Dienstag , 22. September 2020
Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg präsentierte erstmals die in vielen Stunden restaurierte Diesellok. Foto: ilg

Eisenbahnfans lieben Samba

Lüneburg. Es war ein geradezu bewegender Augenblick, als sich bei der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) das Tor des Lokschuppens öffnete und sich langsam die mächtige rote Diesellok mit laut brummendem Motorgeräusch herausschob.

Zur Präsentation des sogenannten „Samba-Projekts“, der Aufarbeitung eines historischen Personenzuges, hatte der Verein auf sein Betriebsgelände Lüneburg Süd geladen. Unter den Gästen begrüßte der Vorsitzende Hans Dierken neben Lüneburgs Bürgermeister Ulrich Löb einige Bürgermeister des Landkreises sowie Vertreter der Sponsoren des Projekts.

Personenwagen aus den 1950er-Jahren

Doch nicht nur die beeindruckende Lok war das Ergebnis der rund zweieinhalbjährigen Restaurierungsarbeit durch die AVL-Mitglieder in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Auch den bereits vor einiger Zeit fertiggestellten historischen Personenwagen aus den 1950er-Jahren sahen sich die Gäste an. Neben einer Unmenge Arbeit gehörte zweifellos eine große Portion Enthusiasmus dazu, einen nahezu verrotteten Waggon wie neu präsentieren zu können. An Arbeit aber mangelt es auch künftig nicht: Ein weiteres historisches Exemplar im noch ziemlich desolaten Zustand wartet weiter auf seine Restaurierung.

Hans Dierken erinnerte auch an den technischen Aufwand und die Schwierigkeiten, die mit der Reparatur nicht betriebsfähiger Eisenbahnwagen und der dazugehörigen Lok verbunden waren, um sie in einen verkehrstauglichen Zustand zu versetzen und sie nach den heute geltenden Vorschriften abnehmen zu lassen.

Der Lüneburger Zug wurde im Jahr 1950 ausgeliefert. Er war für Gruppen-Ausflugsfahrten in ganz Norddeutschland vorgesehen und bestand aus drei Sitzwagen sowie einem Gesellschaftswagen. In der Nachkriegszeit sehnten sich die Menschen nach Vergnügen und Geselligkeit, wusste Dierken zu berichten. Und längst nicht jeder konnte sich ein Auto leisten. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Samba-Express“.

Nostalgie bleibt das bindende Moment

Die seit 1981 bestehende AVL konnte den letzten Samba-Wagen später erwerben. Zusammen mit den Nahverkehrswagen der Deutschen Bundesbahn läuft er bis heute als Heide-Express zum Nikolaus, nach Bispingen und auf der Bleckeder Kleinbahn. Unter dem Motto „Nostalgisch reisen“ fährt der Zug regelmäßig auf der Bahnstrecke Lüneburg – Bleckede und zurück. Diese sollte 2010 ganz stillgelegt werden, wird aber seither durch die Intervention und die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder der AVL weiter betrieben.

Von Reni Lange