Samstag , 15. August 2020
Wenn alles zugebaut wird, wie hier im Hanseviertel III, heizt sich das Viertel auf, warnt Experte Peter Pez. Foto: Norbert Falkenhagen

Aufheizende Planung

Lüneburg. Es ist das große Mantra der kommunalen Politik: In der Stadt sollen freie Flecken bebaut werden, um ein Zerfasern der Ränder zu vermeiden und nicht no ch mehr Flächen zu verbrauchen. Das klingt sinnvoll. Aber nach dem heißen Sommer stellt sich die Frage, ob es das überall ist. Denn einfach gesprochen heizen sich Häuser mehr auf als Grüninseln und speichern die Wärme. Wenn also die Temperatur kontinuierlich steigt, wie von Forschern prognostiziert, und sich der Sommer 2018 in der Zukunft quasi ständig wiederholt, stellen sich Experten die Frage, ob die sogenannte Nachverdichtung immer sinnvoll ist.

„Wie groß ist die bebaute Fläche im Verhältnis zum Grün drumherum?“, fragt der Geograf und Verkehrsfachmann Prof. Peter Pez von der Lüneburger Uni. „Man sollte sich die Freiheit gönnen, Bereiche nicht zu bebauen, sondern freizuhalten.“ Dabei hat der Wissenschaftler nicht nur den sogenannten Grüngürtel West zwischen Reppenstedt und Lüneburg im Blick, sondern eben auch kleinere Flächen.

Die Areale sind knapp

„Jede Form von Nachverdichtung bringt auch ökologische und klimatische Nachteile“, sagt Pez. „Wärmeinseln werden verstärkt.“ Deshalb sollte zum einen genau hingeschaut werden, ob und wo in zweiter Reihe gebaut wird und zum anderen sollten Eingriffe abgemildert werden. Stichworte sind Dach- und Fassadenbegrünung, wenn Parkflächen entstehen, dann sollten Gittersteine verwandt werden, die mildern die Reflektion und lassen Niederschläge versickern.

Generell plädiert Pez dafür, „über den Kirchturm hinauszuschauen“. In der Stadt und deren Umlandgemeinden seien die Areale knapp. „Neue Gebiete könnten im Landkreis erschlossen werden“, empfiehlt der Professor. Da gelte es, alte Schienenverbindungen zu reaktivieren oder zu nutzen. So könnten beispielsweise Bleckede, Echem und Amelinghausen interessant werden.

„Ilmenaugarten ist ökologisch tot“

Auch das Lüneburger Umweltgewissen, Thomas Mitschke, rät zu sparsamem Umgang mit Flächen in der Stadt. „Ich bin zwar für Nachverdichtung“, sagt der Kreisvorsitzende des Nabu. „Aber ich habe da große Sorgenfalten.“ Planer und vor allem Investoren schauten nicht ausreichend auf „Biodiversität“, also den Pflanzenmix, der für Insekten wichtig sei: „Im Ilmenaugarten finden Sie kaum Grün. Das ist ein Drama.“ Doch er nennt auch Kurpark, Liebesgrund und die Bastion am Schifferwall: „Ökologisch ist das tot.“ Ein bisschen Rasen reiche eben nicht: „Im Kurpark in Bad Bevensen sieht das anders aus.

Mitschke sieht die Wohnungsnot, da müssten Politik und Verwaltung handeln. Doch sozialer Wohnungsbau und ökologische Ansätze seien kein Widerspruch, Planungen sollten entsprechend ausgelegt werden. Seine Erfahrung in kommunalen Ausschüssen: „Probleme werden gewogen und abgewogen und schließlich weggewogen. Unsere Einwände werden nicht oder zu wenig gehört.“

Pez gibt noch einen weiteren Aspekt zu bedenken, den menschlichen: Wenn gebaut wird, sollte es Treffpunkte geben, um miteinander zu reden. Das hilft beim Miteinander, ist er überzeugt. ca