Freitag , 25. September 2020
Uwe Hauschild (vorne links) im Kreise der Kollegen. Foto: t&w

Aus meinem Alltag als Mitglied der Feuerwehr

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Deutsch Evern. „Na, gestern Abend wieder gefeiert!?“ Der mitleidige Blick des Arbeitskollegen trifft mich. Meine Antwort: „Nein, habe heute Nacht von halb zwei bis drei Uhr Bäume von der Straße geräumt.“ Glück gehabt, denke ich, es hätte auch ein Verkehrsunfall sein können, mit Schwerverletzten. Das gehört zu meinem Alltag, denn neben dem Job, mit dem ich mein Geld verdiene, arbeite ich ehrenamtlich im „Zweitjob“ in der Freiwilligen Feuerwehr: natürlich ohne Bezahlung und mit unregelmäßigen Arbeitszeiten.

Es ist ein Job mit großer Verantwortung, eine Tätigkeit, die oft viel fordert, aber auch viel gibt. Ich habe gelernt, Türen ohne Schlüssel zu öffnen, Feuer zu löschen, anderen Menschen in Not zu helfen. Dafür habe ich mich an vielen Wochenenden weitergebildet, habe Atemschutz und Chemieschutzanzüge getragen, große Löschfahrzeuge gefahren. Auch in meinem „Zweitjob“ habe ich Kameradinnen und Kameraden, auf die ich mich verlassen muss und es auch kann.

Wir haben einiges erlebt

Wir haben einiges gemeinsam erlebt: Übungen, die anstrengend waren, die aber sein müssen, damit jeder Handgriff sitzt. Einsätze, bei denen es physisch und psychisch an unsere Grenzen ging und manchmal vielleicht auch darüber hinaus.

Das alles geht mir durch den Kopf, als mein Kollege fragt: „Erzähl‘ mal, wie läuft das so ab, mitten in der Nacht?“ Na ja, der Melder piept mit einem durchdringenden Ton. Familie, Katze und ich werden wach. Licht an, Blick auf das Display des Meldeempfängers, Hose und Pullover über den Schlafanzug gezogen, Treppe runter, Autoschlüssel greifen. Dann schnell rein in die Einsatzkleidung: Im Winter an die warme Jacke denken, rein ins Auto, ab zur Einsatzstelle. Und vorher möglichst wach werden.

Anspannung auch nach Jahren

Meistens rücke ich auch nachts spätestens fünf Minuten nach dem Alarm aus. Während der Fahrt, kurz in Gedanken das mögliche Szenario durchgehen. Je nach Alarmmeldung erste Nachfragen bei der Leitstelle, prüfen, welche Feuerwehren sind alarmiert? Bäume auf der Straße sind schon Routine. Bei einem Feuer oder Unfall ist man auch nach Jahren noch angespannt.

Nach dem Einsatz geht‘s zurück – oft noch mit ins Feuerwehrhaus. Kurze Einsatznachbesprechung mit den Kameraden. Bei belastenden Einsätzen sind diese Gespräche ganz wichtig! Dann ab nach Hause. Möglichst leise ins Bett gehen und versuchen, schnell wieder einzuschlafen, sonst denken die Kollegen am nächsten Tag tatsächlich noch, ich hätte gefeiert.