Donnerstag , 24. September 2020
Verspätete und gestrichene Züge waren in den vergangenen Monaten oft ein Ärgernis auch für Lüneburger Pendler. Verbessern möchte die Situation die SPD im Stadtrat, doch der Weg stößt nicht bei allen Fraktionen auf Gegenliebe. Foto: t&w

SPD-Vorstoß ins Leere?

Lüneburg. Zugverspätungen oder gar Ausfälle – davon können Pendler auf der Strecke Lüneburg-Hamburg ein Lied singen. Außerdem sollen Züge der Deutschen Bahn Vor fahrt haben vor dem Metronom. Dieser müsse ausweichen oder gar halten – sagt die SPD im Stadtrat. Die Sozialdemokraten haben das Thema deshalb auf die Agenda der jüngsten Sitzung gehoben. Das Ziel: Die Ursachen für die nervenaufreibenden Verzögererungen für Pendler und andere Reisende auszumachen und zu beseitigen. Doch so lobenswert das Ziel auch ist: Andere Fraktionen haben Probleme, sich dem Vorstoß der SPD anzuschließen.

In ihrem Antrag fordern die Sozialdemokraten die Stadtverwaltung auf, mit den zuständigen Stellen in Hamburg und Niedersachsen Gespräche zur Verbesserung der Situation aufzunehmen. Zwar folgte der Rat dem Ansinnen der SPD mit knapper Mehrheit, aber 21 Mitglieder enthielten sich auch. Denn bei der Frage nach den richtigen Adressanten und der Sinnhaftigkeit des Antrags winkte mancher Politiker ab.

Es gebe vielfältige Ursachen für einen nicht-verbindlichen Zugverkehr, sagte SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Salewski. Er benannte unter anderem die Situation am Hamburger Bahnhof, die keine längeren Züge für den Metronom zulasse sowie eine dramatische Zunahme des Güterverkehrs. Um die Probleme zu lösen, sei es – wie von der Verwaltung in einer Stellungnahme vorgeschlagen – sinnvoll, auf das Land, die Landesnahverkehrsgesellschaft und die Metropolregion Hamburg zuzugehen, damit diese Einfluss nehmen auf die Stadt Hamburg und die Deutsche Bahn AG zur Verbesserung der Situation.

Metronom ist nur zu geringem Teil Verursacher von Ausfällen

Ulrich Löb (Grüne) erinnerte daran, dass er im Verkehrsausschuss schon habe klären lassen, dass Metronom nur zu geringem Teil Verursacher von Ausfällen und Verspätungen sei. Er habe inzwischen mit der Eisenbahngesellschaft gesprochen. Die habe berichtet, dass sie mehrfach bei der DB-Netz vorstellig geworden sei, aber kein Gehör gefunden habe. Aus Sicht von Michèl Pauly (Linke) taugt der Antrag nicht zur Verbesserung der Situation der Pendler, weil die falschen Adressaten benannt würden. Verantwortlich seien die DB-Netz und die DB-Netze. „Käme der Antrag nicht von der SPD, hätte ihn die Verwaltung abgeschmettert“, ist sich Pauly sicher. Der Antrag bringe nichts, schade aber auch nicht – er bedeute lediglich Mehrarbeit für die Verwaltung.

Robin Gaberle (AfD) sagte in Richtung Salewski, die Verantwortung liege nicht bei der Stadt Lüneburg. Verantwortlich sei vor allem die Politik, die unter anderem über den Bundesverkehrswegeplan zu wenige Investitionen im norddeutschen Eisenbahnnetz angestoßen habe. Ob man nach Hamburg, Hannover oder Berlin schaue, dort sitze seit Jahren die SPD. „Vielleicht sollten Sie Ihren Antrag an Ihre Kollegen in den genannten Städten senden. Hier ist er fehl am Platz.“

Frank Soldan (FDP) merkte süffisant an, dass sich sicher etwas verbessern werde, wenn sich die Verwaltung bei überregionalen Stellen einsetze. „Ich denke, die wissen um die Probleme.“ Rainer Mencke (CDU) sagte, er könne unterschreiben, was Linke und AfD sagten. Seine Fraktion sei der Meinung: „Wir sind dafür nicht zuständig, werden uns deshalb enthalten.“

Von Antje Schäfer