Montag , 21. September 2020
Grafik: lz

Kampf um Elbmarschstern

Lüneburg. An Deutlichkeit mangelte es den Worten des Ersten Kreisrats nicht: „Das Beste am Elbmarschstern ist der Name“, sagte Jürgen Krumböhmer bei der jüngsten Kreistagssitzung in Amelinghausen. Das sehen Grüne und Linke ganz anders. Sie werfen der Kreisverwaltung vor, es versäumt zu haben, den Kreistag rechtzeitig über das Projekt informiert zu haben. Erneut stritten Verwaltung und Politik über das kreis- und länderübergreifende Buslinienkonzept, das Dörfer und Städte links und rechts der Elbe zwischen Bergedorf im Nordwesten und Lüneburg im Südosten sowie Lauenburg im Nordosten und Winsen im Südwesten verbinden soll.

Mit einem Dringlichkeitsantrag hatten die Grünen das Thema auf die Tagesordnung des Kreistags gehoben. Zu prüfen ist aus Sicht der Fraktion, ob der Elbmarschstern in die Fortschreibung des Lüneburger Nahverkehrsplans (NVP) integriert werden kann. Am NVP arbeiten Kreisverwaltung und Politik mit Beteiligung der Öffentlichkeit, seit zwei Jahren. Umgesetzt werden soll der Plan 2019.

Kosten von 200 000 Euro jährlich für den Landkreis

Ralf Gros (Grüne) attestierte dem Elbmarschstern „eine beeindruckende Planungstiefe“, die die Ernsthaftigkeit des Vorhabens belege. Und Christoph Pod­stawa (Linke) ist überzeugt, dass das Konzept einen Anreiz für Familien schaffe, sich verstärkt im ländlichen Raum anzusiedeln. Für beide ist das Buslinienkonzept eine ideale Ergänzung für das vom Landkreis Lüneburg erarbeitete Integrierte Mobilitätskonzept (IMK), in dem die künftigen Standards für den NVP festgezurrt worden sind.

Doch dieser Einschätzung mochten weder die Verwaltung noch die Fraktionen von SPD und CDU folgen. Ein wesentlicher Grund ist, dass nach den Plänen des Elbmarschsterns zusätzliche Linienbusse durch die Elbmarsch rollen sollen. Auch ist der Kostenanteil des Kreises Lüneburg mit 200 000 Euro jährlich hoch. Im Vergleich: Lauenburg würde nur 24 000 Euro zahlen, aus Sicht der Lüneburger aber deutlich mehr profitieren.

„Im Bürgerdialog zum IMK haben wir die strategische Entscheidung getroffen, auf Rufbusse statt auf Linienbusse zu setzen“, sagte der Erste Kreisrat. Und auch CDU-Fraktionschef Günter Dubber warnte davor, „das mühsam erstellte IMK in Teilen des Landkreises auszuhebeln“. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Franz-Josef Kamp, unterstrich: „Wir alle waren einhellig der Meinung, Querverbindungen in der Fläche mit Rufbussen sicherzustellen.“ Diese fahren nach Bedarf, während Linienbusse auch schon mal leer übers Land rollen. Aus Krumböhmers Sicht ein „Konzept von gestern“.

„Wir haben die strategische Entscheidung getroffen, auf Rufbusse statt auf Linienbusse zu setzen.“ – Jürgen Krumböhmer, Erster Kreisrat

Gleichwohl schmetterte der Kreistag den Antrag der Grünen nicht grundsätzlich ab. Stattdessen war zuvor im Kreisausschuss ein Kompromiss erarbeitet worden. Dieser sieht zwar nicht vor, das Konzept des Elbmarsch­sterns „in die aktuelle Entwicklung des NVP des Landkreises Lüneburg einzubeziehen“, doch soll die Grundidee aufgegriffen und eingebautm werden. Mit breiter Mehrheit beschloss der Kreistag, „eine schnelle Verbindung der Zentren Lüneburg und Hamburg-Bergedorf anzustreben.“ Ziel ist es, eine Alternative für Pendler zu schaffen, die bislang das Auto nutzen. Realisiert werden soll diese über das Konzept der Landesbuslinie, das eine Verbindung zwischen Lüneburg und Geesthacht vorsieht. Die Betriebskosten der Linie sollen teils vom Land übernommen werden. Eine abschließende Entscheidung steht aber noch aus.

Auch hat der Kreistag beschlossen, den „Abschluss nach Niedermarschacht über die Rufbusse der Samtgemeinden Scharnebeck und Bardowick herzustellen“. Nach zwei Jahren soll überprüft werden, ob der Rufbus ausreicht oder doch eine feste Linie eingerichtet werden muss.

Über den Kompromiss konnte sich Podstawa allerdings nicht freuen: „Der Kreisausschuss hat das Konzept des Elbmarsch­sterns verwässert.“ Und auch eine Probezeit von zwei Jahren würde niemanden dazu bewegen, aufs Land zu ziehen. „Da braucht man schon ein bisschen mehr Planungssicherheit.“

von Malte Lühr