Dienstag , 20. Oktober 2020
Chefreporter Carlo Eggeling kutschiert mit seinem Einkauf über die Heiligengeiststraße. Der rumpelige Parcours ist gewöhnungsbedürftig. Foto: t&w

„Lastesel“ im Alltagstest

Lüneburg. Es ist ein ungewohntes Gefühl, Riesenrad zu fahren: Das Lastenrad fordert erst einmal Geduld. Denn das weiße Velo mit seiner üppigen Kiste vor dem Len ker hat einen anderen Schwerpunkt als ein normales Fahrrad. Die Lenkung sitzt ein gutes Stück vor dem Fahrer. Das Strampeln will geübt werden.

Drei Elektro-Lastenräder stehen im Radspeicher am Bahnhof bereit, gerade hat die LZ das Trio vorgestellt. Die Sparkassen-Stiftung, mit der Rat- und Kreishaus gern Gutes tun, hat den Kauf der Zweirad-Kolosse unterstützt. Nun können Kunden die Lastesel für 25 Euro pro Tag ausleihen. Klarer Ansatz von Oberbürgermeister Ulrich Mädge und dem Leiter der Stiftung, Carsten Junge: Dem Autofahrer soll eine Alternative schmackhaft gemacht werden, das Ziel ist der Umstieg.

Es geht um den Alltag

Die LZ ist probeweise umgestiegen. Es geht um den Alltag. Der Kängurubeutel des Rads ist ein Platzwunder: In der Tiefe lässt sich mühelos ein Wocheneinkauf verstauen, obendrauf passen noch zwei Kisten Selter, in unserem Fall tut es eine. Los geht es vom Sand auf den Kreideberg. Das gewölbte Kopfsteinpflaster der Heiligengeiststraße hat es in sich. Mit dem Gewicht fährt es sich anders als mit dem normalen Rad. Es braucht mehr Kraft- und Gleichgewichtssinn. Klappt, eine Sache der Übung.

Weiter geht es. Die neue Sülze ist eher ein Problem, weil Autofahrer dort rangieren. Mit der Schwerlast-Variante schlängelt man sich nicht so leicht durch Lücken. Warten. Und der Gedanke: Was macht man auf dem Radweg, wenn man überholen will und dabei beispielsweise einen Vater mit Kinderanhänger vor sich hat? Da dürfte kaum ein Durchkommen sein. Gegenverkehr mit einem zweiten Lastesel oder einem Briefträger – zum Beispiel auf den schmalen Wegen an der Bockelmannstraße –dürfte zum Crash oder zum Anhalten und einer verbalen Einigung führen.

Bei 27 km/h bremst der Motor automatisch

Weiter Am Graalwall entlang. Ein Autofahrer sucht von hinten die Nähe, er kommt schlecht vorbei, weil neben ihm Verkehr ist. Die Stöteroggestraße bergan. Mit 25 Kilo Zuladung. Von Eco auf Turbo schalten, höchste Stufe. Der Elektroantrieb ist hilfreich, aber Kraft und Kondition sind trotzdem gefragt.

Zu Hause vor der Tür aufbocken. Auch das ist eine Übungssache, ähnlich wie beim Motorrad. Aber es geht. Alles in allem eine gute Ergänzung. Schön wäre es, wenn der Motor nicht bei 27 km/h automatisch bremsen würde, weil Tempo einfach Spaß macht. Die Bremsen funktionieren mühelos und griffig, wichtig bei der Masse, die bewegt wird.

Fazit: Für den Einkauf und den Transport eine gute Alternative. Aber wer zur Arbeit oder zum Sport radeln will, ist mit einer schmaleren und leichteren Variante besser dran. Wer überlegt, sich ein Lastenrad zu kaufen, sollte die 25 Euro Leihgebühr investieren. Der Test lohnt sich.

Von Carlo Eggeling

Daten im Überblick

Ein Schwergewicht

Das Rad wiegt, je nach Modell, 45 bis 50 Kilo, eine Zuladung ist bis 85 Kilo möglich. Die Reichweite beträgt rund 40 Kilometer, eine hügelige Strecke verbraucht mehr Energie, auf der Ebene hat der Fahrer entsprechend mehr und länger Unterstützung. Das Display zeigt an, für wie viele Kilometer der Strom noch reicht. Das Aufladen des Akkus dauert drei bis acht Stunden.

Der Preis für das getestete Model Urban Arrow Shorty liegt bei 4000 Euro. Darin sind dann gute Scheibenbremsen enthalten, die bei den Lasten empfehlenswert sind. Je nach Ausstattung kann es aber teurer werden.

Quelle: Meyners/Radspeicher