Samstag , 31. Oktober 2020
Es geht über staubige Pisten im Tagebaurevier bei Hoyerswerda. Eine Herausforderung nicht nur für den Mazda, sondern auch für Benjamin Roland und Mandy Knorr. Foto: Privat

Wenn Ölgeruch alarmiert

Lüneburg. In einer Zeit, in der Fahrradschnellwege als wegweisendes Modell der Zukunft gelten, pflegen Mandy Knorr und Benjamin Roland eine andere Leidenschaft: Autos. Gern schnell, laut und stark. Dabei können ihnen jetzt Hunderttausende zuschauen: Die beiden machen mit beim „Devil‘s Race“ des sicherlich eher von Männer geschauten TV-Senders DMAX. Teuflische Rennen im Braunkohlerevier in der Lausitz. Teuflisch waren vor allem die Wochen der Vorbereitung, finden Mandy und Benny. Sie haben neben ihrem Job aus einer alten Karre eine Rennmaschine gemacht, sind über staubige Pisten gebrettert. Ob sie am Ende gewonnen haben verraten sie nicht: „Dürfen wir nicht, das ist Teil des Vertrages.“

Mazda X5 zum Renner umgebaut

Mandy aus Artlenburg ist in Hamburg in einem Unternehmen Assistentin der Geschäftsleitung und engagiert sich in der Feuerwehr. Ihr Freund Benny schuftet als Maurer. Die 41-Jährige hatte mitbekommen, dass DMAX Autobegeisterte für dieses Rennformat „Autofreaks“ sucht. Der Sender stellte jedem der 15 Teams 5000 Euro zur Verfügung für Autokauf und Material, nach vier Wochen startete der Wettkampf in Dreiergruppen irgendwo bei Hoyerswerda in einem KO-System, die Besten traten am Ende gegeneinander an.

Benny zögerte zunächst: „Ich war mir nicht sicher.“ Aber Mandy kann sehr überzeugend sein. Erst suchten die beiden via Internet europaweit nach einem ausrangierten Wagen, schließlich fanden sie ein verstaubtes Mazda X5-Cabrio – in der Garage von Bennys Onkel. Doch sie brauchten Teile, um den Wagen zum geländegängigen Flitzer umzubauen. Mandy lächelt überzeugend: „Ich habe die Händler bequatscht.“ Sitze, Gurte, ein Hardtop, jede Menge Kram für möglichst kleines Geld.

Sicherheit geht über alles

Immer wieder fährt sie vom Job aus Hamburg in das Dorf an der Elbe, Benny kommt nach zehn Stunden auf dem Bau und heißen 37-Grad-Sommer-Tagen zum Schrauben. Sie reißen alles Überflüssige heraus, Teppiche, Plastikverkleidungen, Schnickschnack, dafür kommt ein Schutzkäfig in die Kabine. Sicherheit geht über alles, nichts Brennbares soll das Team gefährden. Der 39-jährige Benny sagt: „Das waren die Auflagen von DMAX, und die haben immer nachgebessert.“ Denn offenbar merkten die Fernsehleute, die selber an einem Wagen bastelten, welche Risiken in dem Projekt stecken.

Wie gesagt, für Leute, die ansonsten über die Qualität von Lastenrädern und den richtigen Winkel bei Umfahrungssperren diskutieren, ist das nichts. Mandy und Benny sind anders. Sie fahren zu Auto-Shows und -rennen. Sie schwärmen, mit Fahrern der Rallye Monte Carlo zu klönen, bei der Mille Miglia im Norden Italiens mit Teilnehmern zu diskutieren. Da durften sie im geliehenen Lamborghini selber ein paar Kilometer fahren. „Ey, das Ding kostet eine halbe Million“, ist Benny immer noch begeistert: „Ich war schweißnass.“

Den Wagen dürfen sie behalten

Im Urlaub sind sie vergangenes Jahr in gut zwei Wochen 12.700 Kilometer im Jeep durch die USA gefahren: „In New Mexico gefühlt direkt in die Sonne, in Kansas durch endlose Felder.“ Nachts in Texas dachten sie, der Wagen sei kaputt: „Es stank nach Öl“, erinnert sich Benny. Sie lacht und sagt: „Morgens haben wir gesehen, dass da die Ölfördertürme um uns rumstanden.“

Nun also Schrauben und Autorennen. Sie sind stolz, dass der Mazda mit seiner eigenwilligen Bemalung von DMAX für eine Werbeaktion durch die Republik gefahren wird. Schon das sei ein großer Erfolg. Den Wagen dürfen sie behalten, Mandy will ihn in den Vorgarten stellen. Lossausen wollen sie auch damit. Neben der anderen Handvoll Autos, die sie fahren und an denen sie arbeiten. Klar. Es muss schon röhren und riechen. Benny sagt: „E-Autos sind mir ein Grauen.“ Was sonst.

Die Serie läuft dienstags um 21.15 Uhr. Mandy und Benny sind in der von Sophia Thomalla moderierten dritten Folge am 25. September zu sehen.

Von Carlo Eggeling