Sonntag , 27. September 2020
Der Angeklagte im Gespräch mit Anwältin Louisa Krämer. Foto: be

Unter Drogen im Blutrausch

Lüneburg. Um die Frage, ob er es getan hat, geht es nicht mehr. Denn das steht fest. Der junge Mann hat seine Freundin getötet. Im Saal des Lüneburger Landgeric hts geht es um die Frage, in welchem Zustand er bei der Tat im vergangenen März war. Denn der Mann stach wohl im Drogenrausch zu.

Zu Beginn des Prozesses verliest der Angeklagte eine persönliche Erklärung, darin beruft er sich auf einen „Filmriss“ zum Zeitpunkt der Tat. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er überall Blut gesehen. Den Tod der Freundin habe er zunächst nicht wahrhaben wollen. Er selbst war ebenfalls verletzt, die Polizei fand in mehreren Räumen Blutspuren von ihm.

Mit Partnerin LSD konsumiert

Die Tat ereignete sich in Bergen im Landkreis Celle im Elternhaus des Mannesn. Polizisten entdeckten die Tote grausam zugerichtet im dortigen Badezimmer. Der Angeklagte soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zunächst mit seiner Partnerin LSD konsumiert haben. Dabei soll er in einen psycho­tischen Zustand geraten sein und mehrfach zugestochen haben. Der junge Mann hätte allerdings nach früheren Erfahrungen mit Drogen die Folgen absehen müssen, wertet der Staatsanwalt beim Prozessauftakt.

Angeklagt ist der 21-Jährige wegen Vollrauschs in Tateinheit mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Für den Tod der 18-Jährigen selbst sei er nicht zu bestrafen, heißt es in der Anklage. Denn es sei nicht auszuschließen, dass er an jenem Tag schuldunfähig war. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb vor, sich vorsätzlich in einen Rausch versetzt und in diesem Zustand einen Totschlag begangen zu haben.

An der polnisch-russischen Grenze festgenommen

Er habe vor dem LSD auch Marihuana genommen und sei sich über die Folgen nicht im Klaren gewesen, erklärt der Angeklagte am Dienstag im Gerichtssaal. Unter Tränen bittet er die Angehörigen des Opfers um Entschuldigung.

Der aus Usbekistan stammende Mann war zunächst zu seiner nach Russland gereisten Familie geflohen. Von unterwegs rief er bei der Polizei an. Als die Fahndung angelaufen war, kündigte er seine Rückkehr an und wurde an der polnisch-russischen Grenze festgenommen. lz/rnd