Freitag , 25. September 2020
Medienphilosoph Prof. Dr. Erich Hörl (vorne links), Uni-Präsident Sascha Spoun und Bildungsdezernentin Pia Steinrücke bei der Eröffnung der Startwoche im Audimax. Foto: t&w

Hier ist die eigene Neugier gefragt

Lüneburg. Manche stehen in Grüppchen eng beieinander, sind in Gespräche vertieft. Andere beschäftigen sich mit ihrem Handy. Eine große Anzahl an Erstsemester-Studenten sitzt längst brav im Audimax, sie warten darauf, dass die Startwoche offiziell eröffnet wird. Eigentlich soll der erste Redner um 10 Uhr auf dem Podest stehen, doch um diese Zeit herrscht vor den Eingängen noch dichtes Gedränge. Um 10.08 Uhr ist von den jungen Frauen und Männern im roten Leuphana-Kapuzenpulli zu hören: „Alle ins Forum“. Dort wird das Programm übertragen.

Es ist das erste Mal, dass die Eröffnung im Libeskind-Bau stattfindet, in den vergangenen Jahren tummelten sich die neuen Studenten stets in der St. Johanniskirche. Auch dort waren die Plätze heiß begehrt. Selbst der großzügige Hörsaal im Zentralgebäude ist zu klein, sitzen können dort nur insgesamt 1100 Personen. In diesem Jahr sind es aber wieder 1500 junge Menschen, die an der Lüneburger Uni in ihr Bachelor-Studium starten. Deshalb die Live-Übertragung ins angrenzende Forum. Ein Vorteil: Die rund 30 Musiker des Stegreif.Orchesters machen dort mit ihren Brahms-Klängen zuerst Halt.

Startwoche steht unter dem Motto „Digital Futures“

Nach Trompete, Klarinette und Oboe übernimmt Christian Brei, der neue hauptberufliche Vizepräsident. Wie alle anderen Redner nach ihm begrüßt er die Neuen auf Englisch. Es ist eine Vorbereitung darauf, was die Erstsemester bis zum Finale am Freitag, 12. Oktober, erwartet. Denn die gesamte Startwoche, die unter dem Motto „Digital Futures“ steht, sich also mit der Gegenwart und Zukunft der Digitalität auseinandersetzt, wird in englischer Sprache abgehalten. Dabei werden die Studenten von 120 Tutoren und 30 Mentoren unterstützt.

„Ihr werdet vom ersten Tag an herausgefordert und mit einer aktuellen Frage konfrontiert“, sagt Brei. „Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft, die heute viel mehr in Gefahr ist als damals.“ Mit Migration, Globalisierung und neuen Technologien und ihren Möglichkeiten nennt der Vizepräsident nur einige Effekte, die auf die heutige Zeit einwirken.

„Zukunft ist kein Zug, in dem ihr die Passagiere seid“

Für Präsident Sascha Spoun ist die Zukunft eine Art Schwarm, der unvorhersehbare Richtungen einschlägt. „Zukunft ist kein Zug, in dem ihr die Passagiere seid“, sagt er in Richtung der vollbesetzten Reihen. „Eine Maschine kann sich niemals wundern oder nach einer Erklärung fragen, sie verarbeitet Daten.“ Das Anliegen von Studenten sei jedoch keinesfalls, mit Algorithmen gefüttert zu werden, sondern zu entdecken, zu diskutieren und sich auf die eigene Neugier zu fokussieren.

Dass es nicht ausreicht, Kritik zu äußern, ist die Botschaft von Lena Lukow und Merten Ebbert. Sie setzen sich als Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses für die Belange ihrer Kommilitonen ein. „Akzeptiert keine Strukturen, nur weil sie immer schon so sind. Manche Inhalte oder Methoden sind nicht gut, euch werden unfaire Hierarchien begegnen und ihr werdet auch mal das Gefühl vermittelt bekommen, dass ihr das Problem seid.“ Deshalb sei es wichtig, aktiv zu werden und für Veränderungen zu kämpfen.

Von Anna Paarmann

Programm

Weitere Veranstaltungen

Das sind die Höhepunkte der Startwoche:
Montag, 8. Oktober, 9 Uhr: Veranstaltung mit Rainer Esser, CEO des Zeit-Verlags
Dienstag, 9. Oktober, 9 Uhr: Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford University) spricht über das Silicon Valley
Freitag, 12. Oktober, 14 Uhr: Finale mit Bernd Althusmann, Minister für Digitalisierung, und anschließender Diskussion