Samstag , 31. Oktober 2020
Beim Brückenfest gab es natürlich jede Menge Hinweise aus das, wotrauf die Menschen in der Region hoffen: den Bau der Elbbrücke. (Foto: phs)

Die Elbbrücke wird kommen

Darchau. „Über sieben Brücken musst Du gehn…“ Der Hit, mit dem einst die DDR-Rockband „Karat“ große Erfolge feierte, erklang am MIttwoch auch an der Elbe. Bei m Brückenfest am Fähranleger in Darchau. Zweifellos ein Song mit viel Symbolkraft – denn nichts wünschen sich die Bürger dies- und jenseits der Elbe seit der Wiedervereinigung so sehr, wie den Bau einer festen Elbquerung. Immerhin: Mit dem jüngsten Beschluss des Lüneburger Kreistages sind die Neuhäuser der Realisierung ihres Traums wieder ein kleines Stückchen näher gekommen. Denn vor drei Jahren totgesagt, haben die Abgeordneten dem Millionen-Projekt nun wieder neues Leben eingehaucht, mit breiter Mehrheit entschieden, die Planung wieder aufzunehmen.

Zu denen, die auf die Brücke warten, gehören Dorit Hüls und Marcel Kramer: Beide arbeiten mit im Organisationsteam des Brückenfestes. Ehrenamtlich, versteht sich. An ihren gelben Signalwesten erkennbar stehen sie am Zugang zum Festgelände, verteilen Programme an die Besucher und bitten dabei um eine freiwillige Spende für das Brückenfest. Die meisten geben gerne, einige wenige schauen etwas irritiert. „Die Organisation einer solchen Veranstaltung bedeutet einen gewaltigen Aufwand“, gibt Kramer zu bedenken. Trotz Sponsoren und trotz des ehrenamtlichen Engagements sei man deshalb froh über jede finanzielle Unterstützung. Und sei sie auch noch so klein.

8000 Besucher

Natürlich wollen die Neuhäuser mit dem Brückenfest für den Bau der festen Elbquerung werben, aber nicht nur: „Das Fest ist eine gute Gelegenheit, die Menschen aus Ost und West am Tag der Deutschen Einheit zusammenzuführen“, sagt die Neuhäuser Bürgermeisterin Grit Richter.

Und die Gelegenheit, gemeinsam den Tag der Deutschen Einheit an der Stelle zu feiern, an der bis 1990 noch die innerdeutsche Grenze verlief, nutzen jetzt wieder mehre Tausend Menschen.

Gut auch, dass die Fähre Neu Darchau wieder genügend Wasser unterm Kiel hat. Denn viele Besucher lassen ihr Auto in Neu Darchau stehen und nutzen die Fähre zu Fuß. Mindestens 8000 Besucher erhofften sich die Organisatoren des Brückenfestes – diese Zahl dürfte am Nachmittag wohl locker erreicht worden sein.

Zwei Veranstaltungen dicht beieinander

Dass am Mittwoch erstmalig in Neu Darchau am Hafen auch ein Flohmarkt veranstaltet wurde, fanden einige Organisatoren des Brückenfestes allerdings weniger passend: „Der findet sonst immer am letzten Sonntag im Monat statt“, berichtet Dorit Hüls. Dass dieser Termin nun ausgerechnet auf Mittwoch verlegt wurde, ärgert sie.

Andere sehen es lockerer. Grit Richter zum Beispiel: Zwei Veranstaltungen dicht beieinander, das locke noch mehr Besucher, glaubt die Rathauschefin. Obwohl das Brückenfest inzwischen von der Gemeinde Amt Neuhaus ausgerichtet wird, fehlt auch der „Förderverein Brücken bauen“ nicht: Wilhelm Kastens und seine Mitstreiter verteilen kleine Broschüren an Interessierte, in denen die Geschichte der Brückenplanung seit 1990 aufgelistet ist: „Chronologie der Hoffnung“ nennen sie sie.

„Brücken-Kritiker sind oftmals nur unzureichend oder falsch informiert „

Nicht jeder freilich freut sich darüber, dass die Planungen für eine Brücke wieder aufgenommen werden sollen: „Ich hatte gerade ein Gespräch mit einem Mann aus Neu Darchau, der gegen den Bau einer festen Elbquerung ist“, berichtet Wilhelm Kastens. Der CDU-Kreistagsabgeordnete engagiert sich ebenfalls im Förderverein – und stellt immer wieder fest, dass Brücken-Kritiker oftmals nur unzureichend oder falsch informiert seien. So, wie sein letzter Gesprächspartner am Zeltstand des Fördervereins: „Dass die Trassenführung nicht durch Neu Darchau, sondern am Ort vorbei führen soll, war dem Herrn nicht bekannt“, bedauert Kastens, der weiß, dass diesbezüglich noch ganz viel Aufklärungsarbeit von Verwaltung und Politik zu leisten sein wird: „Mit dem Planfeststellungsverfahren werden viele offene Fragen geklärt werden,“ hofft der Walmsburger, „angefangen von der Umweltverträglichkeit über die Verkehrsführung bis hin zu den Baukosten.“

Dass die Pendler dies- und jenseits der Elbe seit 1990 auf den Bau der Brücke warten, in dieser Zeit verschiedene Ministerpräsidenten kamen und gingen, die alle schon den Bau der Brücke in Aussicht gestellt hatten, ist Kastens wohl bewusst. Trotzdem glaubt er, mit dem jüngsten Kreistagsbeschluss ein „großes Stück“ weiter gekommen zu sein. Das hofft auch Dorit Hüls, die sich noch gut an die Worte des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) erinnert: „Sie werden den Brückenbau noch erleben“, habe der Regierungschef ihrem Onkel Werner Hüls bei einem Ortstermin an der Elbe zugesichert.

Werner Hüls ist vor zwei Jahren verstorben. Auf die Brücke warten die Neuhäuser noch immer.

Von Klaus Reschke