Montag , 21. September 2020
Ulrike Burmester wurde am 14. Mai 1969 vergewaltigt und ermordet. War Kurt-Werner Wichmann der Täter? (Foto: Archiv)

Der Tod einer Schülerin

Lüneburg. Der Fall des mutmaßlichen Serienmörders Kurt-Werner Wichmann beherrscht die Medien: Nachdem die LZ über einen überraschenden Waffenfund berichtet hat, greifen Zeitungen und Fernsehsender den Fall erneut auf. Und nun gibt es eine neue Verbindung zu einem Mord, für den auch Wichmann als Täter infrage kommen könnte. Ulrike Burmester verschwand am 14. Mai 1969, zwei Wochen später wurde ihre Leiche an der Elbe bei Drage gefunden.

Bei der LZ hat sich eine Lüneburgerin gemeldet. Sie sagt: „Ich habe mit Ulrike am Tag ihres Todes zusammengesessen. Sie ist von mir aus zur Nachhilfe geradelt. Dann wollte sie nach Hause nach Adendorf. Ich habe sie noch gefragt, hast Du keine Angst durch den Wald zu fahren? Sie sagte: ,Ich weiß schon, was ich dann mache.‘ Und dann habe ich danach gehört, dass sie verschwunden und tot ist. Das kann ich nicht vergessen.“

Die Lüneburgerin hatte damals im Medizinaluntersuchungsamt mit der Schwester Ulrikes zusammengearbeitet. „Wir waren im Labor, haben uns unterhalten. Meine Kollegin Katrin sagte, dass ihre Schwester Ulrike Emailleschmuck mache. Für Schmuck habe ich mich auch interessiert.“ So trafen sich die Frau und das Mädchen am Nachmittag des 14. Mai vor 49 Jahren in der Wohnung der Lüneburgerin Im Tiefen Tal. Wahrscheinlich ist Ulrike mit ihrem Rad dann an den Sülzwiesen vorbei den Ochtmisser Kirchsteig hinauf zur Nachhilfestunde auf dem Kreideberg gefahren.

Ulrikes Vater arbeitete für Friedhofsverwaltung

Die Lüneburgerin erzählt ein Detail, das eine mögliche Verbindung zu Kurt-Werner Wichmann herstellen könnte: Der Mann, der sich 1993 das Leben nahm, hat als Friedhofsgärtner gearbeitet, Ulrikes Vater habe für die Friedhofsverwaltung gearbeitet. Möglich also, dass die Männer sich kannten, möglich, dass die damals 14-Jährige Wichmann über ihren Vater kennengelernt hatte und deshalb arglos war, wenn er sie auf ihrem Weg nach Adendorf angesprochen haben sollte.

Wie berichtet, hat die Lüneburger Polizei eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, die sich mit dem Schicksal der Schülerin befasst. Zwar ermitteln die Beamten in alle Richtungen, wie es heißt, doch Wichmann kommt als möglicher Mörder und Vergewaltiger infrage.

Er ist wegen Sexualdelikten aufgefallen, wird verurteilt, weil er 1970 eine Anhalterin vergewaltigte, sie niederschlug, in den Kofferraum seines Autos sperrte und mit der 17-Jährigen zur Baustelle des Elbe-Seitenkanals fuhr. Das Mädchen fand im Kofferraum einen Klappspaten, mit dem es Wichmann schlug, als er den Kofferraum öffnete. Die Jugendliche konnte ihn schließlich überreden, sie laufen zu lassen.

Die LZ gab diese neue Information an die Polizei weiter. Von dort hieß es dazu: „Wir gehen dem nach.“

Von Carlo Eggeling