Samstag , 24. Oktober 2020
Als Kolonne sind die Radfahrer durch Lüneburg gestrampelt. Mit der Aktion wollen sie ein Signal in Richtung Rathaus senden und sich für einen Fahrradstraßenring einsetzen. (Foto: t&w)

Vorrang vor dem Auto

Lüneburg. Alles läuft reibungslos. In gemächlichem Tempo geht es einmal quer durch die Innenstadt. Vom Marktplatz aus über die Neue Sülze und Wallstraße zur Ilmenaustraße. Beim Abbiegen gerät die Kolonne ins Stocken. Fußgänger überqueren den Zebrastreifen, Autofahrer sind von der Scharff-Kreuzung aus in Richtung St. Johanniskirche unterwegs. Endlich sind die 30 Radfahrer an der Reihe, weiter geht‘s in Richtung Stint. Auf dem Kauf, Lüner Straße, der nächste Stopp. Diesmal wird es laut. Der Fahrer eines SUV möchte nicht warten, bis die Zweiräder seinen Wagen passiert haben. Er drückt aufs Gas, die Radfahrer auf die Bremse. Sie pöbeln sich an.

„Vorrang vor dem Auto“ – das ist es, was sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, kurz ADFC, in Lüneburg wünscht und mit der Aktion bezwecken will. Zumindest für zwölf Straßen. 2,5 Kilometer umfasst der Ring, den die Mitglieder gern zu einer Fahrradstraße umfunktionieren würden. Dreimal sind sie ihn am Freitagnachmittag abgefahren.

Klare juristische Regelung gefordert

Erwin Habisch, er sitzt im Vorstand des Kreisverbands, verweist auf den Verkehrsentwicklungsplan, der 1990 vom Lüneburger Rat beschlossen wurde. „Es gilt: Fahrrad vor Auto“, heißt es darin. Dass es heute, 28 Jahre später, nur einen Innenstadtring für Autos, nicht aber für Radfahrer gibt, sei nicht in Ordnung. Er merkt an, dass die dafür nötige Verkehrsinfrastruktur größtenteils schon vorhanden sei. „In den meisten Straßen gilt bereits Tempo 30.“

Ziel eines Fahrradstraßenrings sei es nicht, Autos komplett zu verbannen, sondern Radlern den Vorrang zu geben. „Dazu braucht es eine klare juristische Regelung. Autofahrer müssen aufpassen, dass sie die Radfahrer nicht behindern und das Tempo entsprechend verringern.“ Bei einem Unfall sei dann auch die Beweislast eindeutiger.

Im Rathaus weist Pressesprecherin Suzanne Moenck darauf hin, dass der geforderte Ring vorhanden sei und auch funktioniere. „Verbesserungen sind natürlich immer möglich.“ Dabei müssten aber stets alle Bedürfnisse berücksichtigt werden, die von Anliegern, Lieferanten und Menschen, „die nicht so mobil sind und die Innenstadt trotzdem erreichen wollen“.

Von Anna Paarmann