Sonntag , 1. November 2020
Anfang des Jahres hatte die Stadt auf dem Flugplatz-Gelände Ausgleichsflächen für die Haubenlerche erstellt. LVL-Chef Richard Meier hofft, dass dies ein Grund dafür sein könnte, dass der Flugplatz weiter Bestand haben könnte. Foto: t&w

Flieger hoffen auf eine Chance

Lüneburg. Der Pachtvertrag des Luftsportvereins Lüneburg (LVL) läuft Ende Oktober 2020 aus. Dafür gibt es einen mehrheitlichen Ratsbeschluss. Oberbürgermeister Ulrich Mädge kündigte nun Anfang September im Bauausschuss an, dass man sich in der ersten Jahreshälfte 2019 den Bereich Flugplatz anschauen und dann beraten werde, was dort realisiert werden könne. Geplant ist, dort Gewerbe anzusiedeln. Die Zeit für den LVL läuft also ab. Doch ein Fünkchen Hoffnung hat der Vorsitzende Richard Meier noch. Er hat die Ratsmitglieder und den Oberbürgermeister für den 20. Oktober auf den Flugplatz eingeladen, um ins Gespräch zu kommen.

Es sei der Wunsch der LVL-Mitglieder, mit den Politikern über die Zukunft des 70 Jahre alten gemeinnützigen Vereins zu sprechen. „Ich bin vollkommen offen, was das Ergebnis angeht“, so Meier. Natürlich hoffe er, dass es doch noch weitergehen könne. Denn sonst wäre das der Tod des Vereins. Umzusiedeln zu anderen Vereinen wie zum Beispiel nach Uelzen sei eine Illusion.

Eine BI fordert ein Ende des Flugplatzes

Auch wenn der Pachtvertrag keine Verlängerungsoption enthält, bedeutet das aus Sicht von Meier nicht, dass vielleicht doch eine Verlängerung möglich ist. Denn schon einmal hatten sich Planungen geändert: 2008 hatte sich Mädge für den Ausbau der Landepiste mit Asphalt stark gemacht. Das Argument: Neben dem LVL würde die Landebahn auch von gewerblichen Flugzeugen und dem Feuerwehrflugzeug genutzt. Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen fand die Kosten von 950.000 Euro aber bedenklich hoch. Postwendend verschwand das Projekt in der Schublade. Weil aber etwas passieren musste, die Landebahn sonst nicht mehr nutzbar gewesen wäre unter anderem auch für das Feuerwehrflugzeug, befestigten die LVL-Mitglieder die Bahn aus eigenen Mitteln selber.

Protest gegen den Flugplatz gab es seit Jahren von einer BI, die ein Ende des Flugplatzes forderte. Die Grünen, aber auch Teile der CDU, stellten sich früh dahinter.

Die Sache mit der Haubenlerche

Zuletzt waren die Hoffnungen der Flieger beflügelt worden, als die Stadt Anfang des Jahres Ausgleichsflächen auf dem Flugplatz angelegt hatte als Refugium für die bedrohte Haubenlerche. Die mussten errichtet werden, weil zwei Vogel-Pärchen auf dem Uni-Gelände gesichtet worden waren. Ohne Ausgleichsflächen wäre mit dem Libeskind-Bau nichts gelaufen. Die LVL-Mitglieder hofften, dass aufgrund der Flächen der Pachtvertrag über 2020 hinaus verlängert werden könnte. Doch die Verwaltung machte postwendend deutlich, dass es einen Ratsbeschluss zum Ende des Pachtvertrages gebe. Die Ansprüche der Haubenlerche, so wurde argumentiert, könnten weiter berücksichtigt werden, wenn es zu einer anderen baulichen beziehungsweise gewerblichen Nutzung des Geländes komme, da die Ausgleichsfläche nur einen Teil des Areals ausmache.

Außerdem sei der Piepmatz ein „Baustellenvogel“. Im Vorfeld der Pachtverlängerung hatte Mädge bereits erklärt: Die Schaffung von Gewerbeflächen habe Vorrang vor den Interessen der Sportflieger. Aus Sicht von Nabu-Chef Thomas Mitschke wäre „eine gewerbliche Nutzung des Flugplatzes allerdings ein Drama, denn dort ist inzwischen ein hochwertiger ökologischer Lebensraum entstanden“. Inzwischen hätten sich dort viele Vogelarten angesiedelt, die auf der Roten-Arten-Liste stehen. Mitschke erinnerte daran, dass Lüneburg Mitglied im Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt ist.

Von Antje Schäfer