Sonntag , 27. September 2020
Die Schule ion Melbeck soll Ganztagsschule werdern. Dafür wurde ein Architekenwettbewerb gestartet. (Foto: t&w)

Sensibles Thema Schulbau

Melbeck/Deutsch Evern. Es ist die oft zitierte Rivalität zwischen Melbeck und Deutsch Evern, die Dieter Konrad (SPD) während der jüngsten Ratssitzung in Melbeck erneut in Erinnerung rief: 300 000 Euro habe die Samtgemeindeverwaltung als Schulträger für Planung, Abriss und Ingenieurleistungen an der Grundschule Deutsch Evern bereits in den Sand gesetzt, bemängelte er. Dagegen habe man sich für die Melbecker Grundschule, die zur Ganztagsschule umgebaut werden soll, nur auf einen „abgespeckten“ Architektenwettbewerb eingelassen. Und das auch noch mit Zustimmung seiner Ratskollegen von der Mehrheitsgruppe von CDU/UWI. Der Melbecker Ratsherr wittert eine Ungleichbehandlung der beiden Kommunen, die durch die Samtgemeinde-Verwaltung auch noch befördert werde.

Konrad, der für die SPD im Gemeinde- und im Samtgemeinderat sitzt, geht hart ins Gericht mit der Rathausführung. Er vermisse die planerische Kompetenz“, sagt er gegenüber der LZ.

Rat fasste den Beschluss einstimmig

Vorwürfe, die Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt (SPD) kühlt kontert – nicht nur im Fall Deutsch Evern: „In der Sitzung am 18. Januar hat der Samtgemeinderat einstimmig beschlossen, an der bisherigen Planung des Umbaus der Grundschule Deutsch Evern zur Ganztagsschule nicht weiter festzuhalten, die bestehenden Aufträge mit den Baufirmen aufzuheben und die Verwaltung mit der Prüfung einer Alternative in Form eines bis zu dreizügigen Neubaus einer Ganztagsschule zu beauftragen“, erinnert Rowohlt und fügt an: „An dieser Sitzung hat auch Dieter Konrad teilgenommen“.

„Die Schulleitung hat signalisiert, dass in den ersten Klassen nur noch ein Schüler bis zur Dreizügigkeit fehlt.“ – Peter Rowohlt , Samtgemeindebürgermeister

Dass das Thema Um- oder Neubau der Grundschule in Deutsch Evern ein „sensibles Thema“ bleibt, ist Rowohlt bewusst. Egal, für welche Variante sich der Samtgemeinderat später letztlich auch entscheiden wird – „es wird wohl auf eine Mehrheitsentscheidung hinaus laufen“, prognostiziert der Samtgemeindebürgermeister. An ein einmütiges Votum im Rat glaubt er nicht mehr.

Am 29. Oktober jedenfalls wird der Schulausschuss der Samtgemeinde das Thema erneut auf der Tagesordnung haben. Dann geht es vor allem aber auch um die Frage, wie groß die Schule der Zukunft gebaut werden muss. Der Rathauschef will eine zukunftssichere Lösung, spricht sich für einen zweieinhalbzügigen oder „bis zu“ dreizügigen Neubau aus – auch wenn er diesbezüglich wohl noch Überzeugungsarbeit bei dem einen oder anderen Ratsmitglied leisten muss. „Aktuell hat uns die Schulleitung signalisiert, dass in den ersten Klassen nur noch ein Schüler bis zur Dreizügigkeit fehlt“, mahnt Rowohlt. Wenn dieses Entwicklung auch höhere Klassen treffe, werde es richtig eng im alten Schulkomplex.

Fläche für jedes Bauvorhaben groß genug

Fällt die Entscheidung pro Neubau, soll der auf dem Areal hinter dem Jugendzentrum realisiert werden. Ob nun zwei, zweieinhalb oder dreizügig gebaut werden soll – die Fläche wäre für jedes Bauvorhaben groß genug. „Langsam wird es Zeit, dass wir zu einer Entscheidung kommen“, mahnt Rowohlt. Immerhin: Im November steht das Thema dann beim Bauauschuss erneut auf der Agenda.

Einen festen Fahrplan gibt es dagegen schon für die Umgestaltung der Grundschule Melbeck zur Ganztagsschule. Den Vorwurf von Konrad, die Samtgemeindeverwaltung betreibe einen „abgespeckten“ Architektenwettbwerb“, weißt Rowohlt entschieden zurück. Zu keiner Zeit habe er den Architekten , wie behauptet, eine finanzielle Obergrenze von zwei Million Euro ins Planungsbuch geschrieben.

Fertiges Konzept für Einrichtung in Melbeck

Eine gute Erklärung hat der Rathauschef auch für die Entscheidung, im Vorfeld des Architektenwettbewerbs auf eine Arbeitsgruppe zu verzichten. „Es gibt bereits ein fertiges Konzept, an dem der Schulvorstand mitgewirkt hat. Da brauchen wir das doch nicht neu zu erfinden.“

Und so soll es jetzt weitergehen: Anfang Oktober beginnt der Architektenwettbewerb, können die Planer ihre Entwürfe einreichen, die dann von einer Jury gesichtet, analysiert und bewertet werden. Der Jury gehört neben dem Architekten Dietrich Hartwich, der den Architektenwettbewerb für die Samtgemeinde organisiert, auch der Bauausschuss-Vorsitzende Karsten Fuhrhop (BLI) an. Für die SPD sitzt Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt mit im Gremium, beratende Mitglieder sind Ulrich Müller-Menzel (CDU), Peter Kukat (Grüne), Martin Cohrs (UWI) – und Dieter Konrad. Doch der wird wohl an keiner einzigen Jury-Sitzung teilnehmen können. Denn der Sozialdemokrat befindet sich ab Oktober auf viermonatiger Kreuzfahrt.

Von Klaus Reschke