Mittwoch , 23. September 2020
Die Proben, die (v.l.) Julia Lüdemann, Isabella Krause und Yasmin Eger von der Lüneburger Universität herangezüchtet haben, sind schon fast bereit, getestet zu werden. Foto: t&w

Dämmen mit Pilzen

Lüneburg. Speisepilze, Giftpilze und Schimmelpilze sind wohl jedem ein Begriff, aber „Pilze können so viel mehr“, erzählt Julia Lüdemann begeistert. Zusammen mit neun anderen Studenten der Leuphana Universität Lüneburg beschäftigt sie sich unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Braungart mit der Idee, aus Pilzen einen Dämmstoff herzustellen.

„Das Mycelium, oder grob gesagt die Wurzeln des Pilzes, ist das Geflecht, was wir als Material für unseren Dämmstoff gewinnen wollen“, erklärt Lüdemann. In ihrem Studiengang „Nachhaltigkeitswissenschaft“ sei ein einjähriges Gruppenprojekt üblich. „Wir haben nur das Glück, dass wir uns unser Thema selbst aussuchen durften.“ Die Grundidee dafür sei besonders in den USA schon verbreitet: Das amerikanische Unternehmen Ecovative stelle bereits seit 2007 Möbel und Lampen aus Pilzen her.

Zweitägige Veranstaltung für Januar in Vorbereitung

Seit etwa fünf Wochen wachsen die Pilze nun in 35 verschiedenen Boxen heran. „Wir probieren verschiedene Zusammensetzungen aus, die auf Dinkelspelz und Buchholzspänen in unterschiedlichen Mischverhältnissen wachsen“, sagt Isabella Krause. Der Prozess sei auch schon ziemlich weit: „Wir sind kurz davor, es testen zu lassen.“ Erst dann werde sich herausstellen, ob sich das Material tatsächlich als Dämmstoff eignet.

Interesse sei definitiv vorhanden, wie die Studentengruppe jetzt schon weiß. „Wir haben viel mit Experten gesprochen, die auf der Suche nach regionalen alternativen Baustoffen sind“, verrät Lüdemann. Es habe viel positive Resonanz gegeben, was die Studenten natürlich noch mehr motiviert habe.

Workshop im Mosaique an der Katzenstraße

Am Dienstag, 23. Oktober von 14 bis 17 Uhr präsentiert sich die Gruppe bei der Lüneburger Wandelwoche mit einem Workshop im Mosaique an der Katzenstraße. Am 19. und 20. Januar wird es dann richtig ernst: „Da wollen wir unser Produkt vorstellen, einen Expertenaustausch und Workshops anbieten“, verrät Yasmin Eger. Die sogenannten Pilztage werden ebenfalls im Mosaique stattfinden und sind für alle Altersstufen konzipiert.

„Wir wollen den Menschen nahebringen, dass Pilz ein natürlicher Rohstoff ist, der entscheidende Vorteile hat: Er wächst quasi überall, kann die Raumluft verbessern, und er besetzt im Gegensatz zu Soja oder Mais keine landwirtschaftlichen Flächen“, fasst Krause zusammen, die von dem Projekt überzeugt ist. „Und wenn das mit dem Dämmstoff nicht klappt, gibt es noch so viele andere Möglichkeiten, Pilze zu verwerten.“ Das sei aber noch Zukunftsmusik.

Von Josephine Wabnitz