Freitag , 23. Oktober 2020
Per Schlauchleitung wird das Frischwasser in den Kurparkteich geleitet. (Foto: us)

Die Grenzen des Systems

Lüneburg. Die Stockenten auf dem Kurparkteich fühlten sich sichtlich wohl, für sie war es eine sprudelnde Abwechslung im sonst eher eintönig verlaufenden Teichalltag. Doch nicht ihnen zur Freude hatte die Stadtverwaltung in den vergangenen Tagen jede Menge Leitungswasser in die vielbesuchte Wasserstelle pumpen lassen. Mit der Aktion sollte ein weiteres Austrocknen und drohendes „Umkippen“ des Teiches verhindert werden – obwohl eigens dafür erst vor wenigen Jahren ein biologisches Klärsystem installiert wurde.

„In einem Sommer wie diesem reicht das Umwälzen allein nicht“, erklärt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. „Es geht auch um die Menge an Wasser im Teich, die überhaupt umgewälzt werden kann.“

Erst vor drei Jahren hatte die Stadt im Kurparkteich mit großem Aufwand das biologische Klärsystem installiert. Grund war die durch das viele Laub und die Hinterlassenschaften der Teichbewohner zunehmende Verschlammung des Gewässers, die immer wieder aufwendig entfernt werden musste, zuletzt im Mai 2015, als 50 Lkw-Ladungen Schlamm abgefahren wurden.

Überangebot an Nährstoffen

Um diesen Aufwand zu reduzieren, hatte die Stadt sich etwas Neues einfallen lassen: Im südlichen Teil wurde ein Absetzbecken errichtet, darauf ein Schilfgürtel zur Aufnahme der Schwebeteile im Wasser. Die dafür notwendige Zirkulation des Teichwassers übernahmen drei von einer Pumpe betriebene Düsen, die in die Teichmauer eingelassen wurden. Kosten: 80 000 Euro.

Doch die regulierende Kraft der neuen Natur-Anlage ist offenbar begrenzt, schon ein Jahr später war das Wasser wieder voller Grünzeug. Die Stadtverwaltung erklärte es mit einem Überangebot an Nährstoffen, außerdem hätten sich zu dem Zeitpunkt noch nicht genügend neue Wasserpflanzen zur Aufnahme der Nährstoffe gebildet.

Dass jetzt Wasser nachgepumpt wurde, habe deshalb auch weniger mit dem Klärsystem als mit der langen Dürreperiode zu tun. Moenck: „Da verdunstet auch sehr viel Wasser, ohne dass welches auf natürlichem Wege dazugekommen wäre.“

Von Ulf Stüwe