experimente umgesetzt werden sollen. Von den 1,5 Millionen Euro sind 650 000 Euro für Personalkosten vorgesehen: So sollen beispielsweise vier halbe Stellen im Rathaus geschaffen werden, eine wissenschaftliche Begleitung an der Leuphana und auch eine Position für jemanden aus der Bürgerschaft.

Vorbild: 17 Nachhaltigkeitsziele der UN

2019 soll es dann richtig losgehen: Dann verlassen die Projekte die Köpfe und werden in Lüneburg getestet. Von sogenannten Reallaboren ist die Rede, Antje Seidel hat das mal so formuliert: „Zeit zum Ausprobieren und Beforschen“.

Grüne Oasen in der Stadt, eine Servicestelle, die Ehrenamtliche unterstützen soll, ein Vergabeschlüssel zum gerechten Wohnen, Lieferungen per Lastenrad, Quartierstrom-Konzepte und vieles mehr: All diese Maßnahmen sind an die international vereinbarten 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen angelehnt. Dreieinhalb Jahre lang werden Experten die Entwicklungsschritte im Blick behalten, sie dokumentieren und Erkenntnisse daraus ziehen. Die Hoffnung ist, dass manche Projekte auch zu Selbstläufern werden und unabhängig von der Förderung vorangetrieben werden.

Weitere Infos zu den einzelnen Maßnahmen und dem Projekt gibt’s hier. 

Von Anna Paarmann