Dienstag , 20. Oktober 2020
Glatt, kalt, aber pflegeleicht: Gräber wie dieses können künftig auch auf dem Waldfriedhof angelegt werden. Diese Regelung gilt zunächst von Januar an für zunächst 18 Monate. Foto: us

Bald ein „Friedhof des Grauens“?

Lüneburg. „Diese Entscheidung hat Konsequenzen, der Friedhof wird ein anderer werden.“ Es war Stadtbaurätin Heike Gundermann, die deutlich machte, dass eine Außerkraftsetzung der Gestaltungsrichtlinien für den Waldfriedhof nicht folgenlos bleiben werde – überraschend, schließlich kam der Vorschlag aus der Verwaltung. Doch ihre leise vorgetragenen Zweifel an der Sinnhaftkeit des Vorhabens trugen nicht, am Ende stimmte der Umweltausschuss des Rates dem Vorschlag mehrheitlich zu. Und überraschte damit erneut.

„Ich tue mich schwer damit, der Gesamtcharakter des Friedhofs würde leiden“, sagte Stefan Minks (SPD) zu den Plänen. Ausnahmen sollten, wenn überhaupt, auf wenige Teilbereiche reduziert werden, „schließlich bleiben die dann neu angelegten Gräber für 25 bis 30 Jahre bestehen“.

Lücken zu schließen, ist das Ziel der Verwaltung

Man werde „sehr sensibel“ damit umgehen und darauf achten, dass nicht drei „problematische Gräber“ nebeneinander liegen, versicherte Lüneburgs Grünplanerin Uta Hesebeck. Ziel sei es, Lücken auf dem Friedhof zu schließen.

Wie berichtet, stammt die Idee zur Aussetzung der Grabfeldrichtlinie aus einer Arbeitsgruppe, die sich aus Steinmetzen, Bestattern und anderen am Friedhofswesen Beteiligten zusammensetzt. Von ihrer Idee versprechen sie sich eine Attraktivitätssteigerung für den Waldfriedhof dergestalt, dass künftig auch Gräber angelegt werden können, die nicht mehr dem besonderen Charakter des Waldfriedhofs entsprechen müssen. Die Verwaltung griff die Anregung auf.

Minks war nicht der einzige, der den Plänen kritisch gegenüberstand. Auch die Ausschussvorsitzende Hiltrud Lotze (SPD) zeigte sich von dem Vorhaben wenig angetan: „Ich sehe hier Zustimmung und Unbehagen. Letzteres teile ich.“ Der Waldfriedhof spreche Menschen an, die sich genau diese Art der Gestaltung wünschten. Wer anderes wolle, habe dazu auf den anderen sechs städtischen Friedhöfen Gelegenheit. Ihr Vorschlag: den Beschluss vertagen und zunächst einen Ortstermin einplanen.

„Ich finde die Überlegung nicht unsympathisch“

Damit drang sie nicht durch, denn der Vorschlag kam bei den Grünen durchweg positiv an: „Ich finde die Überlegung nicht unsympathisch“, sagte Ralf Gros.„Es kann nicht schlimmer kommen, als es auf anderen Friedhöfen schon ist.“ Auch Dr. Monika von Haaren (Grüne) sprach sich dafür aus, die Gestaltungsrichtlinie für vorerst 18 Monate auszusetzen: „Ich finde es gut, neue Bedarfe zu ermitteln.“ Der Waldfriedhof entspreche nicht mehr der „heutigen Trauerkultur“. Die Verwaltung verdiene hier auch mal einen „Vertrauensvorschuss“.

Auch Lisa Apking (Linke) begrüßte den Vorschlag, man solle das „mal ausprobieren“ und Daten sammeln.

Auf die Tube drückte Frank Soldan (FDP). Mit den Worten „Entweder ganz oder gar nicht“ lehnte er die Vorschläge aus der SPD-Ecke ab. Ihn störte auch nicht der Hinweis von Minks, dass nach Außerkraftsetzung auch bestehende Gräber umgestaltet werden können.

Lieber die Beratung vor Ort verstärken

Als „Friedhof des Grauens“ bezeichnete Nabu-Vertreter Thomas Mitschke die Pläne der Verwaltung. Statt Gräber mit großformatigen Grabplatten oder weißen Kieselsteinen zuzudecken, sollten „die Menschen vor Ort besser beraten werden“. Er lehnte das Vorhaben ab.

„Trauerbewältigung kann nicht mit Verboten funktionieren“, entfuhr es einem von der Diskussion sichtlich genervten Rainer Mencke (CDU). Er warnte: „Wenn nur noch Baumgräber angelegt werden, kippt uns der Friedhofsetat um.“ Außerdem solle man die Bewertung „den Gewerken überlassen, die Ahnung davon haben“.

Heike Gundermann erinnerte daran, „dass unsere Friedhöfe auch internationaler werden“. Sie wolle die Umsetzung dem neuen Friedhofsmanager überlassen, der zu Jahresbeginn antreten werde. Am Ende wurde der Vorschlag gegen zwei Nein-Stimmen der SPD und eine Enthaltung der SPD angenommen.

Von Ulf Stüwe

https://www.landeszeitung.de/a/31422-waldfriedhof-soll-bunter-werden