Samstag , 19. September 2020
Winterfest gemacht wird derzeit die Baustelle auf dem Bardowicker Nikolaihof. Dort lässt die Stadt Lüneburg als Verwalterin das Herrenpfründnerhaus sanieren. Foto: t&w

Ein Kleinod für Bedürftige

Bardowick. Bevor Frost und Schnee Einzug halten, haben Maurer und Zimmermänner auf dem Nikolaihof noch alle Hände voll zu tun. Sie machen die Baustelle am sogenannten Herrenpfründnerhaus winterfest: Mauerwerk, Fachwerk und Dachtragwerk des im 14. Jahrhundert errichteten Gebäudes setzen die Handwerker instand. Wenn die Außenarbeiten erledigt sind, geht es während der kalten Jahreszeit im Inneren weiter.

„Die aktuellen Arbeiten sind Teil der Komplettsanierung“, berichtet Suzanne Moenck, Sprecherin der Stadt Lüneburg. Die Hansestadt verwaltet die Stiftung Hospital St. Nikolaihof, in deren Besitz sich das historische Gebäude-Ensemble aus dem Mittelalter auf Bardowicker Boden befindet. Es ist das am besten erhaltene mittelalterliche Lepra-Hospital im deutschsprachigen Raum, ein außergewöhnliches Kleinod im Herzen des geschichtsträchtigen Domfleckens.

Bis 2013 war das Herrenpfründnerhaus noch bewohnt. Dessen Sanierung begann im vergangenen Jahr und orientiert sich an Vorgaben der Denkmalpflege. „In dem alten Gebäude waren bislang zwei Wohnungen untergebracht“, sagt Suzanne Moenck. Nach der Renovierung sollen diese dann erneut bezugsfertig sein. „Wir richten wieder zwei Wohnungen für bedürftige Menschen ein“, erklärt sie. Denn bezahlbaren Wohnraum in dem Gebäude zu schaffen, ist im Stiftungszweck der Eigentümerin verankert.

Kleiner Ausstellungsraum im Herrenpfründerhaus?

Doch möglicherweise erhält das Haus darüber hinaus noch einen kleinen Ausstellungsraum. „Die Stadt kann sich vorstellen, einen solchen einzurichten, um die historische Fußbodenheizung des Gebäudes zu zeigen“, so die Stadtsprecherin. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen, noch laufen Gespräche zwischen der Stiftungsverwaltung, dem Landkreis Lüneburg als Bauaufsichtsbehörde und der Denkmalpflege darüber, ob die Idee am Ende wirklich in die Tat umgesetzt werden kann.

Wie berichtet, wurde im Herrenpfründnerhaus bei den vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung überraschend eine gut erhaltene Heißluftheizung aus dem Mittelalter gefunden. Die Experten waren erstaunt. Denn solche Anlagen waren ein Heizsystem, das sich im 14. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Backsteins verbreitet hatte und vornehmlich in Klöstern und wohlhabenden Bürgerhäusern betrieben wurden.

Bund und Land Niedersachsen fördern das Projekt zu 50 Prozent

Im Fußboden des Erdgeschosses fanden Architekten und Handwerker Lochsteine, die mit Messing- oder Tondeckeln zugehalten wurden. Wurden sie geöffnet, strömte die warme Luft einer Brennkammer im Keller durch Röhren in den Wohnbereich. Es war für die Menschen seinerzeit nicht nur die Möglichkeit, rauchfrei ihre Stube zu heizen, sondern purer Wohn-Luxus.

„Der Fund der mittelalterlichen Heizung veränderte den Zeitplan bei den Arbeiten um mehrere Monate“, sagt Suzanne Moenck. Die Gesamtkosten der Renovierung beziffert sie mit rund 900.000 Euro. Bund und Land Niedersachsen fördern das Projekt zu 50 Prozent mit Mitteln aus dem Topf der Städtebauförderung. Die Sanierung soll Moenck zufolge voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres abgeschlossen sein. Dann können wieder Bewohner in das Herrenpfründnerhaus einziehen. Um den Zeitplan tatsächlich einzuhalten, ist es wichtig, das historische Gebäude nun rechtzeitig winterfest zu bekommen.

Von Stefan Bohlmann