Donnerstag , 22. Oktober 2020
Ein Teil des Teams: (v.l.) Laura Ullmann, Fine Böttner, Anne Bauer und Lisa Steinwandel sind überzeugt, dass viele sich nicht genug Gedanken um die Umwelt machen. Sie haben eine Karte konzipiert, die Alternativen bietet. Foto: t&w

Mehr als 100 weltbewusste Orte

Lüneburg. Wenn Janna Schulte vor der Theke beim Bäcker einfällt, dass sie ihren Leinenbeutel zu Hause vergessen hat, ärgert sie sich zwar, schwingt sich aber nochmal aufs Rad. Ihr geschnittenes Vollkornbrot möchte die 25-Jährige nicht in einer Plastik- oder Papiertüte mitnehmen, sie lässt sich die Scheiben stets in ihren eigenen Beutel legen. Es ist nur eine von vielen Maßnahmen, die sie unternimmt, um gegen den Konsum anzusteuern. Gemeinsam mit sechs Studenten hat Janna Schulte jetzt einen Stadtplan entwickelt, der Lüneburgern umweltbewusste Alternativen aufzeigt: Second-Hand-Läden, Märkte, die auf regionale Produkte setzen, Werkstätten für Änderungen und Reparaturen, Restaurants mit veganen und vegetarischen Angeboten.

Seit drei Jahren engagiert sich die junge Frau, die an der Leuphana studiert, bei „WELTbewusst“ – eine deutschlandweite Initiative, die 2014 vom BUND gestartet wurde. In 40 Städten werden mittlerweile regelmäßig Stadtführungen zum Thema Globalisierung und nachhaltiger Konsum durchgeführt. Auch in Lüneburg (siehe Infobox).

Wo findet hier eigentlich Konsum statt?

„Wir klären die Teilnehmer auf, wo hier eigentlich Konsum stattfindet“, sagt Schulte. „Nach den Rundgängen kommt immer die Frage auf, was wir eigentlich konkret dagegen unternehmen können.“ So sei die Idee entstanden, Orte, die Alternativen bieten, zusammenzutragen und einen Stadtplan auszuarbeiten.

Lisa Steinwandel (21) nennt mit der Herstellung von Jeans ein Beispiel, es ist neben der Lebensmittelverschwendung, der Mobilität oder Handynutzung ein Schwerpunktthema der Tour. „Wir steuern ein Modegeschäft und einen Second-Hand-Laden an.“ Die Teilnehmer erfahren mehr über den Prozess des Färbens und die damit verbundenen Probleme, lernen alle Herstellungsschritte der Jeans kennen, „die erst einmal um die Welt reist, bis sie hierherkommt“.

Schon lange keine Kleidung mehr gekauft

Aus diesem Grund ist die 24-jährige Anne Bauer regelmäßiger Gast im Umsonstladen in Kaltenmoor. „Wenn ich Klamotten ­übrig habe, bringe ich sie dahin. Ich hänge viel weniger an meinen Sachen seit ich weiß, dass andere sie vielleicht gebrauchen können.“ Ebenso durchforstet die angehende Umweltwissenschaftlerin das Sortiment, wenn sie auf der Suche nach einem neuen Kleidungsstück ist. „Ich habe mir lange nichts mehr gekauft.“

Beim Thema Essen ist es nicht anders: Die Mitglieder von WELTbewusst loben die Tatsache, dass Foodsharing in Lüneburg hochgehalten wird. So gibt es in der Stadt gleich mehrere Standorte, an denen Obst, Gemüse, Brot und andere Produkte abgelegt werden können. Auf dem Stadtplan ist auch der neue „Fairteiler“ zwischen Clamartpark und St.-Marien-Kirche eingezeichnet: eine Art Gartenhäuschen, das mit Kühlschrank und Froster ausgestattet ist und von Kirchenmitgliedern auf- und zugeschlossen wird. „Da steht sogar eine Biotonne, in der abgelaufene Lebensmittel dann gleich entsorgt werden können“, sagt Janna Schulte, die dort regelmäßig nach der Uni vorbeifährt und ihren Einkauf davon abhängig macht, was sie dort findet.

Ein Jahr lang war das Team auf Recherche.

Die doppelseitige Karte, die bislang 3000 Mal gedruckt wurde und aus Mitteln des Öko?-logisch!-Referats und des Vereins Janun finanziert wurde, zeigt aber auch viele Stellen, die selbst die Studenten vorher noch nicht kannten. „Wir haben wild gesammelt, viele Leute, die an den Rundgängen teilgenommen haben, haben aufgeschrieben, was sie noch so kennen“, erzählt Lisa Steinwandel. „Am Ende hatten wir eine lange Liste.“

Ein Jahr lang war das Team auf Recherche. Für alle, die sich über die Auswahl wundern, haben die Studenten auf der Karte einen „Tipp“ formuliert: „Die Mehrheit der Orte ist nicht perfekt und nicht zu 100 Prozent bio, fair, vegan, regional, vegetarisch, nachhaltig. Wir machen in Lüneburg die ersten Schritte in die richtige Richtung und das zeigen wir.“

Den Plan gibt es HIER. Gedruckt liegt er an der LZ-Veranstaltungskasse, der Uni und im Café Avenir, Katzenstraße 2, aus.

Von Anna Paarmann

Lüneburg-Tour

Konsumkritischer Stadtrundgang

Bei den studentischen Führungen geht es unter anderem um folgende Fragen: Wie viel Essen werfen wir täglich in den Müll? Wie weit reist eine Jeans, bis sie bei uns im Kleiderschrank liegt? Wer verdient daran, wenn wir einen Hamburger essen? Wer an einer Führung teilnehmen möchte, kann eine E-Mail an weltbewusst-lg@janun.de schicken oder unter (04131) 2472831 anrufen.