Donnerstag , 1. Oktober 2020
Tülay Saykal und Nicoline Wiermann sind neue Kontaktbeamte in Lüneburg. (Foto: t&w)

Die neuen Aufpasser

Lüneburg. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz, Kommissarin Nicoline Wiermann und Oberkommissar Tülay Saykal zählen nun zum Team der Kontaktbeamten, abgekürzt Kobs. Sie unterstützen in der Innenstadt Hauptkommissar Thomas Fischer. Hans-Jürgen Felgentreu stellte das Duo jetzt vor. Der Leitende Polizeidirektor kommt damit dem Wunsch vieler Bürger nach, die sich sicherer fühlen, wenn Beamte am und rund um den Platz Am Sande Streife laufen.

Bushaltestellen auf dem Platz sind zum Wohnzimmer einer trinkfesten Klientel geworden, der Clamartpark zieht Junkies und Dealer an. Für Unsicherheit sorgen bei manchem auch die vielen jungen Leute, die in großen Gruppen am Sand stehen und sich lautstark unterhalten. Dabei spielen die angrenzende Schule ebenso eine Rolle wie die Sprachkurse für Zuwanderer der Volkshochschule und das kostenlose WLAN-Netz. All das weiß auch Lüneburgs Polizeichef Felgentreu, der eine „Umstrukturierung“ der Polizei in diesem Punkt ankündigt.

Masterabschluss in Kriminologie

Die 41-jährige Nicoline Wiermann und ihr sieben Jahre älterer Kollege kennen das Geschehen „auf der Straße“. Die Polizeikommissarin, die einen frischen Masterabschluss in Kriminologie besitzt, hat auf der Wache in Uelzen und dann in der Station in Ebstorf gearbeitet. Ihr Kollege Saykal stammt aus dem Hamburger Karo-Viertel und fährt seit acht Jahren in Lüneburger Streifenwagen mit raus.

Natürlich gehen die Kobs gegen Straftäter vor. Doch sie sollen vor allem Freund und Helfer sein, Ansprechpartner, um Konflikte gar nicht erst hochkochen zu lassen oder sie zu minimieren. Das heißt für die Praxis: Sie reden mit Alkoholabhängigen am Sand, mit den Drogenkonsumenten im Park und an der Johanniskirche, sie haben aber auch ein offenes Ohr für Geschäftsleute und deren Probleme, für die Seniorin, die auf den Bus wartet oder die Jugendlichen, die den Platz als Bühne nutzen.

Polizeichef will sein Team von Verkehrskontrollen entlasten

„Wir sind zu unterschiedlichen Zeiten unterwegs“, sagt Saykal. Mittags und auch abends – je nach Bedürfnis und Lage. Den Beamten und Felgentreu ist es wichtig, dass die Polizei mit Sozialarbeitern und Schulen zusammenarbeitet. „Das Problem der Drogen beispielsweise können wir als Polizei nicht lösen“, sagt Felgentreu. Da gehe es ebenso um das Miteinander wie beim Thema Verkehr. In Richtung Rathaus sagt er, dass seine Kobs nicht ständig Autofahrer kon­trollieren könnten, die durch verkehrsberuhigte Zonen steuern, das sei nicht ihre Hauptaufgabe: „Da gibt es intelligente Lösungen: versenkbare Poller, die mit Signalen oder Kennzeichenlesegeräten gesteuert werden.“

Eines ist auch klar: Mehr Beamte hat Felgentreu nicht zur Verfügung, und die beiden Neuen müssen auch ihre Stadtteile zwischen Ochtmissen und dem Ebensberg mitbetreuen.

Von Carlo Eggeling