Samstag , 26. September 2020
Politiker aus dem Lüneburger Rat und der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols (Bildmitte) trafen sich mit Mitgliedern des Luftsportsportvereins auf dessen Gelände im Industriegebiet Hafen, um sich über die Zukunft des Flugplatzes auszutauschen. (Foto: t&w)

Geht da doch noch was?

Lüneburg. Hat der Lüneburger Flugplatz noch eine Zukunft über den bis Oktober 2020 laufenden Betreibervertrag hinaus? Ausloten wollte das der Luftsportverein Lüneburg (LVL). Deshalb hatte er Vertreter der Stadtratsfraktionen zu einem Gespräch auf sein Gelände eingeladen. Die Reaktionen aus der Politik sind unterschiedlich.

LVL-Vorsitzender Richard Meier ließ die vergangenen 30 Jahre Revue passieren. Er erinnerte daran, dass die niedersächsische Landesluftfahrtbehörde 1995 der Stadt auf deren Antrag die Erlaubnis und den Betrieb eines Sonderlandeplatzes erteilt hatte. Im Vorfeld habe die Stadt mit dem LVL einen Betreibervertrag abgeschlossen, der die Verpflichtung erhielt, alles für den Flugbetrieb erforderliche zu übernehmen. Seither habe der Verein das für den Flugbetrieb erforderliche Personal gestellt, den Flugplatz gewartet und versichert. Im Gegenzug dafür habe der Verein das Gelände als Sportstätte genutzt, betont Meier.

Der LVL-Chef erinnerte auch daran, dass die Stadt 2008 die Landebahn mit knapp einer Millionen Euro habe ausbauen wollen. Die Steuerwächter aber intervenierten. Da die Landebahn marode war, sanierte der Verein sie aus eigenen Mitteln und unter Einsatz der Mitglieder. Bleibe es nun dabei, dass der Betreibervertrag, wie von der Ratsmehrheit 2014 beschlossen, 2020 auslaufe, bedeute das das Ende des Flugvereins mit 70-jähriger Tradition. Und er gab der Politik auch zu bedenken, dass sich inzwischen viele vom Aussterben bedrohte Arten auf dem Gelände angesiedelt hätten, die Stadt dort auch inzwischen Ausgleichsflächen angelegt hätte.

Grüne und SPD tendieren zu einem Ende des Luftsports

Für Klaus-Dieter Salewski (SPD) hat das Gespräch keine neuen Argumente ergeben. Deshalb gilt für ihn weiter der Ratsbeschluss ohne Einschränkung. Eine Meinung die Ulrich Blanck (Grüne) teilt. „Eine Mehrheit für eine Verlängerung ist nicht absehbar.“ Auch Jens-Peter Schultz (SPD) verweist auf den Ratsbeschluss. Der Verein leiste jedoch auch gute Jugendarbeit, und es sei nie Bestreben der Politik gewesen, Vereine aufzulösen. Deshalb solle man prüfen, so lange es noch keine konkreten Konzepte inklusive Bebauungsplan für eine künftige Nutzung gebe, ob es nicht die Möglichkeit einer zeitlich begrenzten Vertragsverlängerung geben könnte.

Der CDU-Stadtverband sei pro Flugplatz, „denn er ist auch wichtig für Gewerbetreibende, und der Luftsportverein leistet gute Jugendarbeit“, sagt Wolfgang Goralczyk. Allerdings werde das Thema in der Fraktion kontrovers diskutiert mit Blick darauf, dass einige Bürger die Lärmbelästigung kritisieren. Aus Sicht des CDU-Ratsherren sollte der Verein einen Antrag auf Verlängerung stellen, „aber wir befürchten, dass es keine Ratsmehrheit dafür geben wird“.

Ringen um jeden Quadratmeter

Die Linke ist der Meinung, dass ein so großer Flächenbedarf wie der des Luftsportvereins in Anbetracht der geringen Zahl der dort Aktiven kritisch zu sehen ist, da man in Lüneburg um jeden Quadratmeter für Gewerbe – das die Stadt dort anzusiedeln plant – und vor allem für Wohnen ringen müsse, macht Michèl Pauly deutlich. „ Gleichzeitig haben wir uns die ökologischen, ökonomischen und sportpolitischen Argumente des LVL angehört und werden diese gewichten.“ Die Frage sei, ob es in Anbetracht von Frischluftschneisen und ökologischen Nutzen nicht sinnvoll sei, die Flächen dem Verein vorübergehend weiter zur Pacht zur Verfügung zu stellen. „Wir werden auch prüfen, ob die Start- und Landebahn selbst Teil einer gemischten Nutzung des Areals sein und bleiben kann, etwa zusammen mit Freiluft-Veranstaltungsflächen oder auch dem Leistungsfußball.“

Aus der Diskussion hat die AfD mitgenommen, dass das Gelände derzeit nicht dringend benötigt werde für Gewerbeansiedlung. Eine Bebauung würde aus Artenschutzgründen zudem sicher schwierig, meint Robin Gaberle. „Deshalb sehen wir zurzeit keinen Grund, dass der Flugplatz nicht erhalten bleibt. Zumal künftige Schlüsseltechnologien, wie Flugtaxis oder Logistikdrohnen einen Stützpunkt hätten, die Lüneburg auch in der Zukunft attraktiv machen könnten.“

Pols würde Entscheidung dem nächsten Rat überlassen

An dem Gespräch nahm auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols teil. Aus seiner Sicht ergibt die Entwicklung von Gewerbe an dem Standort erst Sinn, wenn frühestens in zehn Jahren die Bundeswehr Flächen der Theodor-Körner-Kaserne zur zivilen Nutzung abgeben kann. „Dann hätte die Stadt eine große zusammenhängende Fläche und kein Klein-Klein. Zudem ist auch die Planfeststellung zur A 39 abzuwarten.“ Verwunderlich sei, dass die Grünen mit der SPD ein ökologisch wertvolles Areal für die Bebauung freigeben wollen. Er schlägt vor, dass der neue Rat nach der Kommunal- und Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2021 über die Entwicklung der Fläche entscheiden sollte.

Von Antje Schäfer