Samstag , 26. September 2020
Moritz Großmann aus Horndorf hat sich für ein eher exotisches Instrument erwärmt – die Harfe. Foto: t&w

Sphärische Klänge

Horndorf. Konkurrenz belebt das Geschäft. Im Fall von Moritz Großmann eher nicht. Da Harfespieler ohnehin schon rar gesät sind, talentierte Jungen wie der 13-Jährige noch viel mehr, ist der Horndorfer Schüler ein gefragter Mann: Ob als Begleitung zum Krippenspiel oder Rahmenprogramm für einen Chorabend – Moritz hat schon häufig vor Publikum gespielt. Jetzt bekommt er zum ersten Mal dafür ein Honorar.

Am kommenden Sonntag wird Moritz mit seiner Schulkameradin und Harfenkollegin Sirba Gabbert zum Kunsthaus Kloster Gravenhorst reisen, dort gemeinsam mit zwei jungen Akkordeon-Musikern aus der Ukraine sowie der Pianistin Mia Teofilova, die in der kommenden Spielzeit auch wieder am Theater Lüneburg zu hören sein wird, ein Konzert geben. Moderiert wird die Veranstaltung von Winfried Fechner – und der ist ein Bekannter von Moritz‘ Vater sowie ein großer Fan von dessen Sohn.

Zu zweit klingt die Harfe klarer

„Ich habe schon einmal einen Auftritt mit ihm gehabt“, berichtet der 13-Jährige, „damals im Rahmen einer Veranstaltung des Silcher-Chors, dessen Leiter er war.“ Das kam offensichtlich gut an: Jetzt trudelte dem Schüler die Einladung für die Fahrt ins Tecklenburger Land in die Hand. Lange gezögert hat Moritz nicht, von der Aufforderung auch gleich seiner Harfenlehrerin berichtet – und die holte Sirba mit ins Boot.

„Zu zwei klingt die Harfe einfach klarer, ist zudem auch lauter“, erklärt Moritz, der sich mit seiner Adendorfer Partnerin schon recht sicher fühlt: „Wir haben bereits vor den Sommerferien angefangen zu üben“, sagt er, „erst allein, jetzt auch zusammen, und das klappt gut.“ Auch die Fahrt zum Kloster werden sie gemeinsam bestreiten, Moritz‘ Vater musste sich für den Transport extra einen Kombi leihen – doch das wird künftig wohl nicht mehr reichen.

Animiert durch Aristocats

Spielt der 13-Jährige derzeit noch auf einer kleinen Hakenharfe, wird sehr bald das Pedalmodell fällig – und ein enormer Preis. Mutter Tanja erklärt: „Einfache Instrumente sind für knapp 6000 Euro zu bekommen, Konzerthafen für mindestens das Doppelte.“ Doch das tut Not, sollte Moritz dabeibleiben – was er bereits in der Vergangenheit bewiesen hat.

Seit mittlerweile sechs Jahren spielt der Horndorfer das geschwungene Gerät, ist dabei eher zufällig auf seine Leidenschaft gestoßen: „Ich habe damals den Disney-Film Aristocats gesehen, in dem eine Katze auf einer Harfe spielt, das sprach mich an.“ Feine, fast sphärische Klänge, edle, anmutige Optik sowie eine lange Tradition: Das Instrument ließ ihn nicht mehr los.

Hatten sich die Eltern das Einsteigermodell, bei dem mit Hilfe kleiner Harken die Seiten um jeweils einen halben Ton erhöht werden können, zunächst geliehen, kauften sie es bald. Jetzt müssen sie wieder investieren – auch in ein neues Auto: „Eine Pedalharfe misst um die 1,80 Meter“, weiß Moritz, „da benötigen wir dann einen Bus.“

Von Ute Lühr

Hintergrund

Eines der ältesten Musikinstrumente

Die Harfe ist ein Saiteninstrument, bei der die einzelnen Töne mittels Zupfen erzeugt werden. Sie gilt als eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit und soll bereits 3000 vor Christus in Mesopotamien und in Ägypten gebaut und gespielt worden sein. Sie wird im Sitzen gespielt, wobei der Rahmen auf den Spieler zugekippt wird.

Die Harfe ist auf eine Tonart eingespielt. Es gibt drei Grundtypen: Die Hakenharfe, bei der mit kleinen Haken die Saiten verkürzt und damit um jeweils einen Halbton erhöht werden können. Die Einfachpedalharfe, bei der dies mit Pedalen geschieht, sowie die Doppelpedalharfe, bei der jede Saite bis zu einem Ganzton erhöht werden kann.