Samstag , 19. September 2020
Samina hat mit ihren Eltern und ihren fünf Geschwistern schon so manche Krise durchgestanden, einen Teddybär zum Kuscheln hätte sich die Zehnjährige auf der Flucht von Afghanistan nach Deutschland gewünscht. Foto: phs

Trostpflaster aus Plüsch

Lüneburg. Den großen Teddy, den Samina fürs Foto fest knuddelt, darf sie nicht mit nach Hause nehmen. Dafür aber gleich drei Miniaturversionen. Zwei Bären möchte sie ihren beiden jüngeren Schwestern schenken. Es gab Zeiten im Leben der Zehnjährigen, da hätte sie einen solchen Trostspender aus Plüsch gut brauchen können. „Wir sind aus Afghanistan geflüchtet“, erzählt die Viertklässlerin. „Seit drei Jahren leben wir in Deutschland.“ Auch eine Krankheit hat Samina überstanden, in der Zeit viel geweint. „Jetzt geht es mir wieder gut, ich fühle mich hier wohl, habe Freunde gefunden.“

500 Exemplare gehen jährlich nach Lüneburg

In Stadt und Landkreis Lüneburg werden jedes Jahr um die 500 Teddys ans Städtische Klinikum, die Polizei, das Kriseninterventionsteam für Kinder und Jugendliche, an die Feuerwehr und Rettungsdienste verteilt. Erstmals wurde jetzt auch speziell der Katastrophenschutz des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) versorgt, eine Abteilung, in der 140 Personen in Stadt und Kreis ehrenamtlich arbeiten. Sie rücken etwa 30 Mal im Jahr aus.

Kreisbereitschaftsleiter Marcel Stürmer hatte sich an die Stiftung gewandt und um eine Stofftier-Spende gebeten. „Wenn Feuer in einem Hochhaus ausbricht und wir mitten in der Nacht evakuieren müssen, ist das gerade für die Kinder Stress pur“, erzählt er und nennt ein weiteres Beispiel: „Wir wurden auch schon zu einem Verkehrsunfall mit 25 Kindern gerufen, da haben wir die Teddys verteilt.“ In solchen Situationen habe das Tier aus Plüsch eine beruhigende Wirkung, mit ihm wachse auch das Vertrauen in das Rettungsdienstpersonal. „Besonders die kleineren Kinder nehmen den Teddy mit ausgestreckten Armen und einem Lächeln im Gesicht entgegen“, sagt Stürmer.

Kuscheltiere fahren stets im Einsatzwagen mit

Für die kommenden Einsätze sind der Katastrophenschutz und auch der Regelrettungsdienst des DRK jetzt gut gewappnet: 160 Stofftiere, verpackt in zahlreiche Kartons, haben Annette Piechota und Ulrike Wiesemann, die regionalen Botschafterinnen der Deutschen Teddy-Stiftung, jetzt an den Schnellenberger Weg geliefert. „Die Teddys fahren im Einsatzwagen immer mit“, sagt Stürmer. In einem normalen Rettungswagen würden stets zwei Bären warten, die größeren Lkw des Katastrophenschutzes seien stets mit einem ganzen Karton beladen.

Vor knapp zwei Wochen hat die Deutsche Teddy-Stiftung ihren 20. Geburtstag gefeiert, sie wurde 1998 gegründet. Die ersten Teddys, die in Deutschland überhaupt verteilt wurden, hat Piechota dem Scharnebecker Polizeirevier überreicht. Ein Polizeibeamter aus Esens war es auch, der das Kuscheltier damals als Beistand in Notsituationen entdeckt hat. So wurde das Konzept beispielsweise in Holland schon praktiziert. Mit Unterstützung des Kinderschutzbundes in Lüneburg, dort engagiert sich Annette Piechota nach wie vor, wurde die Stiftung ins Leben gerufen. „Der Bedarf steigt seit Jahren, wir erhalten immer mehr Anfragen“, sagt sie. Dass in diesem Jahr wieder so viele Plüschbären in Lüneburg und Umgebung verteilt werden konnten, sei rund 15 Spendern aus der Region zu verdanken.

Von Anna Paarmann