Donnerstag , 22. Oktober 2020
Die Chemie stimmt, doch näher mochten sich Geschäftsführer Ulrich von dem Bruch (l.) und Minister Bernd Althusmann an der Kusshaltestelle in der Alten Reithalle in Soltau doch nicht kommen. (Foto: dth)

Wechselhafte Feier für Heide-Gesellschaft

Soltau. Trotz der Feierstimmung hätte Ulrich von dem Bruch auch zum Heulen zumute sein können. Der Dürresommer hat nicht nur die Heideblüte, sondern auch die Tourismussaison in der Region darben lassen. „Die ersten Prognosen sprechen von einem Rückgang von bis zu 30 Prozent“, sagte der Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH bei einer Feierstunde in Soltau. Anlass war der 10. Geburtstag der regionalen Tourismusagentur, bei der von dem Bruch sein Grinsen wieder fand.

Vor rund zehn Jahren hatte die Lüneburger Heide GmbH ihre Arbeit als neue Dachmarke und Tourismusagentur in der Lüneburger Heide aufgenommen. Aus der Taufe gehoben hatten sie die Kreise Lüneburg, Uelzen, Soltau-Fallingbostel (heute Heidekreis) und Harburg, die Städte Lüneburg und Celle und der Wirtschaftsverein „HeideWorld“.

Ein Gutachten hatte der Tourismusregion bescheinigt, sollte sie so weitermachen wie bisher, würde sie über das Jahr 2015 hinaus nicht mehr existieren, blickte von dem Bruch zurück – um fortzufahren: „Wir sind noch da.“ Und das sei eben der Gesellschaft zu verdanken. Im Vergleich zu anderen Urlaubsdestinationen weise die Heide „die höchste Wachstumsdynamik“ auf, hob später auch Wirtschaftsminister Bernd Althusmann in seiner Festrede hervor.

Magische Grenze längst geknackt

Althusmann gratulierte zu einer „zehnjährigen Erfolgsstory“, in der die Übernachtungszahlen in der Region insgesamt um 9,4 Prozent gesteigert wurden und damit über die magische Marke von jährlich fünf Millionen Übernachtungen. Der Tourismus als Wachstumsbranche in Niedersachsen, mit rund 293 000 Beschäftigten, sei auch ein entscheidender Faktor bei der weiteren strategischen Entwicklung der Wirtschaft insgesamt, auch mit Blick auf die Digitalisierung.

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung beklagte sich von dem Bruch, dass die Datenschutzgrundverordnung Online-Marketing massiv erschwere, ebenso das Erfragen der Kundenmeinung. Althusmann räumte ein: „Unzweifelhaft schießen wir beim Datenschutz über das Ziel hinaus, weil wir uns von einem alten Bild des Datenschutzes lenken lassen.“ An das Publikum gerichtet fuhr er fort: „All Ihre Daten haben Amazon oder Google längst. Die wissen, wie Sie heißen, die wissen in aller Regel auch, wo Sie wohnen und wo Sie, durch einen Algorithmus hochgerechnet, als nächstes Urlaub machen werden. Hoffentlich kommt dabei Niedersachsen und die Lüneburger Heide raus.“ dth