Samstag , 19. September 2020
Auch das Umfeld des Bardowicker Domes gehört zu den „zentralen Versorgungsbereichen“, die Gegenstand der neuen Städtbauförderung sind. Insgesamt ist der Bereich 22 Hektar groß. Foto: Boldt

Mitten ins Herz

Bardowick. Ein rund 22 Hektar großes Gebiet im Domflecken Bardowick ist jetzt erfolgreich in das Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilszentren“ au fgenommen worden, das teilt das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Lüneburg mit. Damit stehen der Gemeinde Bardowick in den nächsten zehn Jahren insgesamt 4,34 Millionen Euro zur Verfügung, um zentrale Bereiche im Altdorf im Sinne der Bevölkerung aufzuwerten. Teile des sogenannten Sanierungsgebiets „Altdorf Nord-West“ sind die Bereiche rund um die Geschäftsmeile Pieperstraße, Große Straße, das Umfeld des Domes, der Bereich „Am Markt“ und der Festplatz „Hinter der Worth“. Um Ärger mit den Grundstückseigentümern zu vermeiden, wie ihn zuletzt die Gemeinde Reppenstedt mit ihrem Sanierungsgebiet hatte, geht Bardowick einen anderen Weg.

„Die Städtebauförderung trifft den Flecken Bardowick mitten ins Herz“, erklärte Landesbeauftragte Monika Scherf und Chefin des ArL anlässlich des Aufnahmebescheids. Damit es aber nicht zu Herzschmerzen kommt, haben sich die Bardowicker Politik und Verwaltung dazu entschlossen, ein vereinfachtes Verfahren durchzuführen. Bardowicks stellvertretender Gemeindedirektor Arndt Conrad sagt dazu auf LZ-Nachfrage: „Wir sind gerade in Vorbereitung der Sanierungssatzung. In diesem Rahmen werden wir als Gemeinde auf bestimmte Eingriffsrechte verzichten, so dass wir keine Sanierungsvermerke in den Grundbüchern der Grundstückseigentümer benötigen.“

Eingriff in Grundbücher soll vermieden werden

Genau solche Vermerke hatten in der Gemeinde Reppenstedt für großen Unmut gesorgt, nachdem sie in das gleiche Förderprogramm aufgenommen worden war. So sollten Hauseigentümer beispielsweise bei der Gemeinde erst um Erlaubnis bitten, wenn sie Umbauten an ihren Gebäuden planten. Erst nach einem bemerkenswerten Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg war Reppenstedt zurückgerudert und schwenkte jüngst ebenfalls in ein vereinfachtes Verfahren ein und ließ die verhassten Sanierungsvermerke aus den Grundbüchern wieder löschen.

Wie Reppenstedt hat nun auch Bardowick in verschiedenen Voruntersuchungen „städtebauliche Missstände“ ausgemacht, die mit Hilfe der Bundes- und Landesförderung angegangen werden sollen. So sollen die zentralen, historisch gewachsenen Versorgungsbereiche im Altdorf besser vernetzt werden, beispielsweise mit dem Bau neuer Fuß- und Radwege. „Verbesserungen sind auch bei den zerstreut verteilten Stellplatzanlagen vorgesehen. Ferner sollen Leerstände beseitigt und die Aufenthaltsqualität verbessert werden, unter anderem auch durch Aufwertung der vorhandenen Grünanlagen“, teilt das ArL in der Presseerklärung mit.

Einzelhandelsruine und andere Missstände

Und weiter heißt es: „Der Flecken strebt zudem an, die in der Großen Straße leerstehende desolate Einzelhandelsruine zu beseitigen und das Gelände neu zu nutzen.“ Gemeint ist der ehemalige, seit Jahren leerstehende Sparmarkt. Und weiter: „Als städtebaulicher Missstand ist ebenfalls die seit längerer Zeit geschlossene Domschänke eingestuft.“ Zu beiden Projekten wollte sich Conrad auf LZ-Nachfrage nicht weiter äußern, sagte nur so viel: „Wir sind in Gesprächen.“

Gespräche soll es bald auch mit den Grundstückseigentümern geben. Laut Conrad ist am 22. November ein Infoabend geplant. Derweil schaue sich der Flecken auf Grundlage eines bereits im vergangenen Jahr erstellten Entwicklungskonzepts an, „welche Maßnahmen besonders wichtig sind, damit wir eine entsprechende Rahmenplanung anschieben können“, sagt Conrad. Parallel werde per Ausschreibung nach einem Büro gesucht, das als Sanierungsträger die Gemeinde beratend durch den Prozess der Städtebauförderung begleiten wird.

Von Dennis Thomas