Dienstag , 22. September 2020
Staus auf der B¿404 gehören zum Alltag, denn die Elbquerung bei Geesthacht ist ein Nadelöhr. (Foto: tja)

Kampf gegen den Dauerstau

Marschacht. Rolf Roth hat das zweifelhafte Vergnügen, fast jede Verkehrsstörung im Hamburger Süden beobachten zu können. Vor seinem Bürofenster im Rathaus an der Elbuferstraße in Marschacht stauen sich regelmäßig die Autos. „Sobald irgendwo auf einer Autobahn beziehungsweise einer anderen vielbefahrenen Straße gebaut wird, merken wir das sofort bei uns in der Elbmarsch. Auch wenn Ferien beginnen oder enden, wirkt sich das bei uns aus“, sagt Roth (SPD), Bürgermeister der Samtgemeinde Elbmarsch.

Grund dafür ist die Elbquerung auf der Bundesstraße 404 bei Geesthacht. „Die Brücke ist ein Nadelöhr. Sie muss neben dem ohnehin schon starken täglichen Pendlerverkehr nach Hamburg über die A 25 auch noch den Verdrängungsverkehr von anderen Strecken wie etwa der A 39 aufnehmen, sodass sich bei uns fast täglich kilometerlange Rückstaus bilden.“ Eine Belastung für Anwohner und ausgebremste Pendler gleichermaßen. Die Brücke, die 1966 als Verbindung zur Großstadt gebaut wurde, ist seinen Worten zufolge der Belastung längst nicht mehr gewachsen.

Die angespannte Situation in der Elbmarsch wird bei einem Verkehrsgipfel ein Thema sein, an dem der niedersächsische Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) und der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), mit den Verwaltungschefs von Kreis und Kommunen im Landkreis Harburg am Freitag ab 17 Uhr im Kreishaus in Winsen/Luhe zusammentreffen.

Ruf nach einer S-Bahn-Anbindung

Eine schnelle straßenbauliche Lösung für die B 404 sieht Roth nicht. „Helfen kann aber, die Schieneninfrastruktur auszubauen“, sagt er. Eine S-Bahn-Anbindung von Hamburg bis Winsen könnte für die Elbmarsch hilfreich sein. „Das wäre eine schnelle Lösung, die aber voraussetzt, dass die S-Bahn mit Bussen zu erreichen ist. Auch müssen die Tarife angepasst werden, um einen vernünftigen Übergang ins Hamburger Netz hinzubekommen.“

Sein Amtskollege Heiner Luhmann (CDU) von der benachbarten Samtgemeinde Bardowick unterstützt Roth bei der Forderung. Denn auch aus den Orten der Samtgemeinde Bardowick pendeln viele jeden Tag zur Arbeit nach Hamburg. „Mein Wunsch ist, dass eine S-Bahn von Hamburg bis mindestens zum Bardowicker Bahnhof gebaut wird mit direkten Busanbindungen aus den Orten an die S-Bahn-Haltepunkte“, so Luhmann. Insgesamt müsse der ÖPNV attraktiver werden, um die Menschen zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn zu bewegen. „Ein einheitliches Marketing und attraktive Fahrpreise können diesen Anreiz bewirken.“ Ohne Förderung von Bund und Ländern sei das nicht möglich.

Als Sofortmaßnahme rücken die Fahrzeiten des Metronoms von Uelzen nach Hamburg in den Fokus von Roth und Luhmann. Die Takte müssten verkürzt und die Züge verlängert werden. „Ein 20-Minuten-Takt sollte das Ziel sein“, unterstreicht Luhmann. „Und passend ausgebaute Bahnsteige, damit die verlängerten Züge auch halten können“, sagt Roth.

Pedelecs und E-Scooter für längere Strecken

Die Grünen in der Elbmarsch sind auf der gleichen Linie. „Nur die konsequente Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf die Schiene oder das Fahrrad können die Verkehrsprobleme im Süden Hamburgs lösen“, ist die Fraktionsvorsitzende Dörte Land überzeugt. Mit der neuen Generation Pedelecs und E-Scootern ließen sich deutlich längere Strecken zurücklegen. Konkret fordern die Grünen deutliche Verbesserungen bei der Qualität, der Anschlusssicherheit und der Pünktlichkeit der bestehenden Bus- und Bahnverbindungen.

Doch nicht nur die Elbmarsch hat mit Verkehrsproblemen zu kämpfen. Auch in der Heide läuft es nicht rund. „Als wir den Termin für den Verkehrsgipfel vor über drei Monaten vereinbart hatten, ging es uns vor allem darum, die Verkehrssituation im Nordbereich der südlichen Metropolregion Hamburg zu verbessern“, sagt Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause.

Ein Kernproblem: „Wir haben täglich Stau ab dem Horster Dreieck in Richtung Hamburg, egal ob man über die A 7 zum Elbtunnel oder über die A 1 zu den Elbbrücken fährt. Das ist auch belastend für die umliegenden Orte“, sagt Krause. Er habe nicht die Erwartung, dass am Freitag beim Treffen sofort eine Lösung präsentiert wird, aber dass sich Landes- und Bundespolitik „mittelfristig ernsthaft darum bemühen“. Er gehöre daher zu denen, die die Einsetzung eines Verkehrskoordinators forderten.

Minister-Ankündigung

Konzept für Verkehrskoordinator

Im Vorfeld des regionalen Verkehrsgipfels in Winsen/Luhe hat die LZ Verkehrsminister Bernd Althusmann nach seinen Erwartungen gefragt. Althusmann: „Die Verkehrssituation im Süden Hamburgs stellt alle Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Hier ist es unabdingbar, im Sinne eines guten Verkehrsflusses zusammenzuarbeiten und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.“

Ein großes Interesse Niedersachsens liege darin, „alle Baumaßnahmen stärker als bisher zu optimieren und miteinander auch über Ländergrenzen hinweg zu koordinieren“. Althusmann will bei dem Treffen das Konzept eines niedersächsischen Baustellenkoordinators vorstellen. Ein weiteres Augenmerk werde auf die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs gelegt. Die Umsetzung des Bahnprojekts Alpha-E in Niedersachsen solle zusätzliche Kapazitäten im Personen- und Güterverkehr schaffen, so der Minister.

Von Stefan Bohlmann