Sonntag , 27. September 2020
Ihnen gefällt das Landleben: (v.l.) Katharina Harms, Alena Kastens, Leni Marit Ahrens, Bika Dithmer und Jasmin Müller von der Landjugend Radegast. Foto: phs

Vorbei das Image mit den Kittelschürzen

Lüneburg. Viel schöner hat Sabine Block es sich fast nicht vorstellen können. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt die Vorsitzende der Lüneburger Kreislandfrauen. Dass sie dazu allen Grund hat, bewiesen die vielen Hundert Besucher, die am Sonntag der Einladung der Landfrauen gefolgt und in die Kulturbäckerei gekommen waren. Zum ersten Mal präsentierten sich die Vereine aus dem Landkreis in der Hansestadt und zeigten mit ihrer Ausstellung, dass sie weit mehr als althergebrachte Klischees zu bieten haben.

Gemütlich sitzen Uschi Puffahrt, Renate Wille und Bettina Sievers an ihren Spinnrädern, die bunten Garne, die gleichmäßig auf die rotierenden Spindeln laufen, entstehen fast nebenbei. Immer wieder findet sich Zeit für ein Klönschnack untereinander, auch für die Besucher. Bei aller Spinnrad-Romantik aber wollen die drei Frauen vom Landfrauenverein Neetze wie auch alle anderen Vereine eines nicht: ein verklärtes Bild vom Leben auf dem Lande vorgaukeln.

Die gesamte Breite der Gesellschaft vertreten

„Es geht um Gemeinschaft und das Knüpfen von Netzwerken“, sagt Uschi Puffahrt aus Neetze. Gleiches hörte man an allen Ständen der Landfrauenvereine, die sich und ihre Arbeiten in der Kulturbäckerei präsentierten. Dass dazu auch die obligatorischen Torten, Obst- und Gemüseerzeugnisse, aber auch Liköre, Blumengebinde und sogar selbstgemalte Bilder gehören, widerspreche dem modernen Selbstverständnis der heute auf dem Land lebenden Frauen nicht, wie Sabine Block erläutert: „Unsere Mitglieder stehen nicht mehr nur hinter dem Herd, es sind Frauen aus der gesamten Breite der Gesellschaft, von der Friseurin bis zur Ärztin oder Steuerberaterin.“

2200 Mitglieder haben die Lüneburger Kreislandfrauen, 500.000 sind es im gesamten Bundesgebiet. Die Organisation, die nach wie vor nur Frauen vorbehalten ist – Männer sind lediglich als Fördermitglieder willkommen –, hat daher eine gewichtige Stimme, nicht nur in der Region. Mit dem Landrat und Lüneburgs Oberbürgermeister sei sie regelmäßig im Gespräch, sagt Sabine Block, schließlich gelte es, den ländlichen Raum zu stärken und die Rahmenbedingungen in der Region zu verbessern: „Es muss für Frauen liebens- und lebenswert bleiben, auf dem Land zu wohnen.“ Dazu gehörten auch Forderungen etwa nach einem Schulfach „Alltagskompetenz“ oder die Anbindung ans schnelle Internet.

Parallel-Vereine für „Landmänner“ hält die Kreisvorsitzende nicht für erforderlich und lacht: „Die sind meist schon über den Schützenverein oder die Feuerwehr organisiert“. Und bei Bedarf arbeite man mit denen ohnehin gut zusammen.

Werben um neue Mitglieder unerlässlich

Zwar seien die Mitgliederzahlen annähernd konstant, ohne das Werben um neue Mitglieder aber gehe es nicht, wie Ilona Prause von den Dahlenburger Landfrauen weiß. „Man muss sich der Zielgruppe anpassen und mal was anderes machen“, sagt die Vorsitzende. Sie plant deshalb im kommenden Frühjahr beispielsweise eine Lesung mit den Krimi-Autorinnen aus Lüneburg.

Doch es geht auch anders, wie die jungen Damen der Landjugend Radegast mit ihren knapp 80 Mitgliedern beweisen. „Man kann so viel auf dem Land machen“, sagt Alena Kastens, die nach ihrem Studium in Kiel unbedingt wieder nach Radegast zurückkehren will. „Für uns ist es wichtig, Traditionen beizubehalten und neues Leben reinzubringen.“

Bei den Besuchern kam die Ausstellung ebenfalls gut an. Heike Freudenberg aus Rullstorf und Frauke Budde aus Boltersen zeigten sich „ganz überrascht, wie voll es hier ist und was hier alles angeboten wird“. Allein schon der Ausstellungsflyer habe ihre Aufmerksamkeit geweckt: „Super, weg vom Image der Omas mit den Kittelschürzen.“

Auf eine Wiederholung der Ausstellung darf gehofft werden, das machte Carsten Junge von der Lüneburger Sparkassenstiftung als Betreiber der Kulturbäckerei deutlich. „Wir sind total zufrieden.“

Von Ulf Stüwe