Dienstag , 27. Oktober 2020
Ein Blick in die Baumstraße. Die Herberge möchte hier eine Außenstelle einrichten. Das sehen Anwohner mit Sorge. (Foto: t&w)

Kritischer Blick auf neue Nachbarn

Lüneburg. Bewohner der Baumstraße sind in Sorge, weil der Lebensraum Diakonie dort Wohnungslose unterbringen will. Rund 40 Nachbarn kamen jetzt zusammen, um darüber zu diskutieren. Eine der Beteiligten betont: Es gehe nicht darum, gegen Menschen in Not Stimmung zu machen. „Aber wir haben an der Straße auf einer Länge von rund 180 Metern bereits drei Häuser mit problematischen Mietern. Wir befürchten, dass die Straße schlicht überfordert ist, alle zu integrieren.“ Man habe sich an die Stadt und den Trägerverein gewandt, aber noch keine befriedigenden Antworten bekommen: „Wir wünschen uns eine Anwohnerversammlung.“

Wie berichtet, will der Verein in Zusammenwirken mit dem Eigentümer ein ehemaliges Ballettstudio in Wohnraum umwandeln. Anwohner haben gehört, dass es um 15 Plätze gehen soll. Der Hintergrund: Die Herberge läuft über. Menschen, die in der sogenannten Gefahrenabwehr (Gefa) leben, droht ein Leben auf der Straße. Parallel besteht der stationäre Bereich, Klienten sind schon gefestigter. Für die Gefa sollte der Verein, vertraglich geregelt mit der Stadt, 35 Menschen aufnehmen, doch seit Monaten geht die Zahl immer wieder auf bis zu 50 Personen hoch. Oft sind es Drogen- oder Alkoholabhängige, auch psychisch Kranke – keine einfache Mischung. Weil die Mitarbeiter an ihre Grenzen kommen, haben sie Überlastungsanzeigen erstattet. Alles in allem finden in der Herberge am Kalkberg rund 100 Frauen und Männer eine Bleibe.

Entscheidung liegt beim Trägerverein

Sozialdezernentin Pia Steinrücke und Vereinsgeschäftsführer Michael Elsner wollen die Unterbringung entzerren. Ein Baustein ist die Baumstraße. Die Dezernentin sagt: „Wir haben mit den Anwohnern gesprochen und nehmen die Sorgen ernst. Allerdings liegt die Entscheidung für diesen Standort nicht bei der Stadt, sondern beim Lebensraum Diakonie. Der Verein hat die Initiative für diesen Standort ergriffen und ist dort Mieter. Ein entsprechender Bauantrag für die Umbaumaßnahmen hat der Eigentümer uns vorgelegt. Diesen – dazu sind wir verpflichtet – werden wir nach Recht und Gesetz bearbeiten.“

Auch die Stadtverwaltung hat beim Standort Bedenken

In Vorgesprächen mit Verantwortlichen des Vereins habe die Stadt allerdings Bedenken zum gewählten Standort deutlich gemacht und den Träger aufgefordert, „die Unterbringung in der Baumstraße konzeptionell so zu gestalten, dass ein Zusammenleben mit der Nachbarschaft gut funktionieren kann. Dazu gehört aus unser Sicht, dass hier nur Wohnungslose untergebracht werden können, die bereit sind, sich an die Regeln des Zusammenlebens zu halten.“

Auch Elsner hat mit Anwohnern Kontakt gehabt, er sagt zu möglichen neuen Nachbarn: „Es geht um Leute, die nach diesem Schritt in eine eigene Wohnung ziehen sollen. Die Bewohner werden betreut, wir haben ein Büro im Haus.“ Vorstellen möchte er die Ideen im November. Gemeinsam mit Pia Steinrücke will er zu einer Anwohnerversammlung einladen: „Den Termin geben wir rechtzeitig bekannt.“

Von Carlo Eggeling