Mittwoch , 30. September 2020
Bei nur vier Spielern gibt es keinen festen Torwart, dafür aber umso mehr Action. Denn: Angriff ist die beste Verteidigung. Foto: Pufe

Die Integrationskraft des Sports

Lüneburg. Tor! Die Mannschaft mit den pinkfarbenen Leibchen, die gerade einen Treffer erzielt hat, hält sich nicht mit langem Jubeln auf. Schon geht es mit eine m Gegenangriff des anderen Teams weiter, das sich über das kleine Feld Anweisungen zuruft. Deutsch hört man unter den Spielern selten – Arabisch, Französisch, Afrikanisch, Russisch sind nur einige der Sprachen, die hier gesprochen werden – die Internationalität ist Konzept beim „4Players Fußballturnier“.

Zusammen mit Marco Thymian hat Talal Aldahouk die Veranstaltungsreihe vor zwei Jahren ausgearbeitet. Seither finden regelmäßig Turniere statt. „Veranstalter sind der Kreissportbund Lüneburg und das EventNetzwerk, aber es gibt noch so viele andere, die hier mit Herzblut dabei sind“, sagt Thymian, der mit seinen Mitstreitern auch Sponsoren ins Boot geholt hat.

Thymians Grundgedanke ist heute fester Bestandteil der Planung: „Jeder soll hier ankommen können. Ob man sich nun Wochen vor dem Turnier anmeldet oder zehn Minuten vor Beginn spontan vorbeikommt, einen Platz bekommt jeder. Wir haben selbst Kandidaten, die ausnahmslos zwei Stunden zu spät kommen“, fügt er lachend hinzu.

„Die haben echt Biss!“

Ein Team sei sogar in Unterzahl aufgetaucht, da sich ein Spieler am Vortag den Fuß gebrochen hatte. So etwas bringt den Mit-Initiator nicht aus der Ruhe: „Wir finden immer Lösungen. Und es geht ja auch darum, ein gutes Miteinander aufzubauen, da hilft es, Mannschaften zu mischen.“

Austragungspartner ist diesmal der Allgemeine Hochschulsport Lüneburg, das Turnier steigt auf dem Leuphana-Gelände. Timo Maaß, der das Event mit organisiert hat, trifft einige bekannte Gesichter wieder: „Man kennt manche Spieler von anderen Projekten, insgesamt gibt es hier ein gutes Netzwerk rund um Fußball und Integration.“ Die Spieler seien alle gut drauf. „Die haben echt Biss!“

Dennoch gilt stets der Fair-Play-Gedanke. „Wir hatten hier noch nie Platzverweise oder Krankenwageneinsätze“, erzählt Melina Glor, die als Schiedsrichterin fungiert. „Aber sportlicher Ehrgeiz ist schon vorhanden, da gehen die Jungs auch mal heftigere Zweikämpfe ein“, kommentiert sie, nachdem sie die Partie kurz unterbrechen musste – ein Spieler war bei einem Aufprall zu Boden gegangen.

Hier sind alle fair

Auch die Teilnehmer sind vom Projekt sichtlich begeistert: Der 19-jährige Said aus Afghanistan ist schon zum siebten Mal dabei. „Wir haben hier schon oft Pokale gewonnen“, sagt er stolz. „Außerdem hab ich Spaß, mit den Leuten hier zu spielen.“

Bastian, der das Torschussturnier für sich entscheiden konnte, ist zum ersten Mal da. „Ein Kumpel hat die Veranstaltung auf Facebook gesehen, wir sind spontan hierhergekommen.“ Das Miteinander sei sehr gut: „Man klatscht sich am Ende des Spieles ab, hier sind alle fair.“

Susanne Pöss, Geschäftsführerin des Kreissportbundes, freut sich, dass das Turnier zu einer „nachhaltigen Veranstaltung“ geworden ist. „Die Inte­grationskraft von Sport, besonders von Fußball, sollte man nie unterschätzen. Wir sind stetig dabei, die einzelnen Vereine an die Thematik heranzuführen, damit sie die Integration junger Spieler richtig in Angriff nehmen können“, schildert sie. Gegen den Hunger gibt es orientalisches Essen, das Aldahouks Frau Sondos selbst zubereitet.

Das nächste 4Players-Turnier steht am 3. November in der Sporthalle Oedeme an.

Von Josephine Wabnitz