Sonntag , 27. September 2020
David Amri hat genug von der Lokalpolitik, er zieht sich aus dem Rat zurück. Noch ist nicht klar, wer sein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender wird. (Foto: A/t&w)

David Amri verlässt den Stadtrat

Lüneburg. Nach nur acht Monaten erneuter Wechsel an der Spitze der Linksfraktion im Lüneburger Stadtrat: Der Vorsitzende David Amri erklärte am Freitag den Rücktritt von allen Ämtern zum Ende des Monats. Erst Anfang Februar war er Nachfolger von Michèl Pauly geworden. Für die Linke dreht sich damit in diesem Jahr zum dritten Mal das Personenkarussell: Im Februar hatte Rainer Petroll sein Ratsmandat niedergelegt, im September war Andrea Amri-Henkel zurückgetreten.

Zu seinen Beweggründen erklärt David Amri, der seit dieser Wahlperiode dem Rat angehörte: „Ich bin mit dem Ziel angetreten, mich für ein solidarisches Lüneburg einzusetzen. Dieses Ziel sah ich in den verkrusteten Strukturen des Lüneburger Rates zuletzt nicht mehr umsetzbar.“

Statt einer Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Menschen erlebe man im Stadtrat überwiegend „eitle Hahnenkämpfe der immer selben, vorwiegend männlichen, Protagonisten. Der Drang, politisch zu gestalten, wird durch die Beharrlichkeit der Verwaltungsspitze und einer SPD, die dieser bedingungslos folgt, ausgebremst“.

Amri: Anliegen der Bürger werden nicht gesehen

Aus Sicht des Linken-Fraktionschefs wurden viele Chancen vertan, mit wechselnden Mehrheiten neue Ideen voranzubringen. „Dabei hätten wir mit der SPD und den Grünen eine solide Mehrheit für sozial-ökologische Politik.“ Zudem habe er den Eindruck, dass Anliegen der Bürger weder gesehen noch thematisiert würden. Daher habe er sich entschlossen, seine politische Arbeit wieder in den Bereich gesellschaftspolitischer Initiativen zu verlagern.

Spekulationen und Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Amris hatte es bereits im September gegeben, als seine Ehefrau Andrea ihr Mandat niedergelegt hatte. Damals hatte Amri ausweichend reagiert, über zukünftige Sachen äußere er sich nicht.

Die Lüneburger Linkspartei bedauert den Schritt des Fraktionschefs im Stadtrat, erklärt der Kreisvorsitzende Thorben Peters. „Herr Amri war mit seinem energischen Engagement für soziale und ökologische Themen sowie seinem mutigen Wirken gegen Rechts beispielgebend für die Ratspolitik dieser Stadt.“ Neben viel Zuspruch für sein Engagement habe er auch gerade deshalb viel Gegenwind vom politischen Gegner erfahren.

Der Rücktritt sei in den vergangenen Tagen mit Partei und Fraktion besprochen worden, sagt Peters. Nun müsse mit möglichen Nachrückern gesprochen werden. Gespräche, wer den Fraktionsvorsitz übernimmt, soll es voraussichtlich bereits am Montag in der Fraktionssitzung geben.

Von Antje Schäfer