Dienstag , 29. September 2020
1953 wurde das Netzwerk „Schule-Wirtschaft“ in Lüneburg gegründet. Zum Geburtstag gibt es eine Ludwig-Erhard-Ausstellung im Museum. Darauf freuen sich die Schülerinnen Lee Schröter (l.) und Mandy Edelstein, Renate Peters vom Arbeitgeberverband und Uwe Wegener, Schulleiter der Oberschule am Wasserturm. Foto: t&w

Was kommt nach der Schule?

Lüneburg. Längst ist es eine zentrale Aufgabe von Schule, in allen Fächern die Berufsorientierung voranzutreiben, Jugendlichen schon frühzeitig ihre Perspektive n aufzuzeigen. Renate Peters vom Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen hört immer wieder, dass viele Schulen mit dieser Aufgabe überfordert sind.

„Die meisten Lehrer haben nicht unbedingt Wirtschaft studiert, ihnen fehlen Eindrücke aus dem Unternehmertum“, sagt sie. Deshalb sei es wichtig, die Schulen mit Firmen aus der Region zusammenzubringen und so auch Vorurteile abzubauen.

Netzwerk war eines der ersten in Niedersachsen

Dieser Aufgabe hat sich der Arbeitskreis „Schule-Wirtschaft“ verpflichtet, der in Lüneburg 1953 als einer der ersten in Niedersachsen gegründet wurde. Dem Netzwerk, es feiert am 30. Oktober sein 65-jähriges Bestehen, gehören inzwischen 29 weiterführende Schulen aus Stadt und Landkreis an.

Den Geburtstag nimmt der Arbeitskreis zum Anlass für eine Karikaturen-Ausstellung im Wasserturm. Seit Dienstag sind dort auf der dritten Ebene 50 Zeichnungen aus deutschen Zeitungen zu sehen, die sich mit Ludwig Erhard beschäftigen. Schulklassen müssen keinen Eintritt zahlen, die Friedrich-Naumann-Stiftung übernimmt die Kosten.
Uwe Wegener, Direktor der Oberschule am Wasserturm und gleichzeitig Leiter des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft, hält es für wichtig, dass sich Schüler mit einem Mann wie Ludwig Erhard auseinandersetzen.

„Er gilt als eine der zentralen Figuren in puncto Soziale Marktwirtschaft.“ Im Sinne dieses Wirtschaftsmodells, das unter anderem größtmöglichen Wohlstand für alle Menschen vorsieht, sei es wichtig, dass Eltern, Schulen und Unternehmen gemeinsam nachhaltige Maßnahmen entwickeln. „In Zeiten eines gravierenden Fachkräftemangels und hoher Abbrecherquoten sind alle gefordert“, sagt Uwe Wegener.

Auch Pädagogen absolvieren Praktika in den Firmen

Schule-Wirtschaft leistet in diesem Bereich seit vielen Jahren einen Beitrag, etliche Schulen in der Region haben bis zu sechs Unternehmen als Partner an ihrer Seite. Praktika, Praxistage, Betriebsbesichtigungen, Bewerbungstraining oder Fachkräfte, die in den Unterricht kommen, sind nur einige Beispiele dieser Kooperation. Es geht aber auch um einen Austausch: Regelmäßig treffen sich Pädagogen, die an weiterführenden Schulen unterrichten, Berufsberater der Agentur für Arbeit und Unternehmensvertreter, um über die regionale Wirtschaft, Ausbildungsanforderungen und Ausbildungsmöglichkeiten zu sprechen.

Ebenso würden Lehrkräfte aber auch selbst Praktika in Firmen absolvieren, „um zu sehen, was in manchen Sparten passiert“, sagt Wegener. „Sonst kann man gar nicht am Ball bleiben.“ Der Druck nehme seit Jahren zu, auch weil sich Eltern immer weniger um das Thema Berufsorientierung kümmern, die Aufgabe quasi der Schule zuschieben würden.

„Das merken wir auch“, sagt Mandy Edelstein (16), die dafür aber eine einfache Begründung hat. „Für viele Eltern ist es lange her, dass sie Bewerbungen schreiben mussten.“ Die Zehntklässlerin möchte aufs Gymnasium wechseln, sie hat ein Ziel vor Augen: Nach ihrem Abitur würde sie gern Jura studieren und Anwältin werden. Das Feedback, ob sie das schaffen kann, würde sie sich eher an der Schule einholen. „Ich glaube, meine Lehrer können das eher einschätzen.“

Von Anna Paarmann

Quiz zur Ausstellung

Preis für die beste Klasse

40 Schüler der Oberschule am Wasserturm haben im Geschichtsunterricht ein Quiz und einen Klassentest ausgearbeitet. Die Fragebögen sollen von den Schülergruppen ausgefüllt werden, die die Ausstellung besuchen. Der spielerische Aspekt soll dazu beitragen, dass sich die Jugendlichen mit den Karikaturen, dem Leben und Wirken von Ludwig Erhard auseinandersetzen. Die Klasse, die am besten abschneidet, kann sich über einen Ausflug nach Hannover freuen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers begleitet die Schüler ins Landtagsgebäude.

Schulklassen, die die Ausstellung besuchen möchten, können sich per E-Mail an rpeters@av-lueneburg.de anmelden. Einzelpersonen können einfach so vorbeikommen, müssen allerdings Eintritt zahlen.