Mittwoch , 28. Oktober 2020
Seine Leidenschaft fürs Kochen und sein Können wurden jetzt vergoldet: Aljoscha Knoblich ist der beste Nachwuchs-Koch Deutschlands. (Foto: t&w)

Der Goldjunge am Herd

Lüneburg. Drei Jahre ist es her, dass Aljoscha Knoblich seine Ausbildung zum Koch im Lüneburger Restaurant „Zum alten Brauhaus“ begann. Inzwischen ist er fertig. Den Beruf übt er mit Leidenschaft für saisonale und regionale Produkte aus. Mit seinem Können überzeugte er jetzt bei den 39. Deutschen Jugendmeisterschaften in den gastgewerblichen Ausbildungsberufen: Aljoscha Knoblich wurde in Berlin als bundesweit bester Nachwuchs-Koch mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Bei den Meisterschaften traten 48 junge Köche, Hotel- und Restaurantfachleute aus 16 Dehoga-Landesverbänden an, um in der Hauptstadt die Besten ihres Fachs zu ermitteln. Aljoscha Knoblich hatte sich im Frühjahr bereits beim Landeswettkampf dafür qualifiziert. Für den Wettbewerb in Berlin sei er dann von einem Berufsschullehrer noch einmal trainiert worden, erzählt der 19-Jährige beim Gespräch im Restaurant „Zum alten Brauhaus“. Bereits am Tag nach der Siegerehrung im renommierten Berliner Hotel Adlon steht der Goldjunge dort wieder am Herd.

Siegerehrung im renommierten Hotel Adlon

Das festliche Abendessen am vergangenen Sonntag im IHK-Haus in Berlin mit 350 geladenen Gästen bildete den Höhepunkt des Wettbewerbs. Jeder Koch musste aus einem vorgegebenen Warenkorb mit Haupt- und Nebenkomponenten ein Vier-Gang-Menü kreieren. Am Tag zuvor hatten die Teilnehmer noch ihr theoretisches Wissen unter Beweis stellen müssen, „dazu gehörte unter anderem Warenerkennung, das war sehr anspruchsvoll“, berichtet Knoblich.

Bevor es ans Kochen ging, habe der Vorsitzende der Jury noch einmal einen Blick auf die Menüs der einzelnen Teilnehmer geworfen. „Er meinte zu mir: Ziemlich viel Arbeit, trauen Sie sich das zu? Ich habe das bejaht“, sagt der junge Lüneburger. Die Konkurrenz sei „nicht ohne“ gewesen, sie kam aus vielen deutschen Spitzenhotels. „Ich habe gedacht, dass ich gut dabei bin. Vielleicht belege ich den 4. Platz“, sagt er bescheiden. Die Jury sah das anders, zeichnete seine Leistung mit Gold aus. In der Teamwertung gewann die Mannschaft aus Niedersachsen zudem Silber.

Unter den Gästen im Adlon war auch sein Chef Alexander Korte, der lobt: „Er ist im wahren Sinne ein Goldjunge, der seit Ausbildungsbeginn mit Leidenschaft und detailbesessen in seinem Beruf arbeitet.“ Als sich Aljoscha Knoblich nach dem Realschulabschluss im Alter von 16 Jahren bei ihm beworben habe, sei er noch skeptisch gewesen, „denn für einen 16-Jährigen ist das ein sehr anspruchsvoller Job“. Doch der junge Mann überzeugte ihn während eines Praktikums, „und ab dem 2. Lehrjahr ist er regelrecht durch die Decke gegangen“. Knoblich hatte sich in dem Restaurant beworben, „weil ein Kumpel gesagt hat, er habe darüber nur Gutes gehört“.

Einladung für die Nationalmannschaft

Dass er Koch werden wollte, stand für ihn außer Frage. „Es hat mir schon immer Spaß und Freude gemacht, für die Familie und Freunde aus guten, einfachen Produkten tolle Sachen zu zaubern.“ Sein Lieblingsgericht: Königsberger Klopse mit Kapern. Aber er kann eben auch Kochen auf höchstem Niveau wie Galantine von der Wachtel mit Poulardenbällchen oder Kalbsrücken im Nussbiskuit mit Portweinsoße, Selleriepüree und Kartoffelrisotto, was er unter anderem in Berlin zubereitet hat.

Sein Chef Alexander Korte freut sich natürlich über den Goldjungen in der Küche, aber er sagt auch: „Der spielt mittlerweile in einer anderen Liga, deshalb muss er raus und in anderen Häusern kochen. Und vielleicht kommt er irgendwann wieder.“ Wann es rausgeht, da hält sich Knoblich noch bedeckt. Inzwischen liegt dem Lüneburger ­übrigens eine Einladung der Jugendnationalmannschaft der Köche vor, die im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft der Jungköche antritt.

Von Antje Schäfer