Samstag , 19. September 2020
Eigentlich wollte Sylvia Wolff die Möbel im Hause ihres Vaters spenden. Stattdessen erhielt sie vom sozialen Möbelmarkt „Sack und Pack“ ein Angebot über eine kostenpflichtige Haushaltsauflösung. (Foto: t&w)

Das Problem, Gutes zu tun

Melbeck. Sylvia Wolff ist enttäuscht. Sie wollte Gutes tun, fühlt sich aber ausgebremst bei ihrer Idee, Menschen in Not zu helfen. Die Melbeckerin erzählt: „Mein Vater kam ins Altenheim. Die Möbel aus seinem Haus wollte ich spenden. Man hört und liest doch immer, dass es viele arme und bedürftige Leute gibt.“ Obwohl das Inventar ihr zufolge in recht gutem, nicht verwohntem und zeitlosem Zustand ist, fand sie keinen Abnehmer. „Anfragen bei der Gemeinde und gemeinnützigen Einrichtungen waren erfolglos. Niemand wollte die Möbel haben“, berichtet Sylvia Wolff.

Haushaltsauflösung sollte mehr als 1000 Euro kosten

Also nahm sie Kontakt zu dem sozialen Möbelmarkt „Sack und Pack“ auf, einem Unternehmen der Neue Arbeit Lüneburg. Die Möbelsparte der gemeinnützigen Gesellschaft holt unter anderem kostenlos gebrauchte Möbel ab, führt aber auch kostenpflichtige Haushaltsauflösungen durch. In der Verkaufshalle von Sack und Pack in Lüneburg können Menschen mit schmalem Geldbeutel dann die Einrichtungsgegenstände günstig kaufen.

„Mitarbeiter von ‚Sack und Pack‘ kamen nach Melbeck und schauten sich die vier möblierten Zimmer im Haus meines Vaters an. Sie nahmen nichts mit“, berichtet sie. Einige Tage später erhielt sie ein schriftliches Angebot für eine Haushaltsauflösung über 1070 Euro. „Über diese Summe ärgerte ich mich. Eigentlich wollte ich die Möbel doch spenden und stattdessen sollte ich nun zahlen. Und das nicht gerade wenig“, kritisiert sie. Dass womöglich Kosten anfallen, damit hatte sie gerechnet. „Aber nicht in dieser Höhe.“ Sylvia Wolff nahm das Angebot nicht an.

Bereichsleiter bezieht Stellung zu den Vorwürfen

Michael Raykowski ist Bereichsleiter der gewerblichen Betriebe bei der Neue Arbeit gGmbH und war selber in Melbeck vor Ort bei Sylvia Wolff. Er bedauert, dass er ihr kein anderes Angebot machen konnte. „Für uns kam leider nichts anderes in Betracht, als eine kostenpflichtige Haushaltsauflösung, bei der die Möbel entsorgt werden. Der Auftrag lautete, das Haus leer zu räumen“, erklärt er.

Die Möglichkeit, einzelne Stücke als Spende kostenlos mitzunehmen, kam für ihn in diesem Fall nicht in Frage. „Denn unser Kriterium, dass sich Möbel weiterverkaufen lassen, haben wir nicht als erfüllt gesehen.“ Das tut ihm leid. Aber das passiere immer mal, dass Kunden anderer Meinung sind als die „Sack und Pack“-Mitarbeiter, was den Zustand der abzuholenden Möbel betrifft. „Wir wollen niemandem vor den Kopf stoßen, doch wir müssen Entscheidungen treffen.“

Sozialkaufhaus Lauenburg zeigt hingegen Interesse

Schließlich sei die Entsorgung von Inventar, das „Sack und Pack“ nicht verkaufen kann, ziemlich teuer für das Unternehmen. „Wir müssen wirtschaftlich arbeiten, weil der Betrieb sich von alleine tragen muss. Wir haben Lohnkosten und bei Haushaltsauflösungen zudem Entsorgungskosten.“ Öffentliche Zuschüsse erhalte „Sack und Pack“ nicht, und viel Geld lasse sich mit dem Verkauf gebrauchter Möbel darüber hinaus auch nicht verdienen. „Somit kostet uns jeder Fehlgriff viel Geld.“

Am Ende wurde die Melbeckerin Sylvia Wolff den größten Teil des Inventars aus dem Haus ihres Vaters doch noch los – und tatsächlich für einen guten Zweck, wie sie sich es auch gewünscht hatte. „Das Sozialkaufhaus Lauenburg zeigte Interesse“, berichtet sie. Mitarbeiter des gemeinnützigen Unternehmens, dessen Träger die Arbeiterwohlfahrt ist, seien von der Elbe-Stadt nach Melbeck gekommen und hätten kostenlos Bett, Tisch, Schrank und Sitzgarnitur mitgenommen. „Der Rest, den sie nicht abtransportiert haben, kommt in den Sperrmüll.“

Von Stefan Bohlmann